Badische Zeitung Markgräflerland, 31.10.2024

 

In Staufen werden 500 Jahre alte Lieder neu gesungen

Aus dem sogenannten Achtliederbuch singt der evangelische Kirchenchor Staufen – am Sonntag kann gelauscht werden. Dazu gibt es geschichtliche Informationen.

Staufen
Am 31. Oktober feiern evangelische Christen den Reformationstag. Aus diesem Anlass singt der Evangelische Kirchenchor Staufen am Sonntag, 3. November, Lieder aus dem 500 Jahre alten Achtliederbuch, dem ersten evangelischen Chorgesangsbuch. Vier der Lieder hat Reformator Martin Luther persönlich geschrieben.


Der Evangelische Kirchenchor Staufen hat etwa 25 Mitglieder. Er probt seit einigen Jahren nicht mehr regelmäßig, sondern erarbeitet sich unter der Leitung von Musikprofessor Wolfgang Schäfer projektweise Werke, die zu bestimmten Anlässen aufgeführt werden. Das Achtliederbuch erschien 1524, also sieben Jahre nach der Reformation im Jahr 1517, als Martin Luther seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg schlug.


„Wir haben vier der acht Lieder zusammen geprobt. Für die Sängerinnen und Sänger ist ein tolle Sache, die allerersten evangelischen Kirchenlieder zu Gehör zu bringen“, sagt Chorleiter Wolfgang Schäfer. Bis zur Reformation war der Gesang den Priestern vorbehalten, und gesungen wurde in lateinischer Sprache. Die Gemeinde durfte ab und zu einen Einwurf wie „Kyrie eleison“ oder „Halleluja“ beisteuern, so Schäfer. Das Revolutionäre am Achtliederbuch war somit, die Tatsache, dass das Kirchenvolk jetzt geistliche Lieder in seiner eigenen Sprache singen konnte.


„Luther nahm bekannte Melodien, man könnte sie Balladen und Schlager der damaligen Zeit nennen, und gab diesen neue Texte, oft Psalmtexte“, erläutert Pfarrer Theo Breisacher. Das erste Lied „Nun freut euch, lieben Christen g’mein“ hat zehn Strophen. „Nun freut euch, lieben Christen g’mein, und lasst uns fröhlich springen, dass wir getrost und all in ein mit Lust und Liebe singen, was Gott an uns gewendet hat und seine süße Wundertat; gar teu’r hat er’s erworben“, lautet der Text der ersten Strophe.


Heute noch sehr bekannt ist das Kirchenlied „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“, eine Nachdichtung des Psalms 130. Das fünfstrophige Lied ist bis heute Teil des Evangelischen Gesangbuchs und mit geringfügigen sprachlichen Glättungen auch Teil des Katholischen Gotteslobs. „Der Gemeindegesang fußt auf dem demokratischen Verständnis Luthers“, sagt Wolfgang Schäfer, „für Martin Luther, der musikalisch ausgebildet war und selbst Laute spielte, war Singen Verkündigung. Er wollte deutsche Psalmen für das Volk schaffen und bezieht sich dabei auf Aussagen im Alten Testament und im Paulusbrief.“


Auch die Gemeinde wird in den Gesang aus dem Achtliederbuch einbezogen werden. Im Gottesdienst wird es zudem geschichtliche Informationen zum Entstehen des evangelischen Gesangbuches geben.


Evangelischer Reformationsgottesdienst, Sonntag, 3. November, 10 Uhr, Marthin-Luther-Kirche Staufen, Münstertäler Straße