Rhein-Neckar-Zeitung - Heidelberger Nachrichten, 04.12.2024

 

Proben für den ganz großen Auftritt

Teilnehmer des Chormusicals „Bethlehem“ Ende des Monats in der SAP-Arena haben sich in der Christuskirche vorbereitet

Von Manfred Ofer

Wer davon träumt, die Weihnachtsgeschichte einmal anders zu erleben, sollte sich den 29. Dezember im Kalender vormerken. An diesem Abend werden im Rahmen des Chormusicals „Betlehem“ nicht weniger als 1500 Stimmen in der SAP-Arena erklingen. Aus der Kreativ-Werkstatt der Stiftung „Creative Kirche“ mit Sitz in Witten kommt eine moderne, rockige und entstaubte Version der christlichen Heilsgeschichte jenseits konfessioneller Schranken auf die Bühne. Die RNZ hat eine der Hauptproben in der Christuskirche besucht.

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„Halleluja!“ Der Dirigent wirft seine Hände in die Höhe, als es ihm aus rund 700 Kehlen durch das Schiff der Christuskirche entgegenschallt. Achim Plagge, Landeskantor der Badischen Kirche, ist in seinem Element, und der monumentale Chor, den er an diesem Nachmittag anleitet, ganz im Hier und Jetzt. Die Sängerinnen und Sänger, die sich für die Probe des Chormusicals in dem Gotteshaus in der Oststadt eingefunden haben, sind von überall her aus der Metropolregion angereist. Zusammen bilden sie eine musikalische Familie für einen Tag.

Unter der Federführung der Stiftung „Creative Kirche“ haben sich die Evangelische und Katholische Kirche in Mannheim, die Protestantische Kirche für Ludwigshafen, die Evangelische Kirche der Pfalz, die Evangelische Landeskirche in Baden und die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau für das Gemeinschaftsprojekt zusammengetan. „Musikalisch ist eine Mischung aus Gospel auf der einen Seite und klassischen Elementen wie Weihnachtsliedern auf der anderen Seite zu hören“, beschreibt Komponist Dieter Falk das Musical.

Der Düsseldorfer Komponist und Musikproduzent kann fünf Echo-Nominierungen und mehr als 20 Millionen verkaufte Tonträger vorweisen. Er arbeitete unter anderem mit Stars wie Paul Young, Pe Werner und der Band PUR zusammen. Gemeinsam mit dem erfolgreichen Autor Michael Kunze, der unter anderem Musicals wie „Tanz der Vampire“, „Mozart!“ und „Elisabeth“ inszeniert hat, bringt er eine Menge internationaler Erfahrung mit Blick auf die moderne Neuinterpretation klassischer Stoffe mit. Und gemeinsam mit dem Ensemble von „Betlehem“, das aus Laien und erfahrenen Chorsängern, ganzen Familien und Einzelpersonen besteht, werden Musical-Stars wie Bonita Niessen, Karolin Konert sowie Mischa Mang und eine Live-Band auf der Bühne stehen. Der ikonische Inhalt, der für Christen größten Geschichte aller Zeiten, ist bekannt, doch das Arrangement in vielerlei Hinsicht neu gestrickt. So wird die Frohe Botschaft in einem mehr zeitgenössischen Gewand und über religiöse Grenzen hinweg vermittelt, wie man in einer Stellungnahme nachlesen kann.

Im Fokus der Inszenierung soll vielmehr die wichtigste aller Tugenden stehen, die Menschen zu Menschen macht: die Liebe. Das Setting zwischen Feuertonne und Stacheldraht atmet urbane Poesie und jugendliche Rebellion. Der Gospel-Sound dazu ist mitunter rockig angehaucht. Verachteten Fremden begegnen Mitgefühl und Liebe, eine königliche Beraterin findet den Mut, sich zu wehren und einfache Hirten erfahren Stärke im Glauben. Im Dezember 2023 in Düsseldorf uraufgeführt, ist das Musical seitdem auf Tour und macht mit seiner populären Version des ewigen Liedes, das seit 2000 Jahren die Herzen berührt, nun auch in Mannheim Station.

Mittlerweile geht die Probe in die Zielgeraden. Eine fabelhafte Stimmung schwebt über den Köpfen in der Christuskirche. Während sich der Mega-Chor in Lockerungsübungen versucht, die teilweise an Lach-Yoga erinnern, beobachtet Sonja Knabe das Geschehen mit einem Lächeln. Die junge Mitarbeiterin der Stiftung „Creative Kirche“ ist für die Produktion des Musicals verantwortlich. „Die Nachfrage wegen einer Teilnahme an den Proben war und ist enorm“, sagt sie. Die Aussicht, Teil eines so großen Ensembles zu sein, treibe die Menschen an, sich einbringen zu wollen. „Von einigen Sängerinnen und Sängern habe ich sogar schon gehört, dass das nach der Geburt ihrer Kinder das wichtigste Ereignis in ihrem Leben sei“, fügt sie hinzu.

Ein Blick in die bewegten Gesichter der Sängerinnen und Sänger, die vom Licht ihrer Smartphones beschienen werden, die sie während eines Refrains in die Höhe halten, spiegelt diese Passion wider. „Wir möchten Kirche als einen Raum gestalten, in dem Menschen gerne sind“, fasst Sonja Knabe die Intention zusammen, die mit dem Projekt einhergeht. Das gemeinsame Singen soll guten Begegnungen sprichwörtlich Raum geben. Scham, die aus dem Gedanken heraus resultieren könnte, dass man als Sänger nicht gut genug wäre, seien fehl am Platze. In den Klangwelten von „Betlehem“ sind alle gleich. „Jeder kann singen“, lautet das Credo der Verantwortlichen. Eine Teilnahme an den Chorproben ist mit einem geringen Unkostenbeitrag verbunden.

Info: „Betlehem“ am Sonntag, 29. Dezember, 19 Uhr, in der SAP-Arena. Tickets unter www.saparena.de/events.