Geistliche reflektieren über den Glauben
Eva Filitz„…und öffnet die Herzen“ lautet die frohe Botschaft der evangelischen Dekanin Christiane Quincke und von Pfarrer und Leiter der katholischen Kirchengemeinde Pforzheim Georg Lichtenberger in ihrer gemeinsamen Predigt am vergangenen Donnerstag in der evangelischen Stadtkirche. Der Einladung der Kirchenbezirke Badischer Enzkreis und Pforzheim waren rund 250 Besucher gefolgt.
„Um was geht’s? Geht’s noch?“ Diese zwei Fragen waren für die beiden Geistlichen der zentrale Dreh- und Angelpunkt. „Ich bin froh, dass Katholiken und Evangelische zusammengefunden haben“, sagte Quincke in ihrer Begrüßung. „Es geht doch darum, was Kirche uns heute noch zu sagen hat.“ Die Liturgie gestaltete sie zusammen mit Christoph Glimpel, Dekan des Kirchenbezirks Pforzheim-Land.
Verlauf und Auswirkungen der Reformation, die die christliche Kirche in verschiedene Konfessionen spaltete und die Folgen daraus für Pforzheim schilderte zunächst Jeff Klotz, Kenner der Historie. „Auslöser waren die Thesen Martin Luthers, die er am 31. Oktober 1517 an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen haben soll. Darin verurteilte der gläubige Mönch den seinerzeit blühenden Ablasshandel.“
Nicht Geld, sondern allein die Gnade Gottes könne den Menschen von seinen Sünden befreien, urteilte Luther. 1518 verteidigte er auf der Heidelberger Disputation, einer öffentlichen Ordenszusammenkunft, erfolgreich seine Thesen über eine Kirchenreform, die Zuspruch fand bei Karl II, Markgraf von Baden, der damals noch in Pforzheim residierte. Als er 1556 in seiner Markgrafschaft die Reformation einführte, wurde Pforzheim eine rein protestantische Stadt. Die Untertanen mussten den Glauben der Herrschenden annehmen. Quincke und Lichtenberger zogen ihre persönlichen Schlussfolgerungen, wie Kirche sich gegenwärtig präsentiert. „Ein befreiender und befreiter Glaube ist mir heute viel wichtiger als die Institution Kirche und ihre Zukunft“, sagte Lerchenberger.
Wie sie nach tiefen Glaubenszweifeln zu Gott gefunden habe, berichtete Quincke „Kirche ist nur Kirche, wenn sie wie Jesus für andere da ist, zum Beispiel all ihren Besitz den Armen gibt. Bis heute haben das weder die Evangelischen noch die Katholischen umgesetzt“. Lichtenberger mutmaßte dazu: „Vielleicht ist es gar nicht wichtig, dass und wie ich an Gott glaube, sondern dass ich erkenne, dass er mir immer seine Liebe schenkt.“
„Dank Gottes Gnade sind wir frei, seine Liebe weiterzugeben“, stimmte die Dekanin zu und machte deutlich, dass beider Kirchen auch heute immer wieder Reformationen bräuchten, um Jesus gerecht zu werden. Lichtenberger sah es ähnlich. Nicht die liturgische Korrektheit, sondern Jesus und Gott und seine Botschaft seien entscheidend, um Kirche in bunter Vielfalt zu leben und den Reichtum in der Andersartigkeit der anderen zu erkennen.
„Vor angeblicher Überfremdung habe ich keine Angst, eher vor der Unmenschlichkeit unter uns“, sagte er mit Blick auf Zuwanderer. Musikalisch umrahmte ein Chor aus beiden Kirchenbezirken unter Leitung von Bezirkskantorin Susanne Fuierer den Gottesdienst, an der Orgel begleitet von Sebastian Weiss. Walter Witt dirigierte den Senioren-Bläserkreis.
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