Männerballett spart Kirche 15.000 Euro
Der Gemeindesaal der evangelischen Kirche in Sexau wird im Zuge von Sparmaßnahmen in den kommenden Jahren abgegeben. Daher wird hier nicht mehr investiert. Ein Rohrschaden schien das Gebäude vorzeitig lahmzulegen.
Sexau
Pfarrer Marco Rückert aus Sexau hatte eine Hiobsbotschaft für alle, die den evangelischen Gemeindesaal nutzen: Weil die Abwasserleitung beschädigt, dadurch die Toiletten nicht mehr nutzbar waren und die Reparatur für die Kirchengemeinde zu teuer war, sollte der Gemeindesaal auf unbestimmte Zeit geschlossen bleiben. Der Saal wird in den nächsten Jahren abgegeben. Eine Überprüfung der kirchlichen Liegenschaften platzierte ihn auf der Gebäude-Ampel als Rot. Deshalb sind keine weiteren landeskirchlichen Zuschüsse und Investitionen mehr geplant. Die Reparaturkosten wurden auf 15.000 Euro geschätzt.
Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht im Dorf. Privat- und Vereinsveranstaltungen wurden abgesagt – die Halle war jeden Abend belegt –, auch der Kindergarten konnte die Räumlichkeiten nicht mehr nutzen. Die Lafrianer von 18:48 Sexau, deren Fasnetsveranstaltungen dort stattfinden, hatten sofort eine Lösung parat: Aktive Mitglieder der Lafrianer, die auch Teil des Männerballetts sind, eilten zur Hilfe. René Hiller, der auch der Organist der Gemeinde ist, und Kenny Grönewald berieten sich mit Pfarrer Marco Rückert und beschlossen spontan, den Defekt ehrenamtlich zu reparieren. Glücklicherweise war die schadhafte Stelle bekannt und ein Termin für den Arbeitseinsatz schnell gefunden.
Nachdem die Kirchengemeinde unbürokratisch das notwendige Material beschafft hatte, legten die beiden Initiatoren zusammen mit Rückert und Thomas Schwaab das defekte Abflussrohr in eineinhalb Metern Tiefe frei, erneuerten es und dichteten alles ab. Der Verein sorgte für Stärkung und dafür, dass tief unten neben dem reparierten Abfluss, wie es sich für die Lafrianer gehört, eine närrische Zeitkapsel eingegraben wurde. Dank beherztem Anpacken und ehrenamtlichem Engagement waren bereits am Samstagnachmittag die Toiletten im Gemeindesaal wieder funktionsfähig und das Gebäude kann von allen wieder genutzt werden.
Das nächste Projekt ist die Dachreparatur im Foyer des Gebäudes aus den 1960er-Jahren, wo bei jedem Regen das Wasser in Strömen fließt und anschließend zentimeterhoch steht. Die erste Aktion stimmt zuversichtlich, sagt Rückert: „Daraus hat sich etwas entwickelt. Wir können und wollen diesen Gemeindesaal als Haus des Ehrenamts erhalten.“
Es sei großartig und wertvoll, dass es Menschen gibt, die unabhängig von der Kirche ihre Zeit und ihre Fähigkeiten fürs Allgemeinwohl einsetzen. Der Kirchengemeinderat dankt den Freiwilligen im Namen der ganzen Kirchengemeinde für ihren vorbildlichen Einsatz. Unsere Gemeinde lebt von solchem Engagement, von Gemeinschaft, von kreativem Handeln und gegenseitiger Unterstützung.“Benedikt Sommer
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