BADISCHE NEUESTE NACHRICHTEN Bruchsaler Rundschau, 21.11.2024

 

Fenster an neuem Platz eingebaut

Kurt Klumpp

Historisches Kirchenfenster kehrt nach 27 Jahren in die Eremitage nach Waghäusel zurück

Nach einem 27-jährigen „Dornröschenschlaf“ im Keller der evangelischen Erlöserkirche in Wiesental ist das zwei Meter hohe Kirchenfenster wieder in das kleine Barockschloss nach Waghäusel zurückgekehrt. Das Fenster wurde 1957 von dem Karlsruher Künstler und Professor Albert Finck fertiggestellt. Es sitzt allerdings nicht mehr am alten Platz, weil der frühere Betsaal der Zuckerfabrik mittlerweile als Trauzimmer genutzt wird.

Waghäusels Oberbürgermeister Thomas Deuschle (CDU) sprach von einem „Erleuchtungsmoment“, als er bei einer Feier in der Eremitage das Geheimnis lüftete. „Wir wollten die konfessionelle Neutralität dieses Raumes wahren“, sagte der Rathauschef. Dafür wurde das aus mundgeblasenem Antikglas kunstvoll hergestellte Kirchenfenster mit dem Bildnis des „Auferstandenen“ von der örtlichen Schreinerei Scheurer eingebaut und von hinten „erleuchtet“. Vorausgegangen ist eine professionelle Restaurierung durch Lucie Selb und Melanie Konrad aus Karlsruhe.

„Möglich war dies dank großzügiger Sponsoren“, sagte Thomas Deuschle. Der Oberbürgermeister verwies auf die Unterstützung durch die Sparkasse Kraichgau und die Sparkasse Karlsruhe, die sich mit jeweils 5.000 Euro an den Kosten beteiligten.

Der Lions Club Eremitage Waghäusel steuerte zudem 2.500 Euro bei. Waghäusels Kulturbeauftragte Antje Gillich ging bei der Feier auf die Geschichte des Betsaals ein, der 1860 von der Direktion der Zuckerfabrik für die protestantischen Beschäftigten eingerichtet wurde. Nach der Werksordnung mussten damals die Mitarbeitenden sonntags zum Gottesdienst gehen. Gillich beschrieb auch den langen Weg von der Schenkung des Fensters durch den evangelischen Oberkirchenrat an die Stadt Waghäusel bis zur heutigen Präsentation.

Bestätigung bekam Gillich von Restauratorin Lucie Selb, die an die Schrecksekunde beim ersten Anblick im Keller der Erlöserkirche erinnerte. Alle Mühen schienen jedoch am Dienstagabend bei der Übergabe des Kirchenfensters vergessen. Auch Margarete Frick, der jüngste Tochter des Künstlers Albert Finck, war dabei. „Mein Vater hätte heute seine Freude gehabt“, sagte Frick. Sie freute sich, dass ihr Bruder – wie geplant – das Kirchenfenster der evangelischen Gemeinde nicht abkaufen konnte.