„Predigen und Segnen sind meine liebsten Amtshandlungen“
Seit September sorgt sich Juliane Kautzmann als Pfarrerin im Probedienst um die ihr anvertrauten Seelen Elisabeth EnglertAdelsheim. „Predigen und Segnen sind meine liebsten Amtshandlungen“, erzählt Pfarrerin Juliane Kautzmann und man glaubt es sofort angesichts ihrer leuchtenden Augen. Sie wirkt zufrieden, scheint angekommen zu sein – nicht im Pfarrhaus, noch wohnt sie zur Miete, vielmehr in „ihrer“ Kirchengemeinde, in der sie „herzlich und warm“ empfangen worden sei. Seit September sorgt sie sich als Pfarrerin im Probedienst um die ihr anvertrauten Seelen. Und das, obwohl ihr lang nicht klar war, dass dieser Beruf ihre Berufung sein werde.
Nach dem Abitur am Ganztagesgymnasium Osterburken habe sie Germanistik und Kunstgeschichte studiert, was ihr sehr gefallen habe. Doch irgendwann spürte sie, dass ihr das zu oberflächlich sei. Wie unter Studierenden üblich „schnupperte“ sie in andere Studiengänge, auch in die Theologie.
Es war wohl Fügung, dass sie gerade eine Vorlesung besuchte, die sie von den Inhalten her fesselte. Insofern sei es für sie konsequent gewesen, das Studienfach zu wechseln und letztlich das erste kirchliche Examen abzulegen. Pfarrerin zu werden habe noch immer nicht auf ihrer Liste gestanden, eher das Arbeiten in einem Verlag. Dennoch habe sie sich um eine Vikariatsstelle beworben, denn „nun hatte ich das Examen, dann gehe ich auch ins Vikariat.“ Der Entschluss war gefasst, sie habe ihre Stelle in Freiburg angetreten. Während dieser zwei Jahre habe sie in einer Stadt leben wollen, denn später wolle sie wieder auf’s Land.
„Früher wollte ich nie vorne stehen“
Die Vikariatsaufgaben waren geprägt von Blockseminaren, Liturgik, Seelsorge, Religionspädagogik, Kirchenrecht und vielem mehr. Nicht dazu gehört habe die Geschäftsleitung einer Pfarrei mit allem Drum und Dran wie Verwaltung und Finanzen. Hierfür sei „learning by doing“ vorgesehen, was bedeute, sie schaue ihrem Mentor, dem Osterburkener Pfarrer Thomas Schnücker bei den Dienstbesprechungen über die Schultern.
Während des Vikariats habe ihr die Liturgik, die Gottesdienstlehre viel gegeben und große Freude bereitet. „Früher wollte ich nie vorne stehen“ erinnert sie sich schmunzelnd. Nun predige sie gern und genieße den Religionsunterricht, den sie an zwei Schulen in Osterburken und Seckach erteile. Sie liebe es, wenn die Kinder aufmerksam an ihren Lippen hängen und von den Geschichten bewegt seien.
Doch zurück nach Freiburg. Trotz erfüllender Tätigkeiten sei Pfarrerin zu werden noch immer nicht klar gewesen. Als sie beim Maßnehmen für ihren Talar gefragt worden sei, ob zur Vermeidung von Verwechslungen ihr Name eingestickt werden solle, habe sie dies aus einem Bauchgefühl heraus bejaht. Der Vorschlag ihrer Schwester, den Talar nach Vikariatsende zu verkaufen, sei damit hinfällig gewesen. Wiederum fällt das Wort „Fügung“.
Durch die Freude am Gottesdienstfeiern, an der Systematik, „für die schon immer mein Herz geschlagen hat“, am Durchdringen der großen Glaubensfragen sei ein schleichender Prozess in Gang gekommen, an dessen Ende der Berufswunsch Pfarrerin gestanden hätte. Fügung nennt sie auch ihre Lehrpfarrerin nebst Kolleginnen, die „großartig“ gewesen seien und ohne die sie diesen Weg nicht eingeschlagen hätte. Überhaupt habe sie viele „starke Frauen“ kennengelernt, auch bei ökumenischen Projekten.
Nun stehe sie hier auf der Kanzel und wolle die Menschen erreichen. Nicht mit einem „akademischen Sprech“, aber gleichsam in die Tiefe gehend. Fragen wie „Wie reagiert Gott auf Leid und Ungerechtigkeit in der Welt?“ oder die Kreuzestheologie, wo Gott Mensch wurde und der Mensch ihn finden könne, versuche sie nahezubringen.
Liebe zur Kunst kommt ihr bei den Predigten zugute
Zugute komme ihr bei den Predigten als auch beim Unterricht ihre Liebe zur Kunst. Viele Motive seien von Künstlern dargestellt worden. Eine Bildbetrachtung visualisiere, mache Themen nahbarer, findet die passionierte Hobbymalerin. Wichtig sei ihr, mit ihrer Sprache nicht auszugrenzen. Hier sei sie sensibel.
Die Heimatnähe der Sindolsheimerin zur Wirkungsstätte Adelsheim komme ihr zupass. Eine Bauländerin unter Bauländern. Sie wirkt zuversichtlich und geerdet, letzteres stimmig angesichts ihres familiären Umfelds, denn statt wie oft vorzufinden, entstamme sie keineswegs einer „Pfarrersdynastie“, „meine Eltern sind Bauern“, erklärt sie kurz und knapp.
Motiviert sei sie, die Menschen zu berühren, zusammenzubringen, sei es bei den Kleinen im „Zwergengottesdienst“, den Konfirmanden, den Senioren, bei Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen, ökumenischer Zusammenarbeit oder Gottesdiensten. Viele Begegnungen habe sie bereits erlebt und schwärmt von ihrer ersten Amtshandlung, einer Flusstaufe. Die Seckach plätschert zwischen Pfarrhaus und Gemeindesaal dahin, die Grünfläche biete ein natürliches Ambiente hierfür, darüber hinaus für Jugend- und „Konfifreizeiten.“
Die 34-Jährige freut sich auf die Herausforderungen, auf’s Zusammenwachsen im Kooperationsraum, auf’s „Anwachsen“ in ihrer Gemeinde und geht alles mit Gottvertrauen und Zuversicht an.
Kraft beziehe sie aus dem Glauben, dem Getragen-sein von Gott, aber auch aus dem Eingebunden-sein in ihre Familie, an die sie mit ihrem Umzug vom Breisgau ins Bauland näher herangerückt sei.
Sonntags nach dem Gottesdienst freue sie sich auf das Mittagessen im Kreise ihrer Lieben. „Das ist schön“, schmunzelt sie. Derart physisch und mental gestärkt wird sie auch über die Probezeit hinaus ausreichend Kraft für ihre liebsten Amtshandlungen haben, das Predigen und Segnen.
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