Kehler Zeitung, 31.10.2024

 

Friedrich Peter ausgezeichnet

Der Kehler hat in Straßburg den Deutsch-Französischen Freundschaftspreis bekommen. Damit wurde sein langjähriges Engagement für die Verständigung zwischen beiden Ländern gewürdigt. VON REINHARD RECK

Straßburg/Kehl. Der Kehler Friedrich Peter ist am Dienstagabend in Straßburg mit dem Deutsch-Französischen Freundschaftspreis ausgezeichnet worden. Die Veranstaltung, bei der auch Véronique Kratz und Hélène Engels aus dem Elsass geehrt wurden, fand in der Residenz von Heike Thiele, deutsche Botschafterin bei der Ständigen Vertretung Deutschlands am Europarat und Generalkonsulin, statt.

Heike Thiele erinnerte eingangs daran, dass der jährlich vergebene Preis 2008 von dem damaligen deutschen Botschafter in Paris gestiftet worden war. Es gehe darum, Menschen auszuzeichnen, die sich mit großem persönlichen Engagement „in besonderer Weise“ um die deutsch-französische Freundschaft verdient gemacht haben. Im Laufe der Jahre, so die Diplomatin, habe sich „eine beeindruckende Gemeinschaft von Preisträgern“ gebildet. Man solle darüber nachdenken, wie man dieses Netzwerk besser nutzen könne, um den Brückenschlag zwischen beiden Ländern zu verstärken.

Projekt Stolpersteine

An Friedrich Peter gewandt, stellte die Botschafterin insbesondere dessen Verdienste bei der Beschäftigung mit dem Schicksal der alteingesessenen jüdischen Bevölkerung in der NS-Zeit heraus: „Blieben die ersten wissenschaftlichen Arbeiten im Hanauerland verortet, kamen bald grenzüberschreitende Projekte mit Mitgliedern der jüdischen Gemeinde in Straßburg in Ihren Fokus.“ Der frühere Schulleiter und Pädagoge ist Gründungsmitglied der Projektgruppe „Stolpersteine 67“ der Eurometropole Straßburg und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der dortigen Claude-Levy-Stiftung. Ferner gehört Peter der Leitungsgruppe des grenzüberschreitenden Projekts „Valises mémoire/“Koffer der Erinnerung“ an, getragen von der Evangelischen Landeskirche Baden, der Vereinigung der protestantischen Kirchen im Elsass und in Lothringen (UE-PAL) sowie von der Künstlerin Francine Mayran. Sie verleihe dem Kehler den Deutsch-Französischen Freundschaftspreis „für die langjährige aktive Pflege der Erinnerungskultur beidseitig des Rheins“, unterstrich Heike Thiele.

Friedrich Peter erklärte in seiner Ansprache, schon im Jahr 1952, als Sechsjähriger, habe er in seiner Herkunftsstadt Freiburg Kontakt zu französischen Bürgern bekommen. Seine Eltern hatten nämlich eine Familie mit zwei Kindern aus dem Land kennengelernt, wobei der Mann als Soldat der „Forces françaises en Allemagne“ (FFA) in Freiburg stationiert war. „Es war wie ein Wunder! Nur wenige Jahre nach Kriegsende, ein französischer Soldat begegnet einem ehemaligen deutschen Soldaten, beide sprechen kaum die Sprache des anderen, die beiden Frauen verstehen sich gut, und wir Kinder spielen zusammen.“

Mit 13 nach Brest

In den Jahren danach habe er, gefördert durch frankophile Lehrerinnen und Lehrer, Frankreich immer näher kennengelernt, so Friedrich Peter. Schon als 13-Jähriger sei er allein nach Brest gefahren, wo er von einer französischen Gastfamilie aufgenommen worden sei. Auch die Rede des Staatspräsidenten Charles de Gaulle an die deutsche Jugend 1962 in Ludwigsburg habe ihn tief beeindruckt. Auch der französische Politiker Robert Schuman, der die deutsch-französische Freundschaft als Voraussetzung für die Bildung eines friedlichen Europas sah, habe ihn geprägt, genauso wie der Wissenschaftler Alfred Grosser und der Journalist Peter Scholl-Latour. Dank eines Stipendiums des Deutschen Akademischen Auslanddiensts (DAAD) habe er einen Teil seines Studiums in Toulouse absolviert. Auch als Pädagoge habe er bei den Schülerinnen und Schülern für die deutsch-französische Freundschaft geworben. Jüngst hatte er für die Kehler Zeitung eine Serie über die Stolpersteine in Kehl geschrieben und an das Schicksal der in dieser Stadt lebenden Juden während der NS-Zeit erinnert. Friedrich Peter hatte neben anderen Auszeichnungen bereits 2008 den „Obermayer-Award“ und 2005 die Staufermedaille erhalten.