rnz.de (Rhein-Neckar-Zeitung), 08.11.2024

 

Gemeindediakonin zieht in Ladenburger Modehaus

Ende des Jahres gibt Angelika Wagner ihr Modegeschäft auf. Die Evangelische Kirche hat die Räume bereits angemietet. Axel Sturm

Veränderungen sind oft mit neuen Chancen verbunden. Und eine solche Chance nutzte die evangelische Kirchengemeinde, um ihre aktuellen Raumprobleme zu lösen. Wegen des baulichen Zustands des Luther-Gemeindehauses in der Realschulstraße, in dem unter anderem noch das Büro von Gemeindediakonin Bärbel Fichtner untergebracht ist, steht der Abriss des Gebäudes im Raum. Doch es gibt eine Lösung: Gegenüber vom Pfarrhaus in der Kirchenstraße wird ab Januar eine Immobilie frei. Dort befindet sich noch das Modehaus "Mode & Accessoires" von Angelika Wagner, das zum Jahresende schließen wird.

Zwar hätte die evangelische Kirche gerne ein neues Gemeindezentrum gebaut, was aber nicht umsetzbar ist. Eine Bauvoranfrage, ein Gemeindehaus im jetzigen Kirchengarten zu bauen, wurde vom Technischen Ausschuss der Stadt Ladenburg bereits vor einigen Jahren abgelehnt. Und mittlerweile hat die evangelische Landeskirche neue Richtlinien. Wegen der Sparzwänge dürfen die Gemeinden vor Ort keine neuen Immobilien bauen. Wenn sie andere Räumlichkeiten brauchen, dürfen diese also nur angemietet werden.

Nun ergab sich für die evangelische Kirchengemeinde in Ladenburg diese Gelegenheit in der Kirchenstraße 29, um die Platzprobleme lösen zu können. Nach Angelika Wagners letztem Öffnungstag werden die Räumlichkeiten umgebaut, damit ein 60 Quadratmeter großer Raum für die Gruppenarbeit der Gemeinde und das Büro der Gemeindediakonin entstehen kann.

"Es ist natürlich ein Glücksfall für uns, dass wir gegenüber unserer Kirche und dem Pfarrhaus eine Immobilie anmieten können", zeigte sich Pfarrer David Reichert erfreut, dass die aktuellen Platzprobleme bald vom Tisch sein werden. Geplant ist außerdem, den hinteren Teil der Kirche abzutrennen. Dafür werden einige Sitzreihen entfernt, um einen neuen Nutzungsbereich zu schaffen. "Damit und mit der Anmietung der Immobilie in der Kirchenstraße wird die Sache rund", sagte Reichert.

Angelika Wagner bestätigte gegenüber der RNZ die Geschäftsaufgabe. Sie hat mit dem Räumungsverkauf bereits begonnen. "Nach 45 Jahren Selbstständigkeit in Ladenburg ist jetzt Schluss", sagte Wagner wehmütig, die eigentlich noch bis Ende 2025 weitermachen wollte. "Jetzt ist es aber anders gekommen", meinte die Modeexpertin, die ihrer Kundschaft für die jahrzehntelange Treue dankbar ist. Ihre Aktivitäten in Ladenburg – Wagner ist ausgebildete Kosmetikerin – begannen mit der Eröffnung eines Kosmetik-Instituts in der Hauptstraße. Als sie die Chance erhielt, den frei werdenden größeren Laden in der Kirchenstraße 29 anzumieten, konnte sie größer denken und zwei Angebote zusammenführen: "Ich konnte Kosmetik und Mode verbinden", sagte Wagner. Und sie konnte ihr Motto "Anders als woanders" perfekt in die Tat umsetzen.

Wagner sagte, sie habe eine "schöne und erfolgreiche Zeit" gehabt, auch wenn sie erkennen musste, dass die Ladenburgerinnen lieber auswärts ihren Kleiderbedarf decken. Andererseits lockte Wagner die Kundschaft in die Römerstadt: "80 Prozent meiner Kunden kommen aus der Region", erzählte Wagner, die zu ihren Kundinnen meist ein enges Vertrauensverhältnis aufbauen konnte. "Manche sind sogar zu Freundinnen geworden", erzählte Wagner stolz.

Ihre "Ära Selbstständigkeit" geht also mit diesem Jahr zu Ende. Aber eine fordernde Tätigkeit braucht die Geschäftsfrau trotzdem: "Ich werde mich als Kosmetikerin in meinem erlernten Beruf betätigen", verriet sie der RNZ. Abschied vom Geschäft zu nehmen, falle ihr ganz schön schwer, meinte sie abschließend, um sich dann für das Pressefoto auf den roten Teppich zu stellen, den sie für ihre Kundinnen immer ausgerollt hatte.