Offenburger Tageblatt Offenburg, 24.12.2024

 

Hoffnungsspuren entdecken

In ihrer Weihnachtsbotschaft erinnern die beiden Dekane Matthias Bürkle und Jutta Wellhöner an den Anfang der Weihnachtsgeschichte. Alles beginnt mit der Geburt eines Kindes. VON BARBARA PUPPE

Offenburg. „Mach’s wie Gott – werde Mensch“. Die Offenburger Seelsorger Jutta Wellhöner und Matthias Bürkle ermuntern zu Hoffnung, Begegnung und Mitmenschlichkeit in schwierigen Zeiten.

Der Ausspruch des ehemaligen Limburger Bischofs Franz Kamphaus hängt in dieser Weihnachtszeit als Plakat an vielen Kirchen der Region, auch in Offenburg. Er fasst in einem Satz die ganze Erlösungsgeschichte zusammen: Weihnachten steht für den Glauben, dass Gott in Jesus von Nazareth als Mensch erfahrbar wurde und ganz nahe kam. Der große allmächtige Gott mache sich klein, komme von seiner himmlischen Höhe herab in die Realität menschlicher Existenz.

Nicht von ungefähr beginnt das Weihnachtsevangelium nach Lukas mit der Geburt eines zarten wehrlosen Kindes. Nicht in Größe und Macht sei Gott präsent, sondern in Kleinheit und Verletzlichkeit, so die Seelsorger. Und Gottes Sohn werde nicht in einen Palast hineingeboren sondern in die Unbehaustheit eines Stalles, in eine Situation, wo Armut und Angst dazugehören.

Das bedeute, dass Gott auch die Angst und Not in den Kri-sen-und Kriegsherden dieser Erde kennt, so Dekan Matthias Bürkle. Das sichere Lebensgefühl sei vielen Menschen in diesen Zeiten abhanden gekommen, dennoch sei Weihnachten ein Fest der Hoffnung und des Neuanfangs. „Viele sagen: Ich mache die Schotten dicht, ich schaue mir die Nachrichten schon gar nicht mehr an“, beobachtet der Dekan. Dem hält er das Positive entgegen: Das Engagement vieler Menschen, die nicht nur das knapper werdende Geld für den nächsten Jahresurlaub oder das nächste große Auto zusammenhalten, sondern sich in Solidarität für andere engagieren. Ganz im Sinne des Aufrufes „Mach‘s wie Gott – werde Mensch“. Das sei eigentlich Weihnachten.

Hoffnungssignal

Auch Pfarrerin Jutta Wellhöner begegnet oft Resignation, Hoffnungslosigkeit, dem „es geht nicht mehr weiter, die Krisen nehmen überhand“. Doch sie hat auch viele Hoffnungsspuren entdeckt. Etwa bei der Aktion „Hausgebet im Advent“ unter dem Motto „In diese Welt ein Kind setzen?“ Viele junge Menschen stünden vor dieser Frage und kämen dann dennoch voller Glück und Zuversicht mit ihrem Kind zum Taufgespräch. „Kinder sind für mich Ausdruck von Hoffnung, da Gott selbst diesen Weg beschritten hat“, so die Pfarrerin. „Dass das Evangelium vom Kind aus erzählt wird, das empfinde ich als ein ganz starkes Hoffnungssignal.“

Auch das Heilige Jahr 2025, das die katholische Kirche alle 25 Jahre ausruft, steht unter dem Motto „Pilger der Hoffnung“, oder, wie Dekan Bürkle präziser übersetzt: „Pilger auf Hoffnung hin“. Es wird in der Heiligen Nacht im Petersdom mit der Öffnung der Heiligen Pforte eröffnet. „Ich glaube, was die Welt in dieser Situation braucht ist, dass wir als christliche Kirchen auf Hoffnungszeichen aufmerksam machen“, sagt der Dekan. Es gehe nicht nur um die Wallfahrt nach Rom und das Durchschreiten der Heiligen Pforte, sondern bedeute, dass bei Gott alle willkommen sind, auch alle Suchenden hätten eine offene Tür. Die zweite symbolische Türöffnung fände im römischen Gefängnis Rebibbia statt und bringe die Botschaft der Hoffnung an einen Ort, der mit Ausgrenzung und Strafe verbunden wird. Wer als Hoffender durchs Leben gehe, könne den Aufbruch wagen und neu beginnen.

Wenn man die Weihnachtsgeschichte anschaue, bemerke man sehr viel Bewegung und Aufbruch, sagt Jutta Wellhöner. So berichte das Neue Testament von zwei Frauen – beide schwanger –, die sich aufmachen, um sich zu besuchen. Durch das wachsende Leben fände Begegnung statt. „Ich glaube, viele Konflikte würden sich lösen, wenn wir uns in die Augen schauen und miteinander reden und nicht nur übereinander“, erklärt Wellhöner. Das gilt aus ihrer Sicht auch für den Weihnachtswahlkampf in diesem Jahr: Respektvoll auf Augenhöhe miteinander sprechen, sich begegnen, Hoffnung schöpfen und aufbrechen.