Wertheimer Zeitung, 13.11.2024

 

Ein »begnadeter Seelsorger« nimmt Abschied

Evangelische Kirche: Pfarrer Bernhard Ziegler verlässt die Gemeinden Dertingen, Kembach, Dietenhan und Höhefeld

WERTHEIM-DERTINGEN. Angemessen und würdevoll ist der Dertinger Pfarrer Bernhard Ziegler am vergangenen Sonntag verabschiedet worden. Er quittiert zum Jahresende seinen Dienst in den Gemeinden Dertingen, Kembach, Dietenhan und zuletzt auch Höhefeld und wird Militärpfarrer am Bundeswehrstützpunkt in Hammelburg. Die Gemeinden fuhren zum Abschied alles auf, was sie zu bieten haben.

Die Feierlichkeiten begannen mit einem Gottesdienst in der vollbesetzten Wehrkirche Dertingen, der vom Dertinger Gesangverein Vocalis und dem Posaunenchor musikalisch mitgestaltet wurde. Dekanin Wibke Klomp entpflichtete Ziegler von seiner Pfarrstelle und ließ Zieglers Werdegang Revue passieren. Sie erinnerte daran, Ziegler auf seiner ersten Pfarrstelle maßgeblich daran beteiligt gewesen sei, dass die Kirchengemeinden Dertingen, Dietenhan und Kembach zusammengewachsen seien. In den 18 Jahren seiner Amtszeit war er auch als Krankenhausseelsorger und für die Blaulicht-Organisationen zuständig, aber auch für die Kirchenmusik im Bezirk. Außerdem hielt er Unterricht an Wertheimer Schulen. Klomp dankte Ziegler für sein außergewöhnliches Engagement.

Gute Zusammenarbeit

Im Anschluss an den Gottesdienst würdigte Oberbürgermeister Markus Herrera Torrez Zieglers Leistungen in ganz Wertheim-Ost. Es habe immer eine sehr gute Zusammenarbeit zwischen Kirche und Stadtverwaltung gegeben. Herrera Torrez nannte Ziegler einen »begnadeten Seelsorger«.

Angeführt von den Fanfarenzügen der Fränkischen Herolde aus Dertingen und Höhefeld zog die Gemeinde anschließend zum Feiern in die Mandelberghalle. Patronatsherr Ludwig Fürst zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg würdigte die Arbeit seines Patronatspfarrers. Sehr persönliche Worte fand der Vorsitzende der Bezirkssynode, Ekkehard Hüneburg. Bernhard Ziegler war während seiner ganzen Amtszeit in Wertheim auch stellvertretender Vorsitzender der Bezirkssynode.

Christoph Brand sprach stellvertretend für die Wertheimer Amtskollegen und erzählte von sehr humorvollen Pfarrkonventen, bei denen es nicht nur ernst und theologisch wertvoll, sondern zuweilen auch sehr lustig zugegangen sei - was Ziegler zu verdanken gewesen sei. Brand sprach aber auch davon, wie viel er von Ziegler selbst gelernt habe: zum Beispiel, die Dinge nicht so schwer zu nehmen und die große Zuversicht, dass doch alles gut werden könne.

Zieglers Humor wurde an diesem Mittag sehr oft betont, und jeder Redner hatte seine ganz eigene Anekdote über den scheidenden Pfarrer zu berichten. Die Kembacher Ortsvorsteherin Tanja Bolg sagte im Namen der Ortschaften und Vereine: »Wir müssen einen lieb gewonnenen Pfarrer gehen lassen.« Sie hob einige große gemeinsame Projekte hervor: Kirchenrenovierungen und Kindergartensanierungen standen an, ein Neubau und der Strukturwandel in der Kirche waren zu bewältigen. Ziegler habe immer den richtigen Ton getroffen und trotz aller Arbeit nie »Nein« gesagt. Er habe die Ökumene gelebt und auch mal neue Wege eingeschlagen. »Die Menschen werden Sie vermissen«, sagte Bolg.

Die Leiterinnen der Kindertagesstätten, Karina Zeidler für Kembach, Manuela Müssig für Dertingen und Nicole Segner aus Höhefeld, dankten Pfarrer Ziegler für den tollen Umgang mit den Kindern. Er sei ein verlässlicher Partner gewesen, der immer Rückhalt geboten habe. Für die Kirchenältesten lobte Erika Deifel aus Dietenhan die seelsorgerischen Qualitäten des scheidenden Pfarrers: »Deine Worte haben getröstet, Hoffnung geschenkt und Freude geteilt.«

Volle Punktzahl aus Kembach

Für die evangelische Kirchengemeinde Dietenhan erklärte Birgit Rothmeier, Pfarrer Ziegler habe zu Menschen jeden Alters einen Zugang gefunden. Für Kembach vergaben Barbara Ehmeier-Fertig und Barbara Marschka in einem witzigen Dialog Punkte an Ziegler. Am Ende erhielt er die volle Punktzahl. Joachim Hettinger berichtete für die Dertinger Gemeinde vom leidenschaftlich Trompete spielenden Pfarrer, erfüllenden Abenden beim Frauenkreis und Besuchen beim Seniorenkreis. Der frühere katholische Gemeindereferent Herbert Buhleier sprach über die gute Zusammenarbeit in der Krankenhausseelsorge, beim ökumenischen Weinfestgottesdienst oder bei ihren »ökumenischen Heckenbesuchen«.

Bernhard Ziegler selbst ging noch einmal auf die eine oder andere Geschichte ein, hob die gute Zusammenarbeit mit allen Pfarrsekretärinnen hervor und bedachte auch seine Familie mit warmen Worten. Er habe in Dertingen Wurzeln geschlagen und eine Heimat gefunden.

Musikalisch gestaltet wurde die Feier mit Liedbeiträgen des Gesangvereins Dietenhan, des Gesangvereins Kembach und der Mandelzwerge aus Dertingen.