Pforzheimer Kurier, 03.12.2024

 

Kirche ringt um Profil

Nico Roller

Der Kirchenbezirk Badischer Enzkreis befasst sich mit der Zukunft von Taufe, Trauung und Beerdigung

Die Diskussionen im Steiner Gemeindehaus sind angeregt, die Beratungen intensiv und sachorientiert. Ausführlich hat sich die Synode des evangelischen Kirchenbezirks Badischer Enzkreis mit der Frage befasst, wie man künftig mit der Taufe, der Trauung und der Beerdigung umgehen will. Als nach mehr als einer Stunde die Ergebnisse vorgestellt werden, sieht Dekan Christoph Glimpel „trotz Differenzen in kleinen Details eine überwältigende Einmütigkeit bei allen entscheidenden Fragen“. Hintergrund der Diskussion ist ein Vorschlag der Badischen Landeskirche, die sogenannte Lebensordnung zu überarbeiten.

Dabei handelt es sich um die Feste, die die Menschen im Lauf eines Lebens begleiten. Konkret geht es um die Taufe, die Trauung und die Beerdigung. Bevor die Landessynode im kommenden Jahr über das Thema entscheidet, bittet sie die einzelnen Kirchenbezirke um Rückmeldung. Im Badischen Enzkreis haben die Pfarrer und die Diakone bereits im Oktober über den Vorschlag diskutiert und erste Ergebnisse festgehalten, die von der Bezirkssynode im Wesentlichen bestätigt und unterstrichen werden. Zwar wird eine grundsätzliche Service-Orientierung bei Kasualien wie Taufe, Trauung und Beerdigung grundsätzlich begrüßt, weil die Kirche zum Dienst an der Welt berufen ist. Allerdings, so formuliert es Dekan Glimpel, müsse dieser Dienst auftragsorientiert erfolgen. Gerade auch vor dem Hintergrund, dass sich der Dienst aus dem Auftrag ergibt und nicht etwa aus dem Selbsterhaltungswillen der Kirchenorganisation.

Die Synodalen des Badischen Enzkreises vermissen in den Vorschlägen der Landeskirche die theologische Reflexion. Es gibt viele Punkte, an denen sie sich stören. Kritisch sehen sie unter anderem, dass es in dem Papier heißt, dass Geistliche gewisse Segenshandlungen aus persönlichen Gründen ablehnen können. Den Synodalen passt diese Formulierung nicht. Ihnen ist stattdessen die Feststellung wichtig, dass eine Ablehnung immer theologisch begründet ist und nicht „auf persönlicher Willkür“ beruht.

Zudem legen sie großen Wert darauf, dass der Bezug zur Gemeinde nicht verloren geht. Etwa bei der Taufe, die aus ihrer Sicht zwar durchaus bei sogenannten Pop-Up-Aktionen zum Beispiel an Flüssen über die Bühne gehen darf. Aber dann müsse der Getaufte anschließend vor Ort in der Gemeinde aufgenommen und integriert werden.

Bei den Diskussionen wird deutlich, dass die Synodalen durchaus zum Gehen neuer Wege bereit sind, dass sie Chancen und Risiken identifizieren. Sie sehen missionarische Möglichkeiten und Gelegenheiten, mehr Menschen für die Kirche zu begeistern.

Insgesamt tagt die Synode fast drei Stunden. Dabei stellt sich auch der neue Bezirksjugendreferent vor: Nils Latschinske hat nach seiner theologischen Ausbildung an der evangelischen Missionsschule Unterweissach zuletzt in derselben Position in Vaihingen an der Enz in der Württembergischen Landeskirche gearbeitet. Aufgewachsen ist er in Stein, wo er auch lebt. Nachdem er sein Amt schon im November angetreten hat, soll der verheiratete zweifache Familienvater im Januar offiziell eingesegnet werden.

Schon früher, nämlich zum Beginn des neuen Kirchenjahrs werden die drei Kirchenbezirke Badischer Enzkreis, Mühlacker und Neuenbürg unter dem Titel „Evangelisch im Enzkreis“ zum ersten Mal einen gemeinsamen Newsletter herausgeben. Es handelt sich um eine Kooperation, die über die Grenzen der beiden Landeskirchen hinausgeht und daher laut Glimpel wegweisend ist.

Der Dekan hofft, dass es bei diesem Projekt nicht bleibt. Er verweist in diesem Zusammenhang auf den Auftrag der drei Kirchenbezirke, erste Schritte zu einem baden-württembergischen Probekirchenbezirk zu gehen. Dass es zwischen ihnen schon lange gute Verbindungen gibt, zeigen unter anderem gemeinsame Konvente und der bereits seit 2017 existierende gemeinsame Diakonieverband Enzkreis.