Besuchsdienste setzen ein Zeichen wider die Einsamkeit
Mosbach.
Sie leisten einen wertvollen seelsorgerlichen Beitrag. Ein Fachtag würdigte die Teams aus unterschiedlichen Kirchenbezirken. Ursula Brinkmann"Einsamkeit ist das große gesellschaftliche Thema unserer Tage." So stand es in der Einladung zum Fachtag für Besuchsdienste, jene Gruppen von Frauen und (wenigen) Männern in den Kirchengemeinden, die andere Menschen aufsuchen, weil sie sich in Altenpflegeeinrichtungen, Krankenhäusern oder auch daheim allein fühlen. Aus christlicher Tradition heraus werden (meist alte) Menschen an ihren Geburtstagen besucht. Die Besuche werden von Ehrenamtlichen übernommen, verortet und organisiert ist dieser Dienst am Nächsten in den Kirchengemeinden.
Als "Experten" waren nun in der Christuskirche rund 40 Frauen und Männer aus den Kirchenbezirken Mosbach, Kraichgau, Adelsheim-Boxberg und Neckargemünd zusammengekommen, um sich auszutauschen und um von einer landeskirchlichen Expertin in ihrem Wirken unterstützt zu werden. Veranstalter war die hiesige evangelische Klinikseelsorge zusammen mit dem Zentrum für Seelsorge in Heidelberg.
Pfarrerin Ingrid Knöll-Herde arbeitet bei der Evangelischen Landeskirche in Baden (Ekiba) in der Abteilung Seelsorge. Den Begriff Seelsorge möchte sie "in den öffentlichen Raum bringen, in die Cafés, auf die Friedhöfe". Besuchsdienste sieht sie zudem als Teil des landeskirchlichen Projekts "Sorgende Gemeinde werden", was unter anderem bedeutet: "Sie öffnet kirchliche Räume für das Miteinander der Generationen und schafft so Räume für Begegnung." Im Raum der Christuskirche vermittelte sie zum einen die Idee der sorgenden Gemeinde, zum anderen wollte sie von den teils als Teams angereisten Teilnehmerinnen (beider christlicher Konfessionen) hören, welche Erfahrungen sie vor Ort machen, welche Fragen und Wünsche es gibt.
Vor Ort ist es Pfarrerin Ute Krall, die als Bezirksbeauftragte für Seelsorge enge Kontakte hat zu den Ehrenamtlichen, die (wie sie als Klinikseelsorgerin) kranke Menschen in den Kliniken besuchen. Wie das Sorgende-Gemeinde-Konzept hier Gestalt angenommen hat, zeigten zwei praktische Beispiele, die beim Fachtag von handelnden Personen vorgestellt wurden: die "Hab-Zeit-Bank" als Begleitung trauernder Menschen auf den Friedhöfen durch die katholische Kirchengemeinde Mose und die Tischgemeinschaft im evangelischen Gemeindehaus in Lohrbach.
"Zwei tolle, auch ökumenisch gelebte Beispiele", fand Ute Krall, "da dürfen sich Menschen eingeladen fühlen". Aus den Reihen der Teilnehmerinnen waren zuvor schon Beispiele aus den jeweiligen Kirchenbezirken beschrieben worden. Beim Senioren-Nachmittag in Neckarelz etwa, wusste eine Ehrenamtliche zu berichten, gehe es doch vor allem darum, "immer e bissle zu schwätze".
In Gruppengesprächen waren die Teilnehmer aufgefordert, darüber zu sprechen, wo und wie sie Einsamkeit erleben, wie sie selbst ihren Dienst empfinden, wo auch Probleme auftauchen können. Das wird vonseiten der Hauptamtlichen nicht ausgespart. "Wir als Kirche möchten eine gewisse Professionalisierung in die Besuchsdienste bringen; darum diese Fortbildung."
Die Landeskirche leistet nicht nur mit Projekttagen einen Beitrag, sondern auch mit einem eigenen Besuchsdienst-Magazin. Die aktuelle Ausgabe von "unterwegs zu Menschen" (so der Titel) widmet sich dem Thema Wertschätzung. Diese Wertschätzung widerfuhr auch den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Fachtages. "Ihr seid uns als Kirche sehr wertvoll", betonten die Pfarrerinnen.
Mitunter kann der Dienst, der da geleistet wird, belastend sein, wenn etwa pflegerische Handlungen erwartet werden. "Sie sind keine Mädchen für alles", ermutigte Knöll-Herde die freiwilligen Helferinnen, Grenzen zu ziehen, "außerdem sind wir keine Therapeuten und Eventmanager." Dass manche Menschen ausschließlich nach seelsorgerlicher Begleitung durch die Profis verlangten und den von Ehrenamtlichen geleisteten Dienst nicht akzeptierten, sprach eine Teilnehmerin an. Pfarrerin Knöll-Herde verschwieg nicht, dass es personell "eine schwierige Zeit für uns als Kirche ist". Als Haupt- und Ehrenamtliche müsse man sich gegenseitig unterstützen.
Gegenseitige Stärkung und Vernetzung, auch dazu diente das Treffen in der Christuskirche. So ging man nach intensiven vier Stunden auseinander in dem Bewusstsein, ganz viel Engagement erlebt sowie neue Ideen kennengelernt zu haben. Besuchsdienste, so das Fazit einiger Gäste, seien Schatz und Chance, als Kirche Räume zu öffnen, Begegnung zu ermöglichen, der Einsamkeit etwas entgegenzusetzen …
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