Ein Ende der Vakanz ist nicht in Sicht
Michaela GabrielWie die evangelische Kirchengemeinde Achern ohne feste Pfarrer zurechtkommt
Im evangelischen Pfarrhaus in Achern wohnt kein Pfarrer mehr. Eineinhalb Pfarrstellen sind unbesetzt und ein Ende dieser Vakanz ist nicht in Sicht. Wie funktioniert unter diesen Umständen das Gemeindeleben?
Ende August gab Pfarrerin Katrin Bessler-Koch ihre halbe Stelle in Achern auf und wechselte auf eine freie Stelle in Offenburg. Sie war fünf Jahre das Gesicht der Gemeinde gewesen. Pfarrerin Felicitas Otto, die eine Vollzeitstelle hatte, verließ Achern bereits 2023 und wechselte nach Freiburg. Derzeit führt Pfarrer Andreas Moll aus Renchen die Geschäfte der Kirchengemeinde Achern.
„Ich habe die Verantwortung und darf viel unterschreiben“, sagt er. Doch Gottesdienste hält er selten in der Acherner Christuskirche und im Büro im Acherner Pfarrhaus ist nur einmal pro Woche. Er weiß: „Ein kleiner Leidensdruck ist schon da.“ Dank mehrerer Pfarrer im Ruhestand, einiger Prädikanten und der Mithilfe von Pfarrerin Regina Bub aus Kappelrodeck und Pfarrerin Agnes Gahbler aus Appenweier geht das kirchliche Leben in Achern, Sasbach und Lauf weiter: Es gibt noch jeden Sonntag einen Gottesdienst und Konfirmandenunterricht. Es finden Taufen, Trauungen und Beerdigungen statt.
„Es läuft, trotz allem“, bestätigt Dirk Jöst, Vorsitzender des Kirchengemeinderates seit 2022. Aber die Kirchenältesten seien unglaublich stark belastet und manchmal überfordert. „Es bleiben Sachen liegen und es passieren leider Fehler“, so Dirk Jöst. 60 Wochenstunden Arbeit von 1,5 vakanten Stellen fehlen der Gemeinde, zu der rund 4.500 Christen gehören. Am allermeisten fehlen die Gespräche zur Pflege von Beziehungen und die Seelsorge, die ein Pfarrer vor Ort leisten könnte, sagt Dirk Jöst.
Wenn Seelsorge in persönlichen Notlagen oder Krisen gelingen soll, braucht es dafür eine Bezugsperson, ergänzt Charlotte Brändle vom Kirchengemeinderat. Immer wenn ihre Familie umgezogen sei, habe sie den örtlichen Pfarrer aufgesucht und über ihn Kontakte zu anderen Christen bekommen: „Ein verwaistes Pfarrhaus ist aus dieser Sicht schlicht eine Katastrophe.“ Der Kirchengemeinderat habe derzeit „eine herausfordernde Herkulesaufgabe“, sagt die Achernerin. Er müsse einen gravierenden Mangel verwalten und könne ihn trotz aller Anstrengung nicht zufriedenstellend füllen. Deshalb empfindet sie die Vakanz beider Pfarrstellen als „äußerst unbefriedigend“ und träumt sogar manchmal schon nachts davon, wie sie einräumt.
„Wir geben uns Mühe“, versichert Pfarrer Andreas Moll und spricht dabei für die Hauptamtlichen im Kooperationsraum Achern-Kappelrodeck-Renchen-Appenweier. Dabei hoffe er sogar, dass die Christen in Achern, Sasbach und Lauf etwas vermissen. Immerhin sei Achern die größte Gemeinde des Kooperationsraums. „Wir wollen nicht, dass der Eindruck entsteht, es ginge auch ohne Pfarrperson“, so Moll. Richtige Beschwerden seien bei ihm bisher nicht eingegangen. Aber er wisse, dass einige Ehrenamtliche frustriert seien, weil ihnen der Ansprechpartner vor Ort fehle.
Von einer Herausforderung spricht auch Diakon Kai Palme, der zusammen mit Pfarrsekretärin Monika Gunz im Pfarrhaus in der Martinstraße die Stellung hält. Der Kirchengemeinderat sei „immer ein guter Ansprechpartner“, ist seine Erfahrung. Das Miteinander sei geprägt von Vertrauen und Respekt. Er ist dankbar, dass sich viele Ehrenamtliche mit ihrer Zeit und ihrem Engagement einbringen. Ohne sie und die tatkräftige Unterstützung der pensionierten Pfarrer ginge es nicht, sagt er. Dazu gehören die ehemaligen Acherner Pfarrer Hans-Gerd Krabbe, Renate Müller-Krabbe und Matthias Uhlig. Nicht zuletzt seien alle Hauptamtlichen aus dem Kooperationsraum mit für Achern da, auch wenn sie eigene Gemeinden haben.
Die Vakanz kann noch eine Weile dauern, weiß der geschäftsführende Pfarrer Andreas Moll. „Es wäre schön, wenn wieder jemand ins Pfarrhaus einziehen würde“, sagt er. Er oder sie könnte sofort anfangen. Einen Vertretungspfarrer bekomme Achern nicht, weil diese innerhalb der Evangelischen Landeskirche in Baden dort eingesetzt sind, wo die Not noch größer sei. Die nächsten Pfarrer zur Probe treten ihren Dienst im April an, aber Andreas Moll sieht bisher keine Anzeichen, dass jemand von ihnen sich Achern als Dienstort aussucht: „Ich befürchte, dass es auch dann nicht klappt.“
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