70 Jahre Gebet und Gesang
Mit vielen Gästen und persönlichen Erinnerungen an besondere Momente im und ums Gotteshaus wurde am Sonntag das Jubiläum der evangelischen Stadtkirche Haslach gefeiert. VON CHRISTINE ABERLEHaslach. Die evangelische Stadtkirche in Haslach, die am Sonntag sonnendurchflutet und voll besetzt war, stand im Mittelpunkt der Jubiläumsfeier, die mit besonderer Musik des Kirchenchores und zweier Solisten umrahmt wurde. Viele Gäste hatten sich dazu eingefunden, Abgeordnete aus Bund und Land, ehemalige und derzeitige Bürgermeister der Region sowie Vertreter der Gesellschaft zeigten ihre große Verbundenheit.
Michael Kaufmann eröffnete den Gottesdienst an der frisch renovierten Orgel. Die wurde erst am Freitagabend fertig, wie Karl Göckel als Chef der Firma Steinmeyer erläuterte. Er sei die ganze Woche vor Ort gewesen und es wäre ihm ein Herzensanliegen, bei der offiziellen Übergabe dabei zu sein. „Die Kirche wurde in den 70 Jahren durchbetet, durchleuchtet, durchsungen, aber auch Trauer- und Freudenzeiten lagen nah beieinander“, schaute Pfarrer Christian Meyer zurück. Die elfjährige Eloise durfte die erste Kerze am Adventskranz anzünden.
Irdischer Kirchenraum
Prälat Marc Witzenbacher, der in Vertretung der Landesbischöfin kam, ging in seiner Predigt darauf ein, dass jeder eine andere Geschichte mit dieser Kirche verbinde. Das Gotteshaus sei immer wieder vor Herausforderungen gestellt worden. Der Kirchenraum sei irdisch, aber auf den Himmel ausgerichtet. So wie das Licht durch das rote Kreuz in die Kirche blicke, so blicke das göttliche Licht in jedes Leben. „Wir gehen im Vertrauen, dass Gott uns nicht alleine lässt“, endete er. Die anschließenden Grußworte von Zeitzeugen aus den letzten 70 Jahren gaben persönliche Einblicke in verschiedene Situationen. So wusste Kurt Moser zu berichten, dass auf dem Grundstück der heutigen Kirche der Gemüsegarten seiner Familie war. Eva Hildenbrand erinnerte an den großen Tag, als Ingrid Renner-Freiberg vor 37 Jahren in ihr Amt eingeführt wurde und katholische Mitchristen ganz selbstverständlich das Abendmahl mitfeierten. Für die ehemalige Pfarrerin Renner-Freiberg war im Januar 1982 ein rabenschwarzer Tag, als der Brandanschlag verübt wurde. „Der Schreck sitzt mir immer noch in der Seele“, sagte sie. Martin Hartmann bekannte: „Ich bin in dieser Kirche aufgewachsen und mit ihr gewachsen.“ Er habe alle sechs Pfarrer erlebt, vor allem die Freizeiten hätten ihn stark beeindruckt.
Zu den Gratulanten gehörte auch der katholische Pfarrer Michael Lienhard, der den Glauben an Gott als Hauptgewinn bezeichnete. Gemeindereferentin Petra Steiner sagte: „Es kann sich sehen lassen, wie Ökumene hier in Haslach gelebt wird.“ Als Geschenk überreichte sie eine riesige Kerze, denn eine Kerze schaffe Licht und Wärme. Merican Durmus und Binur Aksu, Dialogbeauftragte der türkisch-islamischen Gemeinde, gratulierten ebenfalls. Eine sehr gute Zusammenarbeit mit vielen tollen Erfahrungen sei gewachsen. Bürgermeister Philipp Saar bezeichnete die evangelische Kirche, die den Protestanten der ganzen Raumschaft Heimat biete, als Vorbild. Die Umlandkommunen hätten Solidarität bewiesen, als es um die Sanierung des Fehrenbacherhofs ging oder jetzt um die Orgelsanierung. Weil die Lautsprecheranlage nicht richtig funktionierte, sagte er in Absprache mit den Kollegen 700 Euro für deren Erneuerung zu. Pfarrer Meyer informierte über etwa 4000 Euro, die für eine neue Anlage fehlen. Der Kirchenchor unter Leitung von Christiane Bergsträsser hatte festliche Lieder einstudiert, Monika Wartmann-Bührer und Max Bergsträsser glänzten mit ihren Soloeinlagen.
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