Die gleiche Botschaft, immer neu verpackt
Weihnachten: Wie Pfarrerin Sophia Weber in Bestenheid und Grünenwört ihre Gottesdienste gestaltet und worauf sie sich am meisten freut - »Aufregung ist immer dabei«
WERTHEIM-BESTENHEID. Geschenke kaufen, Karten schreiben, Plätzchen backen, Weihnachtsmärkte und Weihnachtsfeiern sind eigentlich nur Vorgeplänkel, denn das große Fest kulminiert an einem Tag: Heiligabend. Viele Pfarrerinnen und Pfarrer in der Region sind dann wieder gefragt, die richtigen Worte für die christliche Botschaft zu finden. Eine davon: Sophia Weber, die sich vorher stets zwischen Besinnlichkeit und Schwerstarbeit bewegt.
Für die 32 Jahre alte Pfarrerin ist es an diesem Dienstag der dritte Weihnachtsgottesdienst. Die ersten beiden Male war sie noch Pfarrerin im Probedienst in der Bestenheider Gemeinde, seit Oktober ist sie »ordentliche Pfarrerin«. »Aufregung ist dabei. Immer vor so besonderen Gottesdiensten«, sagt sie.
Ihre To-do-Liste: Heiligabend 15.30 Uhr Krippenspiel in der Bestenheider Martin-Luther-Kirche, dann weiter nach Grünenwört, wo um 17 Uhr der Gottesdienst mit Krippenspiel startet. Danach ein wenig durchschnaufen, ehe um 22 Uhr in Bestenheid die Christmette auf dem Programm steht. Am 2. Weihnachtsfeiertag geht es um 10 Uhr mit einem Abendmahlsgottesdienst in Grünenwört weiter, bis zum Jahresende folgen noch die Silvestergottesdienste in Bestenheid (16.30 Uhr) und Grünenwört (18 Uhr). Also die Festtage und der Jahresabschluss als Marathon, auch für ihre Kolleginnen und Kollegen aller Konfessionen. Auch die Gottesdienste zum Jahreswechsel müssen stehen, obwohl Weber sogar noch vier Tage Urlaub zwischen dem 2. Weihnachtsfeiertag und Silvester hat. »Mal sehen, wie viel Urlaub das tatsächlich ist. Aber man muss mal nicht erreichbar sein«, sagt sie.
Alle sind in Hektik
»Eine Kollegin hat letztens gesagt, dass es im Advent besinnlich sein soll und ruhig«, sagt Weber. »Dabei sind wir alle in der Hektik und alle anderen auch. Deshalb mag ich aber den Weihnachtsgottesdienst auch so. Das ist eine Dreiviertelstunde, wo die Menschen zur Ruhe kommen können.« Gut, wenn im Vorfeld schon mal eine grobe Struktur steht, Organisten organisiert und die Krippenspiele vorbereitet sind.
»Ich habe es zumindest geschafft, sowohl für den Krippenspielgottesdienst und den 22-Uhr-Gottesdienst an Heiligabend den Ablauf zusammenzustellen und die Lieder auszusuchen«, sagt Weber, als wir sie am Donnerstagnachmittag im Pfarrbüro treffen. Da hat sie den Religionsunterricht an der Grundschule Nassig gerade hinter sich, die Vorbereitung des Schulgottesdienstes, von zwei Beerdigungen und des Gottesdienstes zum 4. Advent noch vor sich.
Kommen unter Zeitdruck die besten Ideen? »Nein, die Ideen entstehen schon vorher: Beim Krippenspielgottesdienst geht mir das bei jeder Probe mit den Krippenspielkindern im Kopf rum, wie es wird, auch wenn noch nichts auf dem Papier steht«, sagt sie. Dieses Jahr wird der Stern von Bethlehem im Mittelpunkt stehen. Auch das Lied »Stern über Bethlehem« rahmt das Krippenspiel - und es wird grundsätzlich viel um den Stern gehen.
