rnz.de (Rhein-Neckar-Zeitung), 08.11.2024

 

Fünf Jahre bis zum Baubeginn beim Schmeißer-Stift?

"Der erste Schritt ist getan": Die Johannes-Diakonie Mosbach informierte über die Pläne mit dem Stift. Moritz Bayer

Eberbach. In einem nicht ganz gefüllten Großen Saal des evangelischen Gemeindehauses stand am Mittwochabend der Vorstandsvorsitzende der Johannes-Diakonie Mosbach, Martin Adel, Rede und Antwort. Es ging um die Pläne mit dem Doktor-Schmeißer-Stift (DSS). Unterstützt wurde er dabei von Regionalleiterin Yvonne Jelinek.

Die Vorsitzende des Alterheim-Vereins, Gisela Hemberger, begrüßte die anwesenden Mitglieder des Vereins Stiftung Altersheim Eberbach und freute sich, dass der Infoabend zeitnah zur Mitgliederversammlung stattfinden konnte. Das sei allen Parteien sehr wichtig gewesen. Sie übergab zügig an Adel, der sich bei Hemberger und dem Vorstand bedankte.

Vor der Fragerunde brachte er den Anwesenden mit Jelineks Unterstützung einige Daten, Zahlen und Fakten um die Johannes-Diakonie näher. "Wir selbst wissen, was wir alles machen, aber blöderweise andere oft nicht so richtig", erklärte er die auf gemachten Erfahrungen basierende Wichtigkeit des Ausholens.

Das soziale Dienstleistungsunternehmen leistet Assistenz für Menschen in unterschiedlichen Geschäftsfeldern wie Behindertenhilfe, Medizin, berufliche Rehabilitation, Bildung, Jugend- und Altenhilfe. An 30 Standorten arbeiten rund 3400 Mitarbeiter, während pro Jahr etwa 4000 bis 5000 Menschen die Leistungen in Anspruch nehmen. Auch in Eberbach habe man "geräuschlos" Fuß gefasst, 2012 startete das Eberbacher Bildungs- und Arbeitszentrum (EBAZ)
, fügte Jelinek an. 2024 kam ein Wohnhaus und Fachpflegeheim mit 60 Plätzen hinzu.

Die Diskussion ums Schmeißer-Stift habe man in der Diakonie natürlich verfolgt. Durch die Schließung des Curata-Hauses 2023 sei der Bedarf an stationären Pflegeplätzen noch mal gestiegen.

Das Angebot der Johannes-Diakonie umriss Adel mit den drei Punkten: Intensivierung der Zusammenarbeit mit der Stiftung Altersheim, die Übernahme der Liegenschaft samt Umbau oder Neubau nach dem Konzept des Mehrgenerationenhauses und, dass beide Träger somit einen wichtigen Beitrag für die soziale und pflegerische Infrastruktur des Gemeinwesens trügen. Ein Verkauf sei zudem kein Widerspruch mit bisherigen Konzeptideen, die gemeinnützige Diakonie könne eine dauerhafte Nutzung im Sinne dieser und der Vereinssatzung sicherstellen.

Limitierungen gibt es beim Kaufpreis. Die Diakonie ist tarifgebunden und muss sich an gewissen Grenzen halten, um die Pflegekosten nicht illusorisch teuer werden zu lassen. Für den Eberbacher Standort spräche aber natürlich auch die gute Anbindung und zentrale Lage.

Dass die Mitgliederversammlung den Vorstand bereits zu Gesprächen bis hin zu einem Verkauf ermächtigt hatte, war Adel im Vorfeld noch gar nicht klar gewesen. Umso mehr freute er sich: "Der erste Schritt ist getan, viele weitere müssen und werden folgen."

Dass Bewegung in die Causa kommt, empfanden auch die anwesenden Mitglieder geschlossen als gut. "In diese Projekte ist schon so viel Geld, aber noch mehr Herzblut geflossen", hatte auch Hemberger vollstes Verständnis.

Die Fragen waren breit gefächert. So wollte Lothar Jost wissen, wieso die Diakonie erst jetzt zu Gesprächen auf den Verein zugekommen sei und wie transparent die Planung ablaufen würde. Wolfgang Kurt fragte nach konkreten Zeitabläufen der Plan-, Genehmigungs- und Bauphasen sowie entstehenden Kosten. Auch die Frage nach Wohnraum für Mitarbeiter wurde gestellt.

Sowohl Adel als auch Jelinek merkte man an, dass sie um Transparenz bemüht waren. Gleichwohl mussten sie bei einigen Antworten die Abhängigkeit von Ämtern und externen Abläufen betonen. Im Rahmen der Möglichkeiten wurde aber ein halbes Jahr genannt, bis dahin könnte es dann weitere Informationen und erste Planungen geben.

Fünf Jahre könnten bis zu einem möglichen Baubeginn vergehen, "aber ich schätze da hoffentlich zu pessimistisch", lächelte Adel. Personalwohnungen seien in diesem Objekt nicht eingeplant, sei doch die Erreichbarkeit gut gegeben. Wichtig sei aber, die Mitglieder, wenngleich diese dann keine Eigentümer mehr seien, voll mit einzubeziehen. "Wir wären schlecht beraten, nicht von der Zusammenarbeit profitieren zu wollen", so Adel.

Bereits vorliegende Gutachten könnten noch benutzt und so Geld und Ressourcen gespart werden. Es wäre ein weiterer gemeinsamer Schritt.