Schwetzinger Zeitung, 27.12.2024

 

Cooler Rollentausch mit Geistlichen

Evangelische Kirche: Konfirmanden-Gottesdienst kommt bei Besuchern ebenso gut an, wie bei beteiligten Jugendlichen – und Pfarrerin Banse schaut gerne zu

Von Rita Weis und Daniel Horsch

Plankstadt. Eine neue, moderne Sicht auf Weihnachten vermittelten Konfirmanden am 2. Weihnachtsfeiertag in der evangelischen Kirche in Plankstadt. „Was ist Weihnachten für uns heute? Ein Fest der Geschenke? Oder gibt es da noch etwas Anderes?“ Überhaupt war der Gottesdienst der Jugendlichen ungewöhnlich und daher einer der Höhepunkte zur Weihnachtszeit: Es stand kein Pfarrer vorne am Altar, denn Pfarrerin Christiane Banse und Diakon Daniel Horsch hatten in den Bankreihen Platz genommen. Es gab auch keine festgelegten Lieder, sondern ein Wunschkonzert, für das sich die Gemeinde durch Zurufe sieben Weihnachtslieder aussuchen konnte. Für Organistin Barbara Wipfler war das durchaus eine Herausforderung an Spontaneität und Flexibilität. Der Gottesdienst selbst lag ganz in den Händen der jungen Leute.

Noch traditionell war der Beginn mit einem Orgelspiel, eine „Ouverture sur les grands jeux“ des französischen Komponisten François Couperin aus dem 18. Jahrhundert. Die Organistin erklärte, dass sie das Stück deshalb ausgesucht habe, weil es die Thematik des Gottesdienstes, die Beziehung Gottes und den Menschen, widerspiegle. So ist der Anfang des Stückes noch heiter und harmonisch in C-Dur. Die Infragestellung der Beziehung, die Zerrissenheit drückte der Komponist im zweiten Teil, geschrieben im düsteren C-Moll, aus. Der Weg der Versöhnung, das Happy End ertönte wieder in der Ausgangstonart C-Dur, doch diesmal fröhlicher im Dreiertakt, einem Tanz gleich.

Verständnis für Jesus

„Jesus, du warst ein Kind wie ich … lass mich werden wie du.“ Mit diesen Worten sprachen die Jugendlichen das erste Gebet und zeigten damit ihr Verständnis für den jungen Christus, dessen Geburt die Christenheit gerade feierte. Dann lasen zwei Mädchen aus dem Evangelium von Johannes, das erste Kapitel: „Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort.“ – Als Nächstes hatten die Konfirmanden ein Rollenspiel vorbereitet, das sie vor dem Altar aufführten. Es begann mit einem Handygespräch über einen alten Weihnachtsmarkt, aber der Angerufene hatte keine Zeit. Dann kam ein zweites Mädchen in der Rolle einer gestressten Mutter, die alle Götter um Hilfe anrief, aber keine fand. Schließlich meldete sich ein Bauarbeiter, der aus der Kirche einen Konsumtempel machen wollte. Irgendwo aus dem Raum erschall eine Stimme: „Scheinbar brauchen die Menschen mich nicht mehr.“

Die drei Darstellerinnen der Rollen diskutierten ihre unbefriedigende Situation. „Wenn ich mich hier im Raum umsehe,“ begann eine und schaute sich in der Kirche um, „dann fühle ich mich wohl, weil ich das Gefühl habe, dass hier jemand auf mich aufpasst.“ Daraufhin äußerte ein Junge für Gott: „Die Menschen haben mich nicht vergessen.“

Die Jugendlichen hatten sich eine weitere Szene ausgedacht: Sie zeigten eine Trinkflasche, die ohne Inhalt zwecklos ist, ebenso wie eine leere Geschenkschachtel, die ohne Inhalt einfach wertlose Verpackung ist, und eine Kerze, die nicht brennt und daher kein Licht spendet.

Am Kircheneingang hatten alle die Gelegenheit, ein Teelicht mitzunehmen. Die Gemeinde wurde aufgefordert, die Kerzen anzuzünden und dabei an ihre Wünsche zu denken. Dann stellten die Gläubigen ihre Kerzen auf einen Tisch vor dem Altar. Dekan Horsch bedankte sich schließlich bei allen Mitwirkenden.

Begonnen hatten die Feiern an Heiligabend mit dem Familiengottesdienst mit Krippenspiel, das 19 Kinder gestalteten, unterstützt von Mary Kastilan, Vanessa Nofer und Daniel Horsch, der bei der Begrüßung feststellte: „Alle sind da; die Kinder, die Erwachsenen und der liebe Gott.“

Lange Proben fürs Krippenspiel


Für das Krippenspiel hatten die Kinder zwei Monate lange geübt. In der nachfolgenden Predigt lud Horsch alle Gottesdienstbesuch dazu ein, sich in Gedanken an die Krippe zum Jesuskind zu stellen und dieses Gefühl dann hinaus in die Welt zu tragen. „Wenn uns das gelänge, dann würde es auf unserer Welt sicherlich mehr Vertrauen und Frieden geben.“ Mit einem großen Dankeschön an alle Mitwirkenden, einem weihnachtlichen Segen und dem traditionellen Schlusslied „O du fröhliche“ endete der Gottesdienst.

Ebenfalls an Heiligabend fand am frühen Abend der festliche Gottesdienst zur Christvesper statt und wurde klassisch und stimmungsvoll von Joachim Koch an der Orgel begleitet. Die Weihnachtsgeschichte von der Geburt Christ nach dem Lukas-Evangelium stand im Mittelpunkt der Feier. Pfarrerin Banse und Kerstin Berlinghof teilten sich die biblische Lesung und die Gemeinde untermalte die altvertrauten Worte mit klassischen Weihnachtsliedern. In ihrer Predigt stellte Banse die Worte der Engel an die Hirten in den Vordergrund: „Fürchtet euch nicht!“ Eine Ermutigung, die auch heute gelten darf, so die Pfarrerin. „Wenn Gott zu den Menschen kommt und bei uns ist, dürfen wir unsere Angst loslassen und beginnen zu leben“, fuhr sie fort. Das Strahlen der Kerzen, die während des Schlussliedes „O du fröhliche“ angezündet wurden, spiegelte sich auch in den Augen der Gottesdienstbesucher wider, die diesen Auftakt in den so Heiligen Abend sichtbar genossen.

Einen detaillierten Bericht zur Christmette gibt es auf www.schwetzinger-zeitung.de.