Pfarrer besuchen badische Synagogen
Der „Ortenauer Studientag“ der evangelischen Kirche befasste sich mit dem Judentum.Kippenheim Der Fortbildungstag des Evangelischen Kirchenbezirks Ortenau, der sich an Pfarrer, Dekane und Religionslehrer richtete, war aufgrund der politischen Lage nach dem 7. Oktober 2023 und des in der Folge zunehmenden Antisemitismus besonders brisant. Der Ortenauer Schuldekan Daniel Liske hatte das Programm rund um das historische und gegenwärtige badische Judentum organisiert. Dabei sollte dieser Studientag einerseits der Begegnung und der Solidarisierung dienen, aber auch Einblicke in das heutige Judentum geben sowie Spuren jüdischen Lebens in der Ortenau nachzeichnen, teilt das Dekanat mit.
In Baden leben derzeit rund 5100 jüdische Gläubige, verteilt auf zehn Synagogengemeinden. Allerdings sind jüdische Veranstaltungen ohne Polizeischutz nicht mehr möglich. Erschreckend sei, stellte Rami Suliman, Vorsitzender der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden fest, dass immer wieder jahrtausendealte antisemitische Klischees zum Vorschein kommen.
Das Problem gerade beim aktuellen Gaza-Konflikt seien aber die radikalen Kräfte auf beiden Seiten: „Deswegen ist derzeit keine friedliche Lösung in Sicht“, so Suliman. Das Anliegen der Vertreter des Evangelischen Kirchenbezirks Ortenau wurde klar formuliert: „Wir möchten mit unserer Anwesenheit in Ihrer Synagoge unsere Solidarität zeigen, Wertschätzung zum Ausdruck bringen und erfahren, wie wir Sie als unsere jüdischen Mitbürger unterstützen können“, erläuterte Liske. Als Zeichen der Solidarität übergab der Kirchenbezirk eine Kollekte der Teilnehmer von 500 Euro an die beiden Synagogengemeinden.
Am Nachmittag fand der zweite Veranstaltungsteil in Schmieheim und Kippenheim statt. Bei einer Führung über den jüdischen Friedhof Schmieheim kam zur Sprache, dass für die Pflege der circa 100 jüdischen Friedhöfe in Baden Spenden und ehrenamtliches Engagement willkommen seien. Auch könnten Schülergruppen im Rahmen von Projekttagen unter Anleitung einfache Gärtnerarbeiten verrichten. Jürgen Stude vom Verein „Ehemalige Synagoge Kippenheim“ gab bei einer Führung in der ehemaligen Synagoge Kippenheim Einblicke in die historische jüdische Ortenau und in die Erinnerungskultur in Baden. „Damit sich die Geschichte nicht wiederholt, kommt es auf diese Erinnerungskultur an“, stellte Liske abschließend fest.red/jb