Weihnachten als Zeichen der Hoffnung
Christen feiern Menschwerdung Gottes Weihnachtsbotschaft wird der Angst engegengesetzt Seelsorger greifen auch politische Lage aufBad Säckingen – Kriege, Terror, wirtschaftliche Unsicherheit: Es gibt vieles, was die Menschen beängstigt und klein macht. Dieser Verunsicherung setzten die Pfarrer der christlichen Gemeinden in Bad Säckingen die Weihnachtsbotschaft entgegen. Nicht ohne Grund hatte der Theologe Eugen Biser den „therapeutischen Charakter“ des Christentums betont.
Pfarrer geht auf Magdeburg ein
In seiner Weihnachtspredigt ging Pfarrer Hans-Georg Ulrichs von der evangelischen Kirchengemeinde am Heiligen Abend auf die Weltpolitik, vor allem aber auf den Magdeburger Anschlag ein. Er ermutigte mit einer Predigt des Propheten Jesaja zu Hoffnung in Zeiten permanenter, sich verschärfender Krisen.
„In diesem Jahr weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll“, begann Ulrichs, nachdem er am Heiligen Abend die Verheißung des Friedensfürsten aus dem Buch des Propheten Jesaja verlesen hatte. Mit dem Bibeltext und seiner Deutung für die heutige Zeit traf der Geistliche den Nerv vieler Gläubiger.
Wenngleich es dem Großteil der Menschen in unseren Breiten materiell gut gehe, so scheinen die dunklen Wolken näher zu kommen. Auf die Corona-Krise folgte der russische Angriffskrieg auf die Ukraine, damit einhergehend der Einzug militärischen Denkens, von dem jeder hoffte, es nie wieder benötigen zu müssen. Ein weiterer Krieg im Nahen Osten sei hinzugekommen, und „auch gute Nachrichten, etwa vom Sturz des Tyrannen in Damaskus, bedeuten noch nicht wirklich, dass gute Zeiten folgen“, mahnte er. Magdeburg, so der Pfarrer, das hätte neben Freiburg oder Konstanz auch leicht Bad Säckingen sein können.
In Zeiten von Krisen und diffuser Unsicherheit seien die Menschen schier zerrissen „zwischen Wirklichkeit und der Sehnsucht nach dem Guten.“ Er fragte: „Kann unsere Situation heller werden durch die biblische Botschaft, durch den Glauben, durch die Sehnsucht?“ Sie kann! Und mit seiner Deutung Jesajas gab Ulrichs eine Möglichkeit, das Alte im Heute unserer Zeit zu verstehen, dem Jetzt und der Zukunft mit Mut und Zuversicht zu begegnen.
Im Festgottesdienst am Vormittag des ersten Weihnachtsfeiertages, der vom Posaunenchor festlich begleitet wurde, nahm Ulrichs Bezug auf seine Predigt tags zuvor. Mit der Geburt Jesu im Stall, so erinnerte er, dem Moment, als Gott in einem Baby Mensch wurde, hilflos und verletzlich, wurde das Alltägliche besonders, wurde daraus etwas Verbindendes und ein Hoffnung gebendes Licht.
Viele Menschen waren an Heiligabend auf dem Münsterplatz zusammengekommen, um dem Bläserensemble der Stadtmusik zu lauschen, das in der luftigen Höhe des Münsterturms Weihnachtslieder spielte.
Schon frühzeitig waren die Menschen zur Christmette gekommen, die von Severin Zöhrer (Orgel) und Markus Tannenholz (Trompete) mit klassischen Werken eingeleitet wurde. Beide Musiker sorgten auch für die Begleitung der Liturgie. Insgesamt war die Messe recht gut besucht, allerdings blieben in den Seitenschiffen noch einige Plätze frei – anders als in Vor-Corona-Zeiten, als in der Regel nicht alle Besucher der Christmette einen Platz gefunden hatten.
„Gott will etwas bewirken in der Welt; er macht sich aus Liebe zu den Menschen klein, um die Menschen groß zu machen“, brachte Dekan Peter Berg die Weihnachtsbotschaft auf den Punkt. Kriege, Terror, die Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, zu einem Pflegefall zu werden und sich entbehrlich zu fühlen: Es gebe vieles, was die Menschen ängstige und klein mache. Diese Angst würde von den Mächtigen ausgenutzt, um ihre Herrschaft zu festigen.
Gott hingegen wolle dieser Angst eine Botschaft der Liebe entgegensetzen und die Welt verändern, und zwar mit äußerster Konsequenz: „Gott ist radikal zu sich selbst, er macht sich klein, um für die Menschen da zu sein.“ Doch auch die Menschen seien aufgefordert, etwas zu tun: „Wir brauchen die Berührung mit Gott und müssen uns die Frage stellen, wie wir unser Christ-Sein leben“, sagte der Dekan, „Wenn wir in Kontakt mit Menschen kommen und uns in den Dienst der Menschen stellen, dann verändern wir die Welt.“
Liturgische Texte
Die Geburt Christi wird im Lukas-Evangelium ausführlich geschildert, während der Evangelist Matthäus vor allem den langen Stammbaum Christi beschreibt. In den Weihnachtsgottesdiensten werden stets Ausschnitte aus dem Buch des Propheten Jesaja verlesen. Dessen Aussage „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht“ wird als Vorausdeutung der Geburt des Erlösers interpretiert.
Anmerkung der Pressespiegelredaktion: Dieser Artikel ist in kürzerer Fassung unter der Überschrift "Hoffnung in Zeiten permanenter Krisen" auch in der "Badischen Zeitung" vom 27.12.2024 erschienen.
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