Offenburger Tageblatt Offenburg, 08.11.2024

 

In Margot Käßmanns Bann

Die bekannte Theologin und Pfarrerin Margot Käßmann war in der evangelischen Stadtkirche in Offenburg für eine Konzertmeditation zu Gast. Das Publikum war begeistert. VON REGINA HEILIG

Offenburg. In die evangelische Stadtkirche hat die Buchhandlung Roth zu einer besonderen Autorenlesung eingeladen: Die Konzertmeditation zum Thema „Hoffnung“ verband Texte von Margot Käßmann, bis 2010 Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, mit dem herausragenden Flötenspiel von Hans-Jürgen Hufeisen.

Das Besondere: Der Musiker und Komponist, der heute in Zürich lebt, spielte nicht Quer-, sondern Blockflöte und damit das einerseits sicher am meisten verbreitete und gleichzeitig wohl am meisten unterschätzte Blasinstrument. Wenige Menschen entlocken Sopran- und Altblockflöte solche Virtuosität und Klangfülle. Am Klavier begleitete ihn nicht weniger hochklassig Kantor Thomas Strauß aus Oppenau. Mehrmals im Verlauf der Meditation aufbrandender spontaner Applaus zeugte davon, wie ergriffen das Auditorium war.

Zahlreiche Werke

Und das Timing stimmte auch: Zu Beginn leitete Hans-Jürgen Hufeisen mitten aus dem Spiel heraus mit den Worten „einen schönen guten Abend!“ zu Margot Käßmann über, der er damit vom ersten Satz an die volle Aufmerksamkeit übergab.

Nicht, dass Hilfe nötig gewesen wäre. Die Theologin und Pfarrerin, die zahlreiche Werke publiziert hat, spricht eher ruhig, aber mit vollem Engagement und bisweilen auch ausdrucksstarker Leidenschaft, wenn sie das für Menschen so zentrale Thema der Hoffnung ausbreitet. Mühelos zog sie ihre Zuhörerschaft in den Bann.

In „einer Zeit, in der Krise auf Krise“ folge, fragten sich die Menschen, “wo finde ich Halt?“ Es gelte, gegen alles Negative „Hoffnung, lebendige, bunte und starke Hoffnung“ zu setzen. Sie erinnerte an zentrale Geschichten aus der Bibel, die genau diese Botschaft schon vor Jahrtausenden vermittelten, so die vierzigjährige Wanderschaft des Volkes Israel durch die Wüste oder Gottes Hilfe für die verstoßene Sklavin Hagar und ihren Sohn. Aber auch das nur scheinbar nutzlose Sammeln von Sommererinnerungen durch Feldmaus „Frederick“ in den Büchern von Leo Lionni erweist sich als Segen, wenn er im kargen Winter zwar keine Nüsse, aber Hoffnung spenden kann.

Margot Käßmann sprach im Laufe der Meditation Aspekte der Hoffnung an, die das Leben der Menschen heller machen,Hoffnung auf Liebe, Bewahrung der Schöpfung, Frieden, Heimat und schließlich Glück. Als Christin appellierte sie daran, nicht zu vergessen, dass die Arbeit am Frieden letztlich nicht über immer mehr Waffen gehen kann, auch wenn diese Einstellung heutzutage als „naiv“ geziehen werde.

Am meisten riss sie ihr Publikum bei menschlich anrührenden Anekdoten mit, wie etwa der Erkenntnis ihrer Mutter, dass irgendwann Pommern, das strahlende Sehnsuchtsland der Jugend, nur noch Erinnerung, die schlichte Nachkriegsgründung Stadtallendorf in Hessen dagegen längst „Heimat“ ist. Oder die Weihnachtsgeschichte vom Pensionär Josef Heeg, der auf Vertrauen in die Menschen und „den europäischen Gedanken“ setzte – und entgegen dem Raunen der Nachbarschaft nicht enttäuscht wurde.