70 Jahre evangelische Kirche
Am ersten Adventssonntag 1954 wurde die evangelische Kirche in Haslach eingeweiht. Die Kirchengemeinde feiert dies am kommenden Sonntag mit einem feierlichen Gottesdienst und vielen Gästen. VON MARIA BENZHaslach. Mit einem großen Festgottesdienst feiert die evangelische Gemeinde am kommenden Sonntag den Bau der evangelischen Kirche in Haslach vor 70 Jahren. Wie damals die Einweihung wird auch das Jubiläum am ersten Adventssonntag stattfinden. Der Festgottesdienst am 1. Dezember mit Pfarrer Christian Meyer und Erik Buboltz beginnt um 10.30 Uhr.
An diesem Tag wird nicht nur das 70-jährige Bestehen der Kirche, sondern auch die Einweihung der sanierten Orgel gefeiert. Hierzu werden Prälat Marc Witzenbacher in Vertretung der Landesbischöfin und Kirchenmusikprofessor Michael Kaufmann erwartet. Letzterer nimmt die sanierte Orgel offiziell ab und wird den Gottesdienst mitgestalten, schilderte Pfarrer Meyer im Gespräch mit dem
Offenburger Tageblatt. Mit verschiedenen Aktionen und durch Spenden hat die evangelische Gemeinde im vergangenen Jahr mehr als 25.000 Euro für das Orgelprojekt gesammelt. Insgesamt belaufen sich die Kosten für die Sanierung auf rund 80.000 Euro. Musikalisch wird es aber nicht nur durch die Orgel: auch der Kirchenchor und weitere Musiker werden am Gottesdienst mitwirken.
Die Grußworte sollen bewusst kurz gehalten werden, kündigt Meyer an. So werde ein Bürgermeister auch im Namen seiner Kollegen aus der Raumschaft sprechen und der katholische Pfarrer Michael Lienhard für die Ökumene.
Ab 12.30 Uhr wird gemeinsam zu Mittag gegessen. „Man kann vom Büfett nehmen und miteinander reden“, sagte Meyer, denn die Begegnung sei ein zentraler Aspekt an diesem Tag. 100 Anmeldungen gebe es bereits für den Festgottesdienst und das Essen.
Die Besucher haben außerdem Gelegenheit, zwei Ausstellungen zu sehen. Bei der ersten, die Damaris Wilhelm organisiert hat, werden Bilder von Kindern zu sehen sein, die die Kirche gemalt haben. Martin Hartmann und Peter Kneucker sind die Archive durchgegangen und haben in vielen Stunden alte Fotos und Dokumente herausgesucht, die ebenfalls am Sonntag – und auch noch in der folgenden Zeit in der evangelischen Kirche zu sehen sein werden. Auch nach dem Gottesdienst werde es jede Stunde ein kurzes Orgelspiel von verschiedenen Organisten geben, kündigte Meyer an. Wer es morgens nicht zum Gottesdienst schafft, sei auch im Laufe des Tages noch zum Jubiläumsfest willkommen, das gegen 16 Uhr mit einer Taizé-Andacht ausklingen wird. „Man kann den ganzen Tag vorbeischauen“, lädt Meyer ein. Am Sonntag werden nicht nur alle Musiker der Kirchengemeinde im Einsatz sein, sondern auch fast der ganze Kirchengemeinderat, die Konfirmanden und deren Eltern.
Wie Haslach selbst sei auch die evangelische Kirchengemeinde im Lauf der vergangenen Jahrzehnte gewachsen, schildert Meyer. Lebten Anfang des 20. Jahrhunderts noch etwa 100 evangelische Menschen in der Raumschaft, so sind es heute mehr als 1800. „Wir sind eine Migrationsgemeinde“, sagte Meyer. Immer wieder seien Menschen zugezogen und hätten sich der Gemeinde angeschlossen. In den vergangenen Jahren habe sich allerdings ein Wandel vollzogen. So werden die Menschen nicht mehr automatisch Mitglied der katholischen oder evangelischen Gemeinde, sondern es gebe immer mehr kleinere Glaubensgemeinschaften. Die evangelische Gemeinde zeigt sich offen, ermöglicht beispielsweise der rumänischen Pfingstgemeinde „Maranatha“ Gottesdienste in der Kirche zu feiern, außerdem werden im Gemeindesaal Sprachkurse angeboten. Die ökumenische Offenheit zeige sich auch im Kirchenchor, wo auch viele Konfessionslose oder Mitglieder anderer Glaubensrichtungen mitsingen. Seit vielen Jahren organisiert Traute Walker Flohmärkte für Nicaragua, und auch Friedensgebete haben hier Tradition. „Es war immer eine liberale Gemeinde“, betont Mayer, der sich am Sonntag auf viele Gäste freut.
INFO: Alle, die in diesem Jahr 70 wurden oder werden, sind auf Donnerstag, 28. November, um 12 Uhr, eingeladen für ein gemeinsames Foto zum Jubiläum, egal welche Konfession, Nation, Religion, Herkunft oder Überzeugungen sie haben. Pfarrer Christian Meyer schätzt, dass die Aktion nicht länger als zehn bis 15 Minuten dauert.
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