Gemeinden wollen Glauben gemeinsam leben und feiern
Hansjörg EbertIn Bretten gibt es nun wie in Bruchsal oder Kraichtal auch eine Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK). Nach längerem Vorlauf haben sich die katholische Kirchengemeinde Bretten-Walzbachtal, der Gemeindeverband Evangelische Kirche Region Bretten und die Neuapostolische Kirche in Bretten zur örtlichen ACK zusammengeschlossen.
Im Vordergrund steht dabei die gegenseitige Information über Glauben, Gottesdienste und Gemeindeleben. Ökumenische Gottesdienste und gemeinsame Aktionen sollen das gemeinsame Zeugnis als Christen stärken und ein gutes Mit- und Füreinander fördern, heißt es in einer Pressemitteilung.
Einen ersten gemeinsamen ACK-Gottesdienst haben die drei Gemeindeverbände bereits gefeiert: Beim Friedensgottesdienst in der voll besetzten Neuapostolischen Kirche unterstrichen die Vertreter der Gemeinden die Notwendigkeit der Friedensarbeit: Waffen könnten nie wirklichen Frieden schaffen, so die Botschaft der Predigt. Der Gottesdienst war gleichzeitig die Geburtsstunde der ACK in der Region Bretten.
Für den katholischen Pfarrer Harald-Mathias Maiba besiegelt dieser Zusammenschluss eigentlich eine Selbstverständlichkeit: Es sei überfällig, dass man in Bretten auch nach außen dokumentiere, „dass wir miteinander Christen sind und gemeinsam Glauben feiern und auch leben“, erklärt er auf Nachfrage. Konkrete Pläne für die weitere Zusammenarbeit gebe es zwar bisher nicht. Doch man werde sich zusammensetzen und gemeinsam überlegen, was man über ökumenische Gottesdienste hinaus noch gemeinsam tun könne.
Das Miteinander sei auch schon vorher gut gewesen, sagt Maiba. Denn die Neuapostolische Kirche bringe sich schon lange bei der bundesweiten ACK sehr gut ein und sei auch Vollmitglied der ACK in Baden-Württemberg. Jetzt habe man auch die lokale Zusammenarbeit in Bretten besiegelt, mit Vereinbarungen auf Augenhöhe, der gleichen Anzahl an Vertretern und gleichem Stimmrecht im Gremium. Sicher werde man sich in absehbarer Zeit als Gemeinden gegenseitig besuchen, um sich noch besser kennenzulernen, so Maiba.
„Wir hatten schon vor fünf Jahren geplant, in Bretten eine Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen zu gründen“, berichtet Ralf Bönninger, der Ökumene-Beauftragte des evangelischen Gemeindeverbands Bretten. Man sei bereits kurz vor der Gründung gestanden, als die Corona-Pandemie das Ansinnen jäh gestoppt habe. Auch die Brettener Baptisten, den Evangelischen Gemeinschaftsverband AB und die Evangelische Allianz habe man seinerzeit dazu eingeladen, doch die hätten nicht gewollt. Jetzt habe man den Faden wieder aufgenommen und weitergesponnen und mit großem Aufwand eine neue Satzung erarbeitet, erzählt der Pfarrer weiter.
Wie geht es weiter? Zunächst muss sich eine Delegiertenversammlung zu einer konstituierenden Sitzung treffen. Jede Gemeinde entsendet drei Delegierte, die das Beratungsgremium bilden und die weiteren Weichen stellen und klären soll, was man gemeinsam voranbringen kann.
„Ich erwarte, dass wir als verschiedene christliche Konfessionen vertrauensvoll zusammenarbeiten und bei besonderen Ereignissen wie etwa dem Stadtjubiläum gemeinsam auftreten“, bekundet Bönninger. Darüber hinaus könnten die Kirchen und Gemeinden ihre gemeinsamen Interessen bündeln und gegenüber den politischen Gemeinden, Vereinen und Verbänden, der Wirtschaft und den Medien auch gemeinsam vertreten. Dabei wäre es wünschenswert, dass die Christen in Bretten als eine Einheit wahrgenommen werden.
Wolfgang Schwartinsky ist einer, dem der Kontakt und die Zusammenarbeit der christlichen Kirchen in Bretten schon seit vielen Jahren auf dem Herzen liegt. Er stammt aus Norddeutschland, seine Frau ist Brettenerin. Von 2008 bis 20014 war er Gemeindevorsteher der Neuapostolischen Kirche in Bretten. Von Anfang habe er den Kontakt zu den anderen Kirchen gesucht und sei auf offene Türen gestoßen, berichtet er. In vielen Gesprächen mit den Pfarrern in Bretten habe man zueinander gefunden, es habe wenig Vorbehalte gegeben, bekundet Schwartinsky. Heute ist er der Ökumenebeauftragte seiner Kirche für den Gemeindeverband Bretten.
„Wir haben Apostel, wie es in der Urkirche war, und wir handeln nach den gleichen Grundsätzen wie die anderen christlichen Kirchen“, erläutert er, was die Neuapostolische Kirche ausmacht. Man lese auch die gleiche Bibel und singe viele Lieder, die auch in den anderen großen Kirchen gesungen werden. Man glaube an Jesus Christus, Gott den Vater, und den Heiligen Geist. Und: „Die Wiederkunft Christi steht im Mittelpunkt unseres Glaubens“, betont Schwartinsky.
Und wie sieht es mit den Freikirchen und Gemeinschaften in Bretten aus? „Wir hatten auch die anderen Kirchen und Freikirchen in Bretten zur ACK eingeladen, doch die Resonanz war eher verhalten“, so der Pastor. Man hoffe aber, dass sich noch die eine oder andere Gemeinde der ACK anschließt, die Tür sei jedenfalls weit offen. Schließlich stehe man erst am Anfang, da könne noch viel passieren.
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