Offenburger Tageblatt - Schwarzwald-Zeitung, 02.11.2024

 

Schaffige Bischöfe und frischer Wind

CLAUDIA RAMSTEINER

Man sieht sich immer zweimal im Leben. Pfarrer Dominik Wille freute sich sehr als „Ortspfarrer“, dass der Vorsitzende des Weltkirchenrats am Mittwoch seine Gemeinde in Hausach besuchte. Von ihrer ersten Begegnung vor einigen Jahren wusste Heinrich Bedford-Strohm nichts. Das hat Pfarrer Wille in seiner Begrüßung in der Stadthalle verraten.

Er arbeitete damals an seiner Studienarbeit in der
Bibliothek der Hochschule in Bayern, als ein Herr in „schaffigen Kleidern“ in einem Lieferwagen auf den Hof fuhr. „Der sieht aus wie unser Bischof“, sagte Dominik Wille zu einem Studienkollegen. Und der erwiderte: „Das ist unser Bischof. Der bringt Bücher für unser Antiquariat.“

Der
Wunderfitz trieb den Theologie-Studenten dazu, beim Tragen zu helfen. An Ende der Veranstaltung ließ er indes den ehemaligen Bischof tragen: Kinzigtäler Spezialitäten, die ihn zu Hause in Meckpomm an den Schwarzwald erinnern sollen. Wer auf beengtem Platz in einem Tiny-House wohnt, dem sind Mitbringsel zum Aufessen sicher lieber als etwas zum Aufhängen oder ‚Rumstellen.

Noch schwerer wiegen sicher die
Geldspenden, die er aber gar nicht tragen musste, sondern die hier vor Ort gezählt und überwiesen wurde. Da Heinrich Bedford-Strohm als ehemaliger Landesbischof „gut alimentiert ist“, verzichtet er bei solchen Reisen auf jegliches Honorar. Für alle, die sich dennoch erkenntlich zeigen wollten, waren Spendenkörble aufgestellt. Der Vorsitzende des Weltkirchenrats warb für das Projekt „Wikwiheba“ („Verlier nie die Hoffnung“) der evangelischen Kirche in Ruanda, das die Schulbildung von Kindern und Jugendlichen sowie die Menschen in entlegenen Dörfern mit Solaranlagen und Baumpflanzaktionen unterstützt. Es kamen 1400 Euro zusammen plus etliche Ankündigungen von Überweisungen. Ein Beitrag zur „Bekämpfung der Fluchtursachen“, die er im Reformationsgespräch (siehe erste Lokalseite) proklamierte.