Evangelisches Dekanat besucht Synagoge
Ortenauer Studientag im Zeichen des Judentums
Ortenau (red/aah). Eine „Begegnung mit dem Badischen Judentum“ stand beim diesjährigen Ortenauer Studientag auf dem Programm, wie das Evangelische Dekanat Ortenau in einer Pressemitteilung angibt. Jedes Jahr würden sich Pfarrer, Diakone, Dekane und Religionslehrer aus dem Kirchenbezirk Ortenau an diesem Fortbildungstag mit einem aktuellen Thema befassen. Aufgrund der politischen Lage nach dem 7. Oktober 2023 habe Schuldekan Daniel Liske (Ortenau-Nord) für das Treffen Anfang November ein Programm rund um das badische Judentum organisiert.
5100 Gläubige
In ganz Baden leben derzeit laut Mitteilung rund 5100 jüdische Gläubige, verteilt auf zehn Synagogengemeinden. Am Vormittag habe sich die Gruppe in der Freiburger Synagoge mit Landesrabbiner Moshe Flomenmann und mit Rami Suliman, Vorsitzender der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden (IRG Baden), getroffen. Flomenmann habe die Besonderheiten jüdischer Theologie erklärt und dabei auf die Tatsache verwiesen, dass jüdische Veranstaltungen aktuell nicht ohne Polizeischutz möglich seien. „Wer Diskriminierung oder antisemitische Haltungen miterlebt, sollte direkt selbst Stellung beziehen“, so Flomenmann, der jedoch auch sagte, es gebe viel Unterstützung aus der Zivilgesellschaft. Als „erschreckend“ habe Suliman bezeichnet, dass Judenfeindschaft in Deutschland aktuell nicht nur vom rechtsextremen Lager propagiert werde, sondern auch vom radikalen Islamismus und von pro-palästinensischen Gruppen aus dem linken Spektrum.
Allerdings, so Suliman laut Mitteilung, müsse man unterscheiden zwischen Islam und islamischem Antisemitismus. Das Problem beim Gaza-Konflikt seien die radikalen Kräfte auf beiden Seiten. Dadurch sei keine friedliche Lösung in Sicht. Es brauche einen Kompromiss. Das Anliegen der Vertreter des Evangelischen Kirchenbezirks sei laut Liske gewesen, Solidarität zu zeigen und zu erfahren, „wie wir Sie als unsere jüdischen Mitbürger unterstützen können“. Der Kirchenbezirk habe dazu eine Kollekte von insgesamt 500 Euro an die Synagogengemeinden Lörrach und Freiburg übergeben.
Am Nachmittag habe die Gruppe den jüdischen Friedhof Schmieheim und die ehemalige Synagoge Kippenheim besucht. „Damit sich die Geschichte nicht wiederholt, kommt es auf diese Erinnerungskultur an“, soll Liske erklärt haben. Jürgen Stude, Friedhofsbeauftragte der IRG Baden, habe darauf verwiesen, dass für die Pflege der rund 100 jüdischen Friedhöfe in Baden Spenden und ehrenamtliches Engagement willkommen seien.
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