Acher-Rench-Zeitung, 23.11.2024

 

Einsamkeit verstärkt sich im Alter

Einsamkeit muss nicht immer negativ sein, sie greift aber mit zunehmendem Alter um sich. Wenn Beziehungen zerbrechen oder Vertraute sterben, braucht es Veränderung. Das Forum in Achern sprach darüber. VON MICHAELA GABRIEL

Achern. Alleinsein kann sowohl gut und wertvoll als auch schmerzhaft sein. Gründe dafür und Wege aus der Einsamkeit zeigte Urte Bejick aus Baden-Baden im „Forum am Nachmittag“ in Achern auf. Mehr als 50 Zuhörer waren im Gemeindehaus St. Josef dabei.

„Einsamkeit ist vielschichtig“, sagte Margit Ilzhöfer vom Veranstalterteam zu Beginn: „Manchmal ist sie einfach grau wie der November.“ Urte Bejick war Bereichsleiterin für die Altenheimseelsorge bei der Evangelischen Landeskirche in Baden und ist seit Mai in Rente. Weil sie nach dem Verlust des Partners selbst alleine lebt, kennt sie das Gefühl der Einsamkeit.

Anbindung nötig

Grundsätzlich ist alleine zu sein auch wertvoll, sagt sie: „Zeit für sich braucht der Mensch auch, um bei sich zu Hause zu sein.“ Früher sei es ein Privileg gewesen, einen eigenen Raum zu haben. Aber genauso wichtig sei es, eingebunden zu sein und im Mitmenschen einen Beistand zu haben.

Einsamkeit sei keine Krankheit, sondern ein Gefühl: „Einsam ist, wer das von sich sagt oder so empfindet.“ Das könne auch der Fall sein, wenn viele Menschen um einen herum sind. Dann fehle eine hinreichende Anbindung an andere, Austausch und Beziehung. „Es kommt auf die Qualität der Beziehungen an“, so die promovierte Referentin.

Phasen der Einsamkeit kennen viele Menschen. Doch im Alter nimmt das Gefühl stark zu, war zu hören. Wer aus dem Beruf aussteigt, verliere Kontakte, Struktur und seine Rolle. Erfahrungen von Trennung und Tod verstärken das noch. Wenn immer mehr Beziehungen abbrechen und Menschen sterben, mit denen man vertraut war, löst sich die eigene Welt nach und nach auf. Von Jüngeren fühlt man sich mitunter unverstanden, sagt Bejick.

Es kann helfen, die eigene Einstellung zu verändern, riet die Referentin: „Man kann das Alleinsein erträglich machen“, sich an kleinen Dingen erfreuen, Neues entdecken und sich davon trösten lassen. Oder man könne sich engagieren, rausgehen, neue Freunde finden. Dazuzugehören sei wichtig. Viele ältere Menschen ziehen nicht um, weil sie sonst ihre Nachbarschaft verlieren. Menschen, die sich in ihrer Einsamkeit wertlos und ungeliebt fühlen, kann Seelsorge oder therapeutische Begleitung eine Hilfe sein, so Urte Bejick.

Die Sprecherin riet dazu, Orte aufzusuchen, wo andere Menschen sind, etwa den Wochenmarkt. Das bestätigte Reinhart Köstlin vom Forum-Team: Dort könne man zufällig Menschen treffen. „Zufällige Begegnungen finde ich wichtig.“ Eingebunden könne man auch durch Chatgruppen mit der Familie, dem Verein oder Gleichgesinnten bleiben. Elisabeth Fuchs trug bei, dass ein Lächeln immer eine Brücke zur Welt sei und das bestätigte die Sprecherin: „Menschen sind auf Resonanz angewiesen.“ Deshalb seien Blickkontakt und Lächeln so wichtig.

Das Forum am Nachmittag plant für 2025 fünf Veranstaltungen, kündigte Magdalena Seiser an. Die ersten beiden sind am 17. Februar zum Thema Europa und am 28. April zur Zukunftsfähigkeit der Menschheit.