Badische Zeitung Lörrach, Weil am Rhein, 25.10.2024

 

Zweiter Bauabschnitt noch nicht gesichert

Die Sanierung der Lörracher Stadtkirche liegt im Zeit- und Kostenrahmen. Noch bis zum Frühsommer wird das Außengerüst stehen, zum Advent 2025 soll die Kirche wieder öffnen.

LÖRRACH
Es ist Baubesprechung in der Lörracher Stadtkirche, die innen wie außen von Gerüsten dominiert wird. Pfarrerin Gudrun Mauvais betrachtet zusammen mit Architektin Britta Szorg vom Büro bächlemaid aus Konstanz Farbmuster für Boden und Wände. Welche Wirkung würde ein roter Bodenbelag entfalten, bleibt man bei Holz? Solche Fragen und viele andere sind zu klären. An der Besprechung beteiligt sind Bauleiter Achim Schreiner, außerdem Christoph Meyer, Alberto Isenburg und Tamara Steinmann vom Bauausschuss der Stadtkirche.
Seit Monaten wird das mit dem Denkmalamt eng abgestimmte Großprojekt realisiert. Inzwischen ist das Dach neu eingedeckt, der Turm ist fertig saniert. Für die 8,5 Meter hohe Turmspitze wurde als Fachmann Thomas Müller aus Freiamt zugezogen, nur das Ziffernblatt der Uhr ist noch in der Werkstatt. Die Decke über dem Kirchenschiff wurde vom Dach her gedämmt, nun muss sie von innen saniert werden, dafür steht das große Gerüst.
Der Bereich hinter dem Altar wurde entkernt, hier entsteht ein Foyer. Der Eingang zum Kirchhof hin wird künftig eine größere Rolle spielen. Der Schacht für den Aufzug, der an der Seite zur Basler Straße hin eingebaut wird und zusammen mit rollstuhlgerechten Zugängen das Gebäude behindertengerecht machen wird, existiert auch schon. Den Lift finanziert der Förderverein der Matthäusgemeinde – auch darum bleibt das Projekt auf Spenden angewiesen, obwohl der Finanzierungsrahmen gut eingehalten wird. Die Kosten für den ersten Bauabschnitt belaufen sich auf 4,2 Millionen Euro, davon trägt die Landeskirche 2,4 Millionen. Den Rest steuert die Evangelische Kirchengemeinde Lörrach bei, an dieser Summe beteiligt sich das Denkmalamt mit 173.000 Euro.
Der Innenausbau ist der Schwerpunkt der kommenden Monate. Erneuert werden Böden und Wände, Elektrik, Akustik und Beleuchtung, Empore und Orgel. Geheizt wird künftig mit Fernwärme. Die Arbeiten an der dem Dreiländermuseum zugewandten Südfassade, die am deutlichsten geschädigt war, sind abgeschlossen – die übrigen drei Seiten wären Teil eines zweiten Bauabschnitts, der finanziell noch nicht abgesichert ist. Die Landeskirche wäre im Boot, weil die Stadtkirche zu jenen gehört, für die Baumaßnahmen weiter unterstützt werden. Doch der Bezirkskirchenrat muss noch entscheiden, berