Abschied von den Pforten zum Paradies
Pfarrer Hans-Jürgen Holzmann hielt seine letzte Predigt in der Johanneskirche in Neuenheim
ddNeuenheim. Die Pforte zum Paradies befindet sich in Neuenheim. Aber nicht oben bei den vornehmen Villen, sondern unten an der Landstraße, wo der Verkehr am chaotischsten ist. „Unsere Johanneskirche war für mich immer ein Vorgeschmack auf den Garten Eden“, gestand Pfarrer Hans-Jürgen Holzmann in seiner letzten Predigt am Sonntagabend. „Diese Kirche ist ein Ort der Geborgenheit, in dem Erfreuliches blüht, reift und wächst.“ Zehn Jahre lang hat der evangelische Theologe an dem neugotischen Kleinod gewirkt, in dem schon ein lebhafter Hauch von Jugendstil weht. Pfarrer Holzmann hat die Renovierung initiiert und geleitet. Und er hat der Gemeinde seinen Stempel aufgedrückt. Mit einem Festgottesdienst verabschiedete das evangelische Neuenheim seinen Pfarrer nun in den Ruhestand.
Hans-Jürgen Holzmann ist ein Mensch, der mit aufmerksamem Blick durch die Welt geht. Er hat ein Gespür für die Aura eines Ortes und in seinem Leben unfassbar viel gelesen. „An jeder Wand seiner Wohnung steht ein volles Bücherregal“, berichtete Dekan Christof Ellsiepen in seiner Laudatio. Sein erlesenes Wissen habe der scheidende Pfarrer stets mit der Gemeinde geteilt. Auf hohem intellektuellen Niveau. Beim Evangelischen Forum mit Professor Manfred Oeming beispielsweise, das in Neuenheim auf sehr großes Interesse stößt. Holzmann förderte aber auch nach Kräften die gute Kirchenmusik, was sich in den Gottesdiensten und den Konzerten niederschlug. Und er feierte sehr gern Feste. Obwohl es ihm das Leben nicht immer leicht gemacht hat.
Im damals nagelneuen Hasenleiser ist Hans-Jürgen Holzmann aufgewachsen. Ende der 1960er Jahre. Die Internationale Gesamtschule gab es noch nicht, weshalb man den Jungen aufs Bunsengymnasium schickte. „Das war für mich ein Glücksfall“, urteilt Holzmann im Rückblick. Weil die Schule so viele Auswahl-Möglichkeiten geboten hat. Russisch beispielsweise als dritte Fremdsprache hat er mit Begeisterung gelernt. „Die Klassenreise durch Russland noch in kommunistischer Zeit ist mir bis heute unvergesslich“, berichtet Holzmann. „Ein Traum!“ Als exotisch empfand man im Elternhaus auch die Begeisterung des Jungen für den Religionsunterricht. „Was natürlich mit an unserem tollen Lehrer lag“, überlegt Holzmann rückblickend.
Evangelische Theologie also. An einer noch brechend vollen Heidelberger Fakultät. Dazwischen ein Auslandssemester in Israel und noch einmal zwei Wochen St. Petersburg. Auf eigene Faust. „Wir dürfen nie vergessen“, mahnt Holzmann, „dass Russland durch und durch europäisch ist. Es gehört einfach zu uns.“ 1986 das Examen. Danach Vikariat in der Mannheimer Studentengemeinde. Wieder eine neue Welt.
Man darf nicht darüber nachdenken, wie dieses Leben, so voll Neugier auf Gott und die Menschen, auf Länder und Kulturen verlaufen wäre, wenn der Tumor nicht gekommen wäre. Aus heiterem Himmel. Im Halsrückenmark. Eine Operation in der höchsten Risikostufe. Querschnittslähmung nicht ausgeschlossen. Doch die Ärzte machten ihre Arbeit sehr gut. Nur Pfarrer Holzmanns linke Körperhälfte ist seit dem Eingriff stark eingeschränkt. „Konfirmandenfreizeiten, Spiele, Wanderungen, ja sogar der Abwasch nach den Gemeindefesten, der mir immer so viel Spaß gemacht hat, all das ging plötzlich nicht mehr“, bedauert Holzmann.
Aber der Pfarrer ist niemand, der lamentiert. Er konnte schließlich seinen Beruf noch immer ausüben. Das tat Holzmann dann auch 16 Jahre lang in Karlsruhe-Rüppurr, wo er sich sehr wohl gefühlt hat. „Das war eine spannende Mischung aus bäuerlichen Anwesen und luxuriösen Villen, in denen die Karlsruher Richter lebten.“ Dass sie hohe Ansprüche an die Qualität der Sonntagspredigt stellten, hat Holzmann stets sehr genossen. Wie später in Neuenheim auch. „Die Verbundenheit mit der Neuenheimer Gemeinde lasse ich mit Wehmut hinter mir.“
Pfarrer Holzmann will Mitte kommenden Jahres nach Rohrbach übersiedeln, wo er sich ein Häuschen gekauft hat. Und sich dann ins intellektuelle Leben Heidelbergs einbringen. Mit seinem Buch über die Johanneskirche und das Johanneshaus hat er schon ein Standardwerk geschaffen, das bisher fehlte.