»Ich habe noch keine Predigt. Ich weiß noch nicht, was ich sage«, das habe sie vergangenes Jahr vor Weihnachten zu Dekanin Wibke Klomp gesagt. Und die habe erwidert: »Na ja, was wir sagen, ist ja klar. Die Botschaft an Weihnachten ist immer die gleiche.« Stimme ja auch, sagt Weber. Es gehe darum, die Botschaft, die viele Menschen dutzendfach gehört hätten, immer wieder neu und interessant zu verpacken. »Dieses Mal eben mit dem Stern und den Engeln, die sagen: Fürchte Dich nicht.«
Zum Krippenspielgottesdienst dürften die Kirchen wieder voll sein. Übrigens sei das in diesem Jahr nicht zum ersten Mal so, sagt Weber: Auch bei ihrem Einführungsgottesdienst als Pfarrerin im Oktober sowie zur Eröffnung des Familienzentrums Bestenheid zwei Wochen später habe es ein volles Haus gegeben. An Heiligabend setze sich aber zumindest nachmittags das Publikum anders zusammen. »Viele von denen aus der Kerngemeinde, die sonst immer kommen, sind beim Krippenspielgottesdienst gar nicht da. Die kommen erst am späten Abend oder an den Weihnachtsfeiertagen, wenn auch die Familie ist.«
Platz für mahnende Worte ist im Weihnachtsgottesdienst eher nicht, das Nachdenkliche blitze höchstens in den Fürbitten auf. »Es sollte einfach die Freude überwiegen. Für mich auf jeden Fall der Fokus auf das Wunder: Unser Gott wurde Mensch und kommt zu uns. Wir dürfen alle zu ihm kommen und er bringt das Licht in unsere Dunkelheit wie der Stern«, sagt Weber. Dazu kommen bei den Liedern die »Evergreens«: Kommet ihr Hirten, Stern über Bethlehem, Oh du Fröhliche. Und Stille Nacht. Selbst am Nachmittag.
Bei der Premiere überfordert
Weber erinnert sich noch an ihren ersten Heiligabend-Gottesdienst in Bestenheid vor drei Jahren. »Da war ich noch sehr überfordert«, sagt sie und lacht. Die Frage der Dekanin nach den vorbereiteten Liedzetteln habe sie erst gar nicht verstanden. »Wir haben doch Gesangbücher«, habe sie gesagt - und dann bemerkt, dass es kaum genug sind, um damit eine voll besetzte Kirche ausstatten zu können. Ein Lapsus, gerade noch verhindert.
Eine Verschnaufpause hat Weber am Heiligabend zwischen den Gottesdiensten zwischen 18.30 Uhr und 22 Uhr. »Ich habe dieses Jahr versucht, meine Gemeinde ins Gemeindehaus einzuladen und gemeinsam zu feiern«, sagt Weber. Dabei sei es insbesondere um Menschen gegangen, die sonst an diesem Abend einsam gewesen wären. Eine Voranmeldung wäre nötig gewesen, doch bis Donnerstag hatte sich niemand angemeldet. »Ich habe auch in der Gemeinde gebeten, Leute anzusprechen. Denn nur auf schriftliche Einladung kommt da keiner.« Weber hat die Aktion erstmals angeboten, nächstes Jahr soll mehr Werbung dafür gemacht werden. Sie weiß auch so die Zeit für sich zu nutzen: »Ich esse was und komme kurz runter, bevor es weitergeht.« Mit ihrer Familie will sie dann am 1. Weihnachtsfeiertag feiern.
Vor dem großen Fest ist alles bereit, alles, was vorher vorbereitet werden kann, vorbereitet: In der Bestenheider Martin-Luther-Kirche hängt schon der Stern, die Ausstattung fürs Krippenspiel liegt bereit und der Baum ist geschmückt. »Sieht super aus und duftet in diesem Jahr ganz besonders gut«, sagt Sophia Weber, als sie sich im Mittelgang fürs Foto aufstellt. Jetzt sind die Bänke leer, am Dienstag werden sie voll sein mit allen Altersgruppen. Sind Erwachsene oder Kinder das leichtere Publikum? Weber muss lachen. »Die Schulkinder sind einfacher zu beeindrucken, für die ist vieles neu und die haben die Sache auch nicht schon 50 Mal gehört. Die finden es immer wieder spannend.«
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