Mannheimer Morgen Stadtausgabe, 27.12.2024

 

„So ein schönes Gemeinschaftsgefühl“

Veranstaltung: Zur zweiten Auflage des Stadionsingens kommen 4700 Besucherinnen und Besucher ins Carl-Benz-Stadion

Mannheim. Eigentlich gilt das Carl-Benz-Stadion als Heimat des SV Waldhof 07. Wenn dort gesungen wird, dann in der Regel die Waldhofhymne. Doch am Tag vor Heiligabend herrscht die besinnliche Stimmung auch dort vor, wo sonst König Fußball regiert. Bei der zweiten Auflage des Stadionsingens haben 4700 Besucherinnen und Besucher gemeinsam eine Auswahl an Weihnachtsliedern gesungen, um sich aufs Fest der Liebe einzustimmen. Zudem gab es ein Rahmenprogramm mit musikalischen Gästen und Vertretern der Kirchengemeinden.

Veranstaltet wird das Singen vom SV Waldhof 07 in Kooperation mit der Evangelischen Kirche Mannheim, der Katholischen Kirche Mannheim, dem Lions Club Mannheim-Quadrate sowie der Stadt. Das Geld der Benefizveranstaltung geht an den Ökumenischen Kinder- und Jugendhospizdienst Clara und an das Kinderhospiz Sterntaler. Laura Grimm, Moderatorin beim lokalen TV-Sender RNF, führt charmant durch die Veranstaltung. Grußworte gibt es von Oberbürgermeister Christian Specht. Den Segen spenden der katholische Pastoralreferent Matthias Leis und Paulina Scheffzek.

Der frühe Abend ist trocken, aber frisch. So mancher Besucher reibt die klammen Hände aneinander, um sie zu wärmen. Andere kuscheln sich noch ein bisschen tiefer in ihre Schals, ziehen die Mützen tief in die Stirn. Die Sitzplätze sind schnell belegt. Viele Zuschauer haben jedoch auch kein Problem damit, im Stehen teilzunehmen. Bei der Premiere im Jahr 2019 hätten rund 1500 Sängerinnen und Sänger das Event besucht, verrät Grimm. Dieses Mal sind fast 4700 Leute dabei. Nach einer Gedenkminute für die Opfer des Attentats in Magdeburg geht es mit den Liedern „Tochter Zion“ und „Macht hoch, die Tür“ los.

Claudia und ihre Tochter Lily sind gut gelaunt. Die Neuhofenerinnen sind aus verschiedenen Gründen zum Stadionsingen gekommen. Zum einen haben sie Dauerkarten vom SV Waldhof. Zum anderen finden sie gut, dass der Reinerlös der Veranstaltung guten Zwecken gespendet wird. „Außerdem singen wir gern“, sagt Claudia. Lily fügt hinzu: „Das gemeinsame Singen sorgt für ein schönes Gemeinschaftsgefühl.“ Die junge Frau hat von dem Singevent im Internet gelesen. „Ich habe es Mama geschickt und gesagt: Da müssen wir hin.“ Zudem seien sie Weihnachtsfans, sagt Claudia. „Einmal im Jahr muss alles stimmen und friedlich sein.“

Stadionsingen soll sich als feste Größe etablieren

Claudia Seitz dirigiert den Chor aus den mehreren tausend Stimmen. Von der Bühne, die auf dem Rasen aufgebaut ist, kommt die musikalische Begleitung. Mal vom Tonband, dann vom Posaunenchor Neckarstadt unter der Leitung von Katharina Gortner. Der Kinder- und Jugendchor „Die Ohrwürmer“ unter der Leitung von Melanie Slota verzaubert das Publikum. Mit Nikolausmützen auf dem Kopf singen die Mädchen und Jungen unter anderem „Dicke, rote Kerzen“ und den Rolf Zuckowski-Klassiker „Weihnachtsbäckerei“. Dafür erhalten die Jüngsten viel Beifall.

Ein weiterer Höhepunkt ist der Auftritt von Rolf Stahlhofen. Wenn das ehemalige Mitglied der „Söhne Mannheims“ die emotionale Ballade „Meine Stadt“ mit viel Gefühl präsentiert und der Quadratestadt damit ein musikalisches Denkmal setzt, bekommen zahlreiche Zuhörer Gänsehaut. Viele Gäste singen aus voller Kehle mit. Das Programm sei noch nicht zu Ende, beruhigt Laura Grimm. „Jetzt wird es international“, kündigt sie an, bevor die Menschen im Stadion zusammen „We Wish You A Merry Christmas“ und „Feliz Navidad“ singen. Christian Möhrs liest die Weihnachtsgeschichte „Das Weihnachtsglöckchen“ nach Rolf Krenzer vor.

Auch die Kulinarik kommt nicht zu kurz. An mehreren Hütten werden Leckereien wie Bratwurst, Currywurst mit Pommes oder Glühwein und Kaltgetränke angeboten. Nina und Daniel sowie ihre Kinder Ilvy und Skadi stärken sich, bevor es auf die Ränge geht. In der Familie werden Weihnachtslieder gesungen. „Ich singe im Chor“, verrät die sechsjährige Ilvy. Ihre Mutter fügt hinzu: „Das Singen ist auch schön für die Kinder.“ Thomas und Christian haben sich mit Getränken eingedeckt und trinken sie an einem der Tische um die Hütten. Sie sind zum ersten Mal bei der Veranstaltung. „Ich finde es toll, hier zusammen mit der Familie Zeit zu verbringen“, sagt Thomas. Außerdem haben seine Nichten einen Auftritt mit dem Kinderchor, erzählt er. Gleichzeitig sind die beiden Männer Waldhof-Fans. „Das ist unser Wohnzimmer“, sagt Thomas und lacht. Auch Christian findet das Stadionsingen „eine schöne Sache“. „Das ist eine tolle Idee. Eigentlich müssten die ganzen Waldhof-Fans kommen, dann könnte das Singen nächstes Jahr noch getoppt werden“, sagt er grinsend. Er zumindest will wiederkommen. Stefan aus Feudenheim ist ebenfalls mit der Familie hier. Dass es Essen gibt, findet er praktisch. Auf seinen Lieblingssong „O du fröhliche“ muss er noch etwas warten: Das Lied wird ganz zum Schluss gespielt. Vanessa Neininger, Tochter des Lionclubs Mannheim-Quadrate-Präsidenten Bernd Neininger, ist mit der Familie hier. Das gemeinsame Singen verbinde, sagt sie. Ihre Schwester Fabienne lobt die fairen Preise.

Die Freundinnen Petra, Christiane, Rotraut und Steffi lassen den Abend mit einem Glühwein ausklingen. Christiane hat sich über „Stille Nacht“ gefreut. „Das gehört für mich zu Weihnachten.“ „Das Stadionsingen ist eine super Idee und liebevoll gemacht“, lobt Rotraut. Ihr Highlight waren die Auftritte des Kinderchors sowie von Stahlhofen. Einziger Wehmutstropfen sei, dass die Akustik an ihrem Platz nicht so gut war. Bei den Reden hätte man kaum etwas verstanden. Dennoch will das Quartett nächstes Jahr wiederkommen.

Dekan Karinca, Stadionleiter des SV Waldhof, ist nach der Veranstaltung sehr zufrieden. „Die Resonanz ist viel besser als erwartet“, sagt er. „Ich hoffe, dass wir nächstes Jahr auf 7000 oder 8000 Leute kommen.“ Das Stadionsingen solle sich als feste Größe etablieren. „Die Stimmung war sehr ausgelassen und sehr fröhlich.“