Lego-Baustelle mit tiefen Gräben
Zum ersten Mal fanden in der evangelischen Bergkirche in Schönau Lego-Tage statt. Den Kindern hats gefallen, es gab aber auch Kritik an der Veranstaltung.
Schönau
Eine Pizzeria mit Garten, ein Pferdestall mit Bauernhaus und Weide, eine Autowerkstatt mit Flugzeugen, die zur Kommunikation mit anderen Werkstätten bereitstehen. Nach Herzenslust kann jedes Kind bauen, was es will. Lediglich militärische Objekte hat Martina Lohse ausgeschlossen, die als Mitglied des Kirchengemeinderats die Legotage in Schönaus evangelischer Bergkirche initiiert hat.
Jeden Tag haben die Kinder eineinhalb Stunden Zeit zum Bauen, die restliche Zeit wird gesungen und gespielt. Dazwischen lauschen die 21 Mädchen und Jungen im Alter von sechs bis elf Jahren den von Alexander Herzberg, einem ehemaligen Pastor, gestalteten biblischen Geschichten.
Seit zwei Jahren tourt Herzberg mit seinen 3000 Legosteinen durch den Süden Deutschlands. Kindergärten, Schulen, Vereinen und Kirchengemeinden bietet er seine Dienste an. Die Legosteine werden nicht – wie man vielleicht vermuten könnte – von der Firma Lego gesponsert. Vielmehr haben Eltern und Kinder ihre eigenen, gebrauchten gespendet.
Herzberg ist seit zwei Jahren bei der DMG (Damit Menschen Gott begegnen) angestellt, einer christlichen Organisation in Sinsheim bei Heidelberg, unter deren Schirmherrschaft das Kids-Team steht. Auch der ehemalige Pastor ist fasziniert von Lego. „Es kommt noch genauso an wie vor 40 Jahren. Es fördert Kreativität und Sozialverhalten, ist integrativ – selbst autistische Kinder sind begeistert“, schwärmt er. Und auch das Selbstbewusstsein werde gestärkt: Am letzten Tag dürfen die jungen Baukünstler ihre Legostadt öffentlich präsentieren. Den sonntäglichen Gottesdienst in der Bergkirche gestaltete Alexander Herzberg.
Nicht alle Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde Schönau waren davon allerdings angetan. Der seit Wochen schwelende Konflikt um den Umgang mit Pfarrerin Christine Würzberg hatte auch Einfluss auf dieses Projekt. Angelika Herb nahm aus Protest gegen Herzberg am Sonntag nicht am Gottesdienst teil. „Es ist ein Skandal, dass sie sowas in die Kirche lassen“, schimpft sie im Gespräch mit der BZ. Der holländischen Reisegruppe habe Pfarrerin Christine Würzberg im Sommer die Nutzung der Bergkirche verweigert, indem sie von ihrem Kanzelrecht Gebrauch machte (die BZ berichtete). Inzwischen habe man Würzberg die Verantwortung für die Gemeinde entzogen. Bis Pfarrer Martin Rathgeber die Schönauer Gemeinde am 1. November übernimmt, trägt Dekanin Bärbel Schäfer die Verantwortung. „Aber ich lasse mir den Mund nicht verbieten“, sagt Angelika Herb.
Die Schönauerin hat ihren Unmut über den Umgang mit Pfarrerin Würzberg und die Spannungen mit dem Kirchengemeinderat in einem Schreiben an die Dekanin geäußert – ohne den gewünschten Erfolg. Herb erklärte, ihren Enkel ausschließlich von Würzberg konfirmieren zu lassen.
Warum ist das „Kids-Team“ umstritten? Herb befürchtet, dass die Kinder bei den Veranstaltungen „verängstigt werden, wenn sie nicht den richtigen Glauben haben“. Eine Textstelle aus den „Glaubensgrundlagen“ von „Kids-Team“, veröffentlicht auf der Homepage: „Die Seelen der Verlorenen bleiben nach dem Tode im Elend, bis zum Tage des Endgerichts vor dem großen weißen Thron, wenn bei der Auferstehung Seele und Leib wiedervereinigt in den feurigen Pfuhl geworfen werden. Das ist der andere Tod.“ „Und werden Pein leiden, das ewige Verderben von dem Angesicht des Herrn und von Seiner herrlichen Macht.“
Landesbischöfin Heike Springhart will sich in den Streit nicht einmischen. Gegenüber der BZ erklärt sie, in ihrer Kirche gebe es zahlreiche unterschiedliche Strömungen, die man aushalte. Lediglich Diskriminierung aller Schattierungen lasse das Kirchenrecht nicht zu. Darüber hinaus akzeptiere man die Entscheidungen der Kirchengemeinderäte
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Pfarrerin Würzberg hat sich entschieden: In Schönau will sie nicht weiterarbeiten. Eventuell wird sie, wie sie gegenüber der BZ erklärt, in den Schuldienst zurückkehren. Vielleicht entscheidet sie sich aber auch für eine Pfarrstelle, die man ihr angeboten hat. Dort suche man explizit nach einer „Pfarrerin mit Rückgrat“.
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