Ein Leben für die Musik in Mannheim
Christiane Brasse-Nothdurft feiert ihren 70. Geburtstag und blickt auf fast 40 Jahre musikalische Arbeit an der Melanchthonkantorei zurück. Auch im Ruhestand bleiben ihre Energie und Leidenschaft ungebrochen Stefan M. DettlingerMannheim. Am Telefon lacht sie erst mal ganz viel. Und dann noch mehr. Das passt. Eine Portion Glück per Telefon in diesen trüben Tagen - man hat fast Lust, Christiane Brasse-Nothdurfts Nummer zu veröffentlichen für Leute, die seelische Unterstützung benötigen. Aber blicken wir zurück: „Eine Christiane 2.0 - das könnt ihr so nicht erwarten“, soll der stellvertretende Landeskirchenmusikdirektor kurz vor ihrem Ausscheiden gesagt haben. Es war 2019. Es ging um die Nachfolge in der Melanchthonkantorei. Und Johannes Michel sollte auch recht behalten, denn bald danach wurde das Blockflötenensemble eingestellt und spaltete sich der Popchor von der Gemeinde ab. CBN hatte ihn 2003 gegründet - und groß gemacht (Nachfolgerin Beate Rux-Voss sucht jetzt nach neuen Mitgliedern für einen neuen Pop-Chor).
Nun ist Madame 1000-Volt seit fünf Jahren im Ruhestand, wobei das Wort Ruhestand in seiner physischen Assoziation hier nur falsch sein kann. Wer immer die 1954 in Herford geborene CBN beim Konzert mal antrifft, erlebt, dass ihr herzliches und offenes Wesen, dass Energie, Witz und Eloquenz nicht versiegt sind.
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Egal, morgen, am 18. Dezember, wird sie jedenfalls erst mal 70. Fast 40 Jahre hatte sie an Melanchthon gewirkt und die Musik über Generationen geprägt. Mit den Menschen und ohne Genregrenzen hat sie Popmusicals aufgeführt, Jazz gemacht, die hebräischen „Chichester Psalms“ genauso gesungen wie David Fanshawes „African Sanctus“ oder oratorische Großwerke wie Händels „Israel in Egypt“ oder Bachs h-Moll-Messe - nach eigener Aussage für sie so etwas wie der Höhepunkt ihrer Laufbahn. Dass gemeinsames Musizieren, selbst wenn es auf höchstem Laienniveau geschieht, ganz andere, soziale Komponenten hat, war der sympathischen Musikerin immer klar. Sehr viele Sänger seien durch den Kontakt mit der Kantorei wieder mehr an die Kirche herangerückt, sagte sie einmal im Interview. Einige hätten sogar über das Musizieren bei CBN zum Glauben gefunden oder seien gar in kirchliche Leitungsämter gekommen: „Die Kantorei ist ein Bindeglied zwischen außen und innen.“
Guten Morgen Mannheim!
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Ihr ehemaliger Chef kann das nur bestätigen. Sie habe als junge Kantorin mit unerschöpflicher Energie auf einer kleinen B-Stelle große Kirchenmusik gemacht, „die eine A-Stelle notwendig machte“, sagt Johannes Michel auf Anfrage. Deshalb habe man sie später auch zur Kirchenmusikdirektorin gemacht - zur ersten in Baden. Michel lobt ihre „unglaublich großartige Arbeit“ und dass sie bei aller Energie und Genauigkeit persönlich immer bescheiden geblieben sei: „Sie sah sich selbst nie im Zentrum, sondern immer die Menschen. Ich wünsche ihr zum Geburtstag alles, alles Gute und weiterhin so viel Schaffenskraft, Energie und Freude.“ Auch Heike Kiefner-Jesatko, die mit ihrem Frauenchor 4x4 schon den Deutschen Chorwettbewerb gewann, schätzt an CBN „ihre Kollegialität, ihre Zugewandtheit, ihre offene und sympathische Art“. Diese Stärken schwängen auch in ihrer Chorarbeit mit, sagt Kiefner-Jesatko, und: „Ihre Chorkonzerte sind immer ausdrucksstark und von Inhalt und Musikalität durchdrungen.“
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