Waldbrunn und weitere Gemeinden sehen sich betroffen
Weisbach.
Auf gute Nachbarschaft: Erste Informationsveranstaltung zum geplanten Projekt. Weitere sollen folgen. Ursula BrinkmannSeit Anfang Oktober wird in den Wäldern in der Michelherd am Auerhahnenschlag der Wind gemessen. Die Analyse soll Aufschluss über die Ertragspotenziale des geplanten Windparks Mosbach geben, der hier entstehen soll. Die Stadt Mosbach und die Stiftung Schönau als Grundstückseigentümer haben dazu im Mai einen Gestattungsvertrag (= Pachtvertrag) mit der Iqony GmbH geschlossen, die das Projekt entwickeln und betreiben will.
Nun startete Iqony den ersten in einer Reihe mehrerer Öffentlichkeitsdialoge, um über den aktuellen Stand des Windparkprojekts zu informieren und mit der Bevölkerung ins Gespräch zu kommen. Veranstaltungsort war das Dorfgemeinschaftshaus Weisbach. Denn Weisbach ist neben Mülben, Wagenschwend, Robern, Trienz und Fahrenbach an den geplant neun Windrädern erheblich näher dran als Mosbach.
Das weckte großes Interesse an der Veranstaltung. Rund 60 Zuhörerinnen und Zuhörer folgten zunächst den Ausführungen des Iqony-Teams. Daniel Mühlenfeld, Karsten Hilt und Dennis Nilles stellten das Unternehmen als Teilkonzern der Steag-Gruppe, seine Aktivitäten im Dekarbonisierungsprozess der Klimawende, die Regionalplanung (in der Vorranggebiete ausgewiesen sind) und – natürlich – das vor, was den geplanten Windpark Mosbach ausmacht.
Die Eckdaten: bis zu neun Windenergieanlagen mit einer Gesamthöhe von 267 Metern, eine installierte Gesamtleistung von 61 Megawatt, eine erwartete Stromproduktion von 142 Gigawatt pro Jahr, die rechnerisch 45.000 Haushalte versorgen kann, sowie die Vermeidung von 54.000 Tonnen Kohlendioxidemissionen jährlich.
"Wir setzen auf gute nachbarschaftliche Beziehungen", eröffnete Pressesprecher Mühlenfeld den Dialogteil des Abends. Was eine Neu-Weisbacherin zum Mikrofon greifen ließ: "Wir sind vor einem Jahr in den schönen Odenwald gezogen und werden von Weisbach aus künftig wohl auf alle neun Windräder blicken können."
Auf ihre Frage, mit welchem Lärm zu rechnen sei, reagierte Hilt (technischer Leiter bei Iqony für Windparks in Deutschland) mit dem Hinweis, das Schallgutachten für alle Gebiete erstellt und man die gesetzlichen Grenzwerte einhalten werde. Weitere Gutachten entstünden für den Schattenwurf, den Arten- und Naturschutz, die Stand- und Flugsicherheit, den Boden.
Dennis Nilles ergänzte, dass bei der Auswahl der konkreten Standorte im Wald möglichst solche gewählt würden, die durch Borkenkäferbefall und andere Schädigungen weniger wertvoll seien.
Die Fragen und Bemerkungen aus den Reihen der Zuhörerschaft drehten sich um technische, ökologische und wirtschaftliche Details, um individuelle Betroffenheiten und Abstände zur Wohnbebauung, um Einspeisepunkte und Feinabrieb sowie darum, inwiefern Gemeinden, ihre Bürgerinnen und Bürger an den Gewinnen beteiligt werden.
Eine Frage nach der Pachtsumme (für Mosbach und die Stiftung Schönau) wollten die Iqony-Vertreter jedoch nicht beantworten (das seien privatrechtliche Verträge), doch die angrenzenden Gemeinden profitierten auch finanziell vom geplanten Windpark; das EEG-Gesetz schreibe zwei Euro pro erzeugter Megawattstunde vor; für die errechnete Stromproduktion in der Michelherd bedeute das eine Summe von 284.000 Euro jährlich. Die Bedenken, die von den Weisbacher Segelfliegern genannt wurden, will man bei Iqony schon deshalb vertiefen, weil deren Geschäftsführer Joël Wagner selbst Segelflieger sei.
Auf die Frage, womit auf den ausgewiesenen Flächen am Winterhauch in den kommenden Jahren noch zu rechnen sei ("Mehr als neun Anlagen?"), reagierte Waldbrunns Bürgermeister Markus Haas mit einer kurzen Zusammenfassung der Windenergie-Entwicklung in der Region. "Das Thema kommt in allen Gemeinden vor."
Auf Waldbrunner Gemarkung, wo ein privater Waldbesitzer im Markgrafenwald 15 Anlagen angedacht habe und sich nun sieben im Genehmigungsverfahren befänden, habe die Kommune ihren Teil am Zwei-Prozent-für-Windenergie-Ziel der Bundesregierung erfüllt, wenn leider auch nicht auf gemeindlichen Flächen. "Wir sind da nur steuernd dabei, weitere Anlagen planen wir derzeit nicht", so Haas.
Mit Verweis auf diverse Überlegungen in den angrenzenden Gemeinden von Eberbach über Mudau, Limbach, Schefflenz und Elztal sowie weitere auf Mosbacher Gemarkung (auch für größere Anlagen) sorgt sich der Waldbrunner Bürgermeister dann doch "e bissle, dass man komplett umringt wird". Vieles, das ließen auch die Projektierer durchblicken, sei noch nicht in Stein gemeißelt.
Eines aber stößt manchem oben auf den Winterhauch sauer auf: Am Informationsabend war mehrfach Kritik darüber zu hören, dass die Entscheidungen in Mosbach und vom Mosbacher Gemeinderat getroffen wurden, man in Waldbrunn aber damit leben müsse. "Wir sind zweimal gestraft", ließ sich eine Weisbacherin vernehmen, "erst die große PV-Anlage und nun noch die Windräder."
Man wäre gern früher eingebunden worden, lautete eine andere Äußerung. Pressesprecher Mühlenfeld konnte zu den frühen Entwicklungsphasen nur sagen, dass Iqony daran nicht beteiligt gewesen sei; das sei über einen Windflächenmarktplatz eingefädelt worden. Seitens des Projektentwicklers sei man sehr um Transparenz bemüht, werde weitere Daten und Pläne auf der Homepage darstellen.
Auch die Dialoge mit der Öffentlichkeit werden fortgesetzt. Am 4. Dezember ist eine Veranstaltung im Dorfgemeinschaftshaus Wagenschwend angesetzt, am 12. Dezember ist Mosbach an der Reihe und hat dafür das Bürgerhaus in Sattelbach ausgesucht, jeweils um 18 Uhr.
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