Mannheimer Morgen Stadtausgabe, 27.11.2024

 

Bauen ja, aber mit „gebremsten Elan“

Geschäftsbericht: Die evangelische Stiftung Schönau erzielte im vergangenen Jahr eine Erlössteigerung trotz schwierigem Marktumfeld

Von Waltraud Kirsch-Mayer

Heidelberg. Ökologische Bauprojekte mit dem Rohstoff Holz wollen so manche Unternehmen forcieren. Die Möglichkeit, dafür eigene Wälder nutzen zu können, ist eher die Ausnahme. Und die trifft für die in Heidelberg ansässige Stiftung Schönau zu. Obendrein werden Forstflächen für Windparks verpachtet – was ebenfalls dazu beiträgt, den Haushalt der Evangelischen Landeskirche in Baden mitzufinanzieren. „Erlössteigerung trotz schwierigem Marktumfeld“ umschreibt die als Unternehmen geführte Stiftung das Geschäftsjahr 2023.

Die Erträge sind im Vergleich zum Jahr davor um vier Millionen auf insgesamt 45,6 Millionen Euro gesteigert worden. Davon flossen knapp 17 Millionen in den Etat der Landeskirche, und weitere 1,4 Millionen wurden in die bauliche Unterhaltung von 126 Kirchen und Pfarrhäusern investiert. „Unser breit gestreutes Portfolio hat erneut Früchte getragen“, kommentiert Ingo Strugalla, geschäftsführender Vorstand. Dazu gehört auch die einerseits nachhaltige und gleichzeitig wirtschaftliche Nutzung der Stiftungswälder. In Kooperation mit der Stadt Mosbach ist beispielsweise die Planung eines Windparks mit neun Windrädern angestoßen worden, von denen sechs auf Flächen der Stiftung stehen sollen.

Wie schon 2023 sollen in den kommenden Jahren Bauprojekte mit Holz aus dem zertifizierten Stiftungswald umgesetzt werden – und dies möglichst flexibel. Hybridbauweise, also Holz und Beton, zählt ebenfalls zu den Varianten.

Zum positiven Ergebnis haben 2023 alle Geschäftsbereiche beigetragen, betont die Stiftung. Aus dem Geschäftsbericht geht hervor, dass die Mieteinnahmen aus Wohnimmobilien auch durch erstbezogene Neubauten gesteigert werden konnten – ergänzt von Pachteinnahmen beziehungsweise Erträgen bei der der Vergabe von Erbbaurechten. Dass die Erlöse aus Immobilienfonds „deutlich angestiegen sind“, habe auch mit zeitverzögerten Ausschüttungen aus 2022 zu tun.

„Auskömmliche Rendite mit gängigen Mieten kaum möglich“

Hingegen gibt es im Geschäftsbereich Forst aufgrund gesunkener Verkaufspreise für Holz „einen marginalen Rückgang“, wie es heißt. Die Stiftung Schönau betont, gleichwohl an ihrem Wald wie an landwirtschaftlichen Flächen festhalten zu wollen. Auch mit Blick auf den Klimawandel. Und den sieht sie als riesige Herausforderung – insbesondere die aufwendige wie kostenträchtige Dekarbonisierung des älteren Gebäudebestandes im Sinne von mehr Energieeffizienz. Diese sei in den letzten Jahren hingegen bei neuen Projekt sowie Sanierungen nach neuestem Standard umgesetzt worden, unterstreicht die Stiftung. 14 Wohneinheiten wurden 2023 in unterschiedlichen badischen Regionen fertiggestellt. Im Bau befanden sich drei Projekte mit 85 Wohnungen. Außerdem lief die Planung für weitere 138 Wohnungen an – auch im „preisgedämpften Segment“.

Als „Fakt“ nennt Vorstand Strugalla, dass es aufgrund aktueller Rahmenbedingungen „kaum möglich ist, mit den gängigen Mieten eine auskömmliche Rendite zu erwirtschaften“. Dennoch habe die Stiftung entschieden, weiter zu bauen – „wenn auch mit gebremstem Elan“. Strugalla zeigt sich optimistisch, dass die Stiftung Schönau auch in Zukunft ein „Stabilitätsanker der kirchlichen Finanzierung“ sein wird.