rnz.de (Rhein-Neckar-Zeitung), 18.11.2024

 

Warum das die letzte Synode war

Sinsheim/Kraichgau.

Die Synode des evangelischen Kirchenbezirks Kraichgau kam ein letztes Mal in dieser Zusammensetzung zusammen.

(oh) Zum letzten Mal in dieser Zusammensetzung trafen sich die Synodalen des Kirchenbezirks Kraichgau am Freitagabend im "Haus der Kirche" in Sinsheim. Zu Beginn des kommenden Jahres werden die Kirchenbezirke Kraichgau und Neckargemünd-Eberbach gemeinsam tagen. Die Fusion ist damit einen Schritt weiter und wird zum 1. Januar 2026 voll wirksam. Ab Januar ist der neue Bezirk dann auch mit neuem Namen unterwegs: Neckar-Kraichgau.

Zum Auftakt der Herbstsynode verlas Schuldekan Gunnar Kuderer einen Impuls der Rundfunkpfarrerin Lucie Panzer, in dem es um die Anwesenheit Gottes in der Welt geht angesichts von Kriegen und Krisen. Helgine Borm gab aus der Landessynode bekannt, dass der Beschluss, die zwei Kirchenbezirke zu vereinigen, einstimmig gefasst worden ist. Zudem wurde beschlossen, die Kirchengemeinderatswahlen im nächsten Jahr am 1. Advent als reine Urnenwahl abzuhalten.

In ihrem Bericht verwendete Dekanin Christiane Glöckner-Lang das Bild vom herabfallenden Herbstlaub, um festzustellen: "Wir leben tatsächlich in einer Zeit, in der vieles fällt und durcheinander gewirbelt wird wie die Blätter im Herbst. Weltpolitisch, kirchenpolitisch und bei vielen auch privat." Das Fallen der Blätter erinnere auch ans Loslassen. Dies sei keine einfache Übung, doch nach dem Loslassen komme das Neuwerden. Dies sei in der Natur so und auch im neuen Kirchenbezirk Neckar-Kraichgau. Diesen Namen müsse die neue Synode im Jahr 2026 nach den Ältestenwahlen noch endgültig beschließen. Vom Kirchenbezirk Neckargemünd-Eberbach war Schuldekanin Silke Dangel anwesend, sie wird das Amt zusammen mit Kuderer ab dem nächsten Jahr ausüben. Am 21. März wird die Synode im neuen Bezirk erstmals in Neckargemünd tagen.

Einen Blick warf die Dekanin in den "alten" Bezirk. Hier gehe es im Kooperationsraum Mitte um Sinsheim herum gerade um die gemeinsame Gottesdienstplanung. Im Kooperationsraum Süd in den Gemeinden um Eppingen und Bad Rappenau findet für die Hauptamtlichen im Februar der sogenannte 24 Stunden-Check in Hohenwart statt, die Vorbereitung auf die Dienstplangestaltung im kommenden Jahr. Im Norden fehlt Pfarrer Jonas Rühle aus Waibstadt und Daisbach. Laut Stellenschlüssel kann keine Ausschreibung erfolgen. Es sei deshalb zu überlegen, wie die vakanten Stellen auf Dauer versorgt werden können. Der Bezirksstrukturausschuss habe dazu einen Vorschlag erarbeitet. "Wir sind voller Zuversicht, denn es geht weiter", sagte die Dekanin. Zur Nachwahl als Stellvertretung im Bezirkskirchenrat für ein Jahr stellte sich Pfarrer Hendrik Fränkle aus Sinsheim zur Verfügung und wurde einstimmig gewählt.

Schwerpunktthema im zweiten Teil der Veranstaltung war die Gestaltung von Kasualien. So werden Gottesdienste bezeichnet, die zu wichtigen Stationen im Leben gefeiert werden: Taufe, Konfirmation, Trauung und Beerdigung. Rainer Heimburger, Referent für Gottesdienstfragen beim Oberkirchenrat, teilte in seinem Vortrag mit, dass es bei den Kasualien einen Paradigmenwechsel gegeben hat. Statt der Amtshandlung rücke der Segen in den Vordergrund. Dieser vermittle den Menschen, dass es gut sei, dass sie da sind. Sie seien von Gott gewollt. Für manche könne der Segen ein erster Schritt sein, der nach mehr verlange.

Die zunehmende Individualisierung erzeuge in den Menschen den Wunsch nach Besonderem. So gebe es Wünsche, im Freien zu heiraten oder sein Kind in einem Bach taufen zu lassen, auch Trauerfeiern im Friedwald seien gefragt. Dazu wünschten sich die Menschen außergewöhnliche Musik. Kirche werde oft als Dienstleister verstanden. Wichtig sei, dass eine Pfarrperson gut erreichbar ist. Die Inhalte des Glaubens sollten für kirchenfremde Menschen einfach und verständlich, aber nicht simpel vermittelt werden. Kasualien seien eine wichtige Gelegenheit, mit Menschen in Kontakt zu kommen und sie an den Übergängen ihres Lebens zu begleiten.

Eine schwierige Frage sei die Forderung der Kirchenmitgliedschaft in einer Zeit, in der viele Menschen aus der Kirche austreten. Hier gebe es beispielsweise die Möglichkeit, statt Pate Taufzeuge zu werden, was auch für Ausgetretene möglich ist. Eine kirchliche Hochzeit ohne eine vorherige standesamtliche Eheschließung ist nicht machbar, wohl aber, dass Paare eine Segnung empfangen. Auch Trauerfeiern oder Beerdigungen ohne kirchliche Mitgliedschaft seien möglich. Über finanzielle Aspekte müsse aber gesprochen werden.

In Gruppen wurde diskutiert. Dabei klang immer wieder an, dass Kirche offen bleiben müsse für die Bedürfnisse und Wünsche der Menschen. Mit einer Abendandacht endete die Synode.