Eine Bühne für Vordenker der evangelischen Kirche
Christuskirche: Talkshow-Gottesdienst am Reformationstag mit Pfarrer Dr. Simon Layer als Moderator und historischen Größen als Gäste
Oftersheim. Schon seit ein paar Jahren gibt es die Regiogottesdienste, bei denen die evangelischen Kirchengemeinden Schwetzingen, Eppelheim, Plankstadt, Oftersheim, Brühl und Ketsch zusammenarbeiten. Unter der Mitwirkung des Regiochors unter der Leitung von Bezirkskantor Paul Hafner wurde zum Reformationstag, an dem, gemäß der Überlieferung, Martin Luther seine 95 Thesen im Jahr 1517 an das Tor der Schlosskirche Wittenberg genagelt haben soll, der erste Talkshow-Gottesdienst in der Christuskirche Oftersheim abgehalten.
Dabei kamen Reformatoren und Vordenker der heutigen evangelischen Kirche zu Wort. Mit Kirchengemeinderätin Nicole Amend aus Oftersheim als Martin Luther, Prädikantin Simone Heidbrink aus Schwetzingen als der radikale Schweizer Theologe Huldrych Zwingli, Diakon Daniel Horsch aus Plankstadt als tschechischer Prediger Jan Hus und dem Oftersheimer Kirchengemeinderat Marcus Fackel als er selbst, ergab sich eine kurzweilige Veranstaltung, die zum Nachdenken anregte und dennoch die Inhalte eines Gottesdienstes bediente – nur eben anders. Dies ganz nach dem berühmten, dem vor über eineinhalb Jahrtausenden gestorbenen Heiligen Augustinus zugeschriebenen Spruch: „Ecclesia semper reformanda est“ – die Kirche muss immer reformiert werden.
Spannung lag im Raum, als Pfarrer Layer im Anzug und mit Lackschuhen vor das Kirchenpublikum trat und um Applaus für seine Gäste bat. In der munteren Runde wurde fleißig über die aktuelle Situation der Kirche diskutiert, darunter Daniel Horsch als Jan Hus (1370 – 1415), welcher auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Er war wohl der erste, der Gottes Wort in einer Landessprache predigte, anstatt auf Latein, damit jeder es verstehe. Er kritisierte den Ablasshandel und Missstände in der katholischen Kirche rund 70 Jahre vor Luther. Mit einer gehörigen Prise Humor agierten die Diskussionsteilnehmer und gaben sich so, wie sich vermutlich die dargestellten Vordenker verhalten hätten. So auch Simone Heidbrink als Huldrych Zwingli, der die Reformation in Zürich einleitete, die Messe sowie das Zölibat abschaffte und das heilige Abendmahl nur als rein symbolische Handlung ansah im Gegensatz zu Luther. Auf die Frage, wie denn Kirche heute aussehen sollte, resümierte Luther: „Es muss sich immer alles an der Heiligen Schrift messen lassen“, worauf Zwingli zustimmend rief: „Preach it, Baby!“. Für Heiterkeit sorgte auch eine Geste des Schweizers, die zu seiner Zeit ein Skandal ohnegleichen war. Während der Fastenzeit soll er, der Überlieferung nach, öffentlich eine Wurst ausgepackt und genüsslich, nach dem Dippen ins Senfglas, gegessen haben, so auch an diesem Abend. Kirchengemeinderat Marcus Fackel futterte mit.
Luther sorgte dafür, dass es dennoch ein vollwertiger Gottesdienst wurde, indem er anmahnte, zu singen, zu beten, dabei zu stehen und Gott zu preisen. „Wir haben viel gestanden und gesungen, ist das noch zeitgemäß?“, fragte Layer, worauf Fackel antwortete: „Ein klares Nein. Das ist mir zu katholisch.“ Anpacken anstatt nur viel zu „schwätzen“ sei wichtig. Am Ende herrschte Konsens: „Ecclesia semper reformanda est“.
Viele Besucher wandelten während der Veranstaltungen den anfänglich erst kritischen Gesichtsausdruck in wohlwollenden Zuspruch. Christoph Ritter aus Eppelheim kommentierte: „Eine gute Veranstaltung. Die Kirche sollte mit der Zeit gehen.“ mon