Lichterzug zum Ende der Friedenstage
Florian ErtlUnter dem Motto „Bretten – aktiv für Frieden“ versammelten sich am Montagabend etwa 100 Menschen auf dem Kirchplatz der Stiftskirche, um mit einem Lichterzug die diesjährigen Brettener Friedenstage abzuschließen. In einer Zeit, in der internationale Spannungen und Konflikte die Nachrichten dominieren, rückte die Melanchthonstadt in den vergangenen Wochen bei vielen Veranstaltungen die Themen Versöhnung und Gemeinschaft in den Vordergrund.
Die Friedenstage enden traditionell mit dem Lichterzug durch die Innenstadt. Am Montag brachten Schulklassen, Ministranten und Mitglieder des Jugendgemeinderats an mehreren Stationen ihre Gedanken zum Thema Frieden mit kreativen Beiträgen zum Ausdruck. Musik, Lesungen und symbolische Aktionen sollten zum Nachdenken anregen und den Geist der Solidarität spürbar machen.
Oberbürgermeister Nico Morast (CDU) leitete die Veranstaltung mit einer Rede auf dem Kirchplatz ein. In dieser sprach das Stadtoberhaupt über die Kriege im Nahen Osten und in der Ukraine. Die Folgen dieser Konflikte spüre man auch in Deutschland. „Auch in unserer Debattenkultur verhärten sich die Fronten“, sagte Morast. Es sei wichtig, wieder miteinander in den Dialog zu treten, statt weiter übereinander zureden. „Die Krisen und Probleme dieser Zeit können wir schließlich nur gemeinsam, im Miteinander, lösen“, so der Oberbürgermeister.
Anschließend wurde eine christlich-islamische Erklärung mit dem Titel „Geschwisterlichkeit“ verlesen. Diese wurde im Rahmen des christlich-islamischen Dialogs in Bretten entwickelt und orientiert sich an der Erklärung von Papst Franziskus und Großimam Al-Tayyeb aus dem Jahr 2019 in Abu Dhabi.
Die Erklärung, die sowohl auf Deutsch als auch auf Türkisch vorgetragen wurde, betont die gemeinsame Verantwortung von Christen und Muslimen, für Frieden einzustehen. „Wir rufen zur Ablehnung von Gewalt, zur Förderung der Versöhnung und zur Achtung der Vielfalt auf“, sagte der katholische Pfarrer Harald-Mathias Maiba. Die Vielfalt der religiösen und kulturellen Traditionen wird in dem Dokument als Reichtum anerkannt, der die Gemeinschaft stärkt.
Die Unterzeichner – darunter Imam Muhammet Aksel von der Grünen Moschee Bretten, Pfarrer Gunter Hauser, Beauftragter für den christlich-islamischen Dialog, Pfarrer Maiba von der katholischen Kirchengemeinde Bretten-Walzbachtal sowie Ulrike Trautz, Dekanin der evangelischen Kirchengemeinde Bretten und Gölshausen – beabsichtigten ein starkes Zeichen für die interreligiöse Zusammenarbeit zu setzen.
Ein zentrales Element der Erklärung ist die Betonung der gemeinsamen Werte und des Glaubens an den einen Gott, den Gott Abrahams. Unterschiedliche religiöse Traditionen werden dabei nicht als Hindernis, sondern als Bereicherung gesehen. Diese Grundhaltung, so die Unterzeichner, solle auch über religiöse Grenzen hinaus wirken und alle Menschen, auch Nichtgläubige, guten Willens einschließen.
Nach der Unterzeichnung des Schreibens zog der Lichterzug über die Fußgängerzone zum Gottesackertor und von dort zur Berufsschule (BSB). Hier wurden die Teilnehmer von Rektorin Nicole Roeder und Bernd Neuschl empfangen. Letzterer hatte mit einer BSB-Klasse das Friedenslied „Hine mah tov“ einstudiert. Zusammen mit den Teilnehmern des Lichterzugs sollte das Lied im Kanon gesungen werden. Das klappte auf Anhieb. „Summen Sie die Melodie gerne weiter, wenn Sie jetzt weiterziehen. Tragen Sie die Botschaft auf die Straßen“, sagte Neuschl.
Auf dem Alfred-Leicht-Platz vor dem Rathaus stoppte der Lichterzug für ein Friedensgebet. Es folgten weitere Redebeiträge auf dem Kirchplatz. Sängerin Carla Ligotino, die bereits in den Vorjahren den Lichterzug mit ihrer Stimme begleitet hatte, rundete die Veranstaltung ab.
„Gerade für die junge Generation ist es bedeutend, solche Botschaften von Frieden und Zusammenhalt zu vermitteln“, sagte Teilnehmerin Cornelia Rau. Die Brettenerin lobte die christlich-islamische Erklärung. „Es wäre schön, wenn Gläubige auf der ganzen Welt diesem Beispiel folgen könnten. Es gibt eigentlich viel mehr, das uns eint, als teilt“, so Rau. „Wir haben heute gezeigt, dass es möglich ist, Brücken zu bauen und Unterschiede als Stärke zu begreifen“, fand Heribert Fink. In einer Zeit, die oft von Spaltung geprägt ist, sende diese Veranstaltung eine klare Botschaft: „Frieden beginnt im Kleinen – und er beginnt bei uns allen.“
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