Viele kleine und große Wunder
In Stein laden engagierte Ehrenamtliche jene ein, die sonst allein wären.
Remchinger Diakoniestation verteilt Essen an Bedürftige. Nico Roller und Julian ZachmannKönigsbach-Stein/Remchingen An einer großen, langen Tafel haben die Gäste Platz genommen, um ins Gespräch zu kommen, um frisch zubereitete Speisen zu genießen und ein paar schöne Stunden zu verbringen. Die Stimmung ist locker, die Atmosphäre entspannt. Es wird angeregt geredet, miteinander gelacht und gesungen. Im evangelischen Gemeindehaus dreht sich am Heiligabend alles um die Gemeinschaft, um das zwanglose Zusammenkommen. Eine private Initiative hat all jene eingeladen, die an diesem Tag nicht alleine sein wollen, aber niemanden haben, zu dem sie gehen können.
„Für uns alle ist das ein ganz besonderes Weihnachtsfest“, sagt Sascha Oechsle, als er sich im liebevoll dekorierten Saal umschaut. Er gehört zu den sieben Freunden, die sich zusammengetan haben, um anderen eine Freude zu bereiten. Die Idee dazu hatten sie schon im vorigen Jahr kurz nach Weihnachten, als sie in gemütlicher Runde zusammensaßen und sich dachten: „Eigentlich könnte, sollte, müsste man was machen.“ Nachdem die Pläne immer mehr Gestalt angenommen hatten, starteten im Oktober die ersten Vorbereitungen. „Das war ein richtiger Selbstläufer“, erzählt Oechsle, der sich noch gut erinnert, wie schnell alle Aufgaben verteilt waren, wie unkompliziert alles lief. „Man hat richtig gemerkt, dass alle Lust darauf hatten.“ Er und seine Kollegen sind überwältigt von der großen Unterstützung, die sie für die Aktion bekommen haben: vom Café Faulhaber, von der Metzgerei Vielsack, vom Café Maier und von zahlreichen engagierten Privatpersonen, darunter Stefan Zecha. Auch die PZ-Hilfsaktion „Menschen in Not“ hat Oechsle und seine Freunde großzügig und unkompliziert unterstützt. Die evangelische Kirchengemeinde stellte ihren Saal, die Küche, die Einrichtung und das Geschirr kostenlos zur Verfügung. Zudem sorgte sie ebenso wie das Bürgernetzwerk (BüNe) dafür, dass möglichst viele Menschen von der Aktion erfahren. Oechsle und seinen Freunden war es wichtig, die Aktion möglichst offen und niederschwellig zu gestalten, damit sich viele Menschen trauen, das Angebot anzunehmen. Zu essen gibt es heiße Würstchen mit Kartoffelsalat und Brot, alternativ Gemüsemaultaschen. Als alle Teller leer sind, dürfen die Gäste nicht nur einen mitreißenden Liedvortrag genießen, sondern auch selbst singen. „Wir wussten alle gar nicht, was uns erwartet“, sagt Oechsle: „Aber wir freuen uns sehr, dass wir es gemacht haben.“ Für ihn steht fest, dass es im kommenden Jahr unbedingt eine Wiederholung geben muss.
Ein Geschenk zurückgeben
Zahlreiche kleine und große Weihnachtswunder verbreiteten an Heiligabend auch Ehrenamtliche der Remchinger Diakoniestation: Sie verteilten 85 Mittagessen an bedürftige und alleinstehende Menschen in allen Ortsteilen. Oliver Spindler aus Kämpfelbach hatte sich für die Aktion hinter den Herd gestellt und Hähnchenbrust in Pilzrahmsoße mit Nudeln und Gemüse zubereitet. Die Kosten übernahm die Diakoniestation: „Um bewusst auch ein Geschenk zurückzugeben für die wertvollen Spenden, aber auch für all die Dankbarkeit und Wertschätzung, die wir das ganze Jahr über bekommen. Dabei haben wir besonders die Menschen im Blick, die an Heiligabend nur wenig Besuch bekommen“, unterstrich der Vorsitzende Karl-Heinz Stengel.
So freuten sich auch einige Bewohnerinnen und Bewohner der gemeindeeigenen Wohnungen an der Darmsbacher Straße über die deftige Überraschung. „Ich bin so zufrieden, dass ich es mit Worten gar nicht ausdrücken kann“, strahlte die bald 102-jährige Frieda Bozedomowa. Sie habe es schwer gehabt, als sie vor vielen Jahren von der Krim nach Deutschland kam: „Doch ich habe von Anfang an Hilfe bekommen.“ So sei sie Ende der Neunzigerjahre Teil der evangelischen Kirchengemeinde Wilferdingen geworden: „Hier so aufgenommen zu werden und echte Verbundenheit zu spüren ist eine richtige Freude in meinem Herzen“, berichtete die betagte Seniorin dem jungen Mats Stengel, als er ihr das Essen übergab und schmunzelte: „Aber erst wird der Haushalt fertig gemacht, ich muss mir das Essen ja noch verdienen.“
Die Küche bleibt nicht lange kalt bei der Diakoniestation: Auf Hochtouren laufen die Vorbereitungen für die dritte Remchinger Vesperkirche, die von Sonntag, 19., bis Samstag, 25. Januar, im evangelischen Gemeindehaus in Wilferdingen stattfindet. Eine Woche lang sollen die Menschen, die es brauchen, eine Mahlzeit, Kaffee, Tee, alkoholfreie Getränke und Kuchen kostenlos erhalten. Auch die PZ-Hilfsaktion „Menschen in Not“ unterstützt die Vesperkirche.
„Wir wussten alle gar nicht, was uns erwartet. Aber wir freuen uns sehr, dass wir es gemacht
haben.“ Sascha Oechsle, Mitorganisator
der privaten Aktion in Stein
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