Rhein-Neckar-Zeitung - Heidelberger Nachrichten, 09.12.2024

 

Sie hat das Gotteshaus in den Quadraten für alle geöffnet

Festgottesdienst am 15. Dezember zum Dienstjubiläum: Seit 25 Jahren ist Ilka Sobottke Pfarrerin an der Citykirche Konkordien

RNZ. Als sie nach Mannheim kam, wollte sie im guten Fall fünf Jahre bleiben, im schlechten Fall nur eines. Daraus sind inzwischen 25 Jahre an der damaligen Konkordienkirche im Herzen Mannheims geworden. Das Dienstjubiläum von Pfarrerin Ilka Sobottke wird am Sonntag, 15. Dezember, um 11 Uhr mit einem Gottesdienst gefeiert, an dem auch Weggefährten wie Dekan Ralph Hartmann teilnehmen werden. Daran schließen sich ein Fest und ein Empfang an. Dabei werden sicher auch Erinnerungen aus Sobottkes bisheriger Dienstzeit wach.

Neue Ideen mussten her

„Am Anfang gab es viele Räume, in denen wenig los war. Eine verzweifelte Situation“, blickt sie heute auf das Jahr 1999 zurück. Damals war die Konkordienkirche kaum geöffnet, der Gottesdienstbesuch sonntags sehr dünn. Sogar die Schließung drohte. Neue Ideen mussten her, und schnell war klar, dass die Bedürfnisse der Menschen in der Innenstadt sich im klassischen Gemeindeangebot nicht wiederfinden. Offene Stadtkirchenarbeit inmitten der City wurde zum Stichwort. Das hört man heute auch im Namen des Gotteshauses. Seit 2001 ist die Konkordienkirche mitten in der Innenstadt die Citykirche Konkordien. Jetzt waren die Türen die ganze Woche über offen – auch für Momente der Ruhe und Einkehr in der Mittagspause oder beim Bummel. Dass die Kirche montags bis samstags von 11 bis 15 Uhr geöffnet sein kann, macht ein Team von Ehrenamtlichen erst möglich. Und dann ist da ja auch noch die Vesperkirche, für die Sobottkes Herz seit 25 Jahren brennt und die sie mit leitet.

Die Vesperkirche in die damals renovierte Konkordienkirche zu holen und damit das Thema Armut mitten in der Stadt unübersehbar zu machen, war schon im Jahr 1997 eine wegweisende Entscheidung von Kirchenleitung und Gemeinde. Bis heute ist ihre Botschaft, dass jeder Mensch eine unverbrüchliche Würde hat. Auch die offene Weihnachtsfeier steht dafür, zu der seit vielen Jahren alle eingeladen sind, die dort zusammenkommen möchten. Die Resonanz ist groß: Waren es zu Beginn rund zehn, kommen inzwischen mindestens 400 Gäste.

Das Kinderfrühstück für Grundschulkinder aus der Nachbarschaft, zu dem seit dem Jahr 2000 monatlich von 10 bis 13 Uhr eingeladen wird, stärkt die Citykirche Konkordien als Hoffnungs- und Begegnungsort ebenfalls. „Bewegt hat mich daran von Anfang an, Begegnungen zu ermöglichen von Menschen, die zuvor mit Abwehr oder Angst aufeinander blickten, wie die älteren Menschen in der Gemeinde und die Flüchtlingskinder in der Nachbarschaft“, sagt Sobottke.

Sie holte zudem die Kultur ins Gotteshaus: Kunst und Musik, Politik und Tanz, interreligiöse und interkulturelle Themen. Predigtreihen greifen heute gesamtgesellschaftliche Fragestellungen auf. Queere Valentinsgottesdienste laden Liebende und Verliebte ein. Kleidertauschpartys fördern Nachhaltigkeit. Konzerte auf der Kirchwiese ermöglichten Gemeinschaft in Coronazeiten. Ihre Verbundenheit mit allen Menschen und Religionen in der Stadt bezeugt auch die „Meile der Religionen“, die in lockerer Folge in die Innenstadt einlädt: „Wir haben sie erfunden“, freut sich Sobottke, die stets Brücken gebaut hat.

Zu ihrer Mannheimer Geschichte gehört auch ihre Ernennung zum Bloomaul im Jahr 2018. Sie war die 50. Trägerin dieses Ordens, der als höchste bürgerschaftliche Auszeichnung in Mannheim alljährlich im Nationaltheater verliehen wird. Die Jahre als Sprecherin beim „Wort zum Sonntag“ in der ARD und weiterhin ihre „Gedanken“ im SWR-Hörfunk machten sie weit über Mannheim hinaus bekannt.

Dass Aufbruch auch nun wieder die Citykirche Konkordien prägt, freut das Team in der Innenstadt. Denn das Gotteshaus im Quadrat R 2 wird im Rahmen des Strategieprozesses „Zusammen.Kirche.Erneuern“ mit einer Investition in Höhe von einer Million Euro als zentrale Veranstaltungskirche des Stadtkirchenbezirks Mannheim modernisiert. Pünktlich zu Sobottkes Jubiläumsgottesdienst ist alles fertig, die Orgel wieder ausgepackt und die Veranstaltungstechnik installiert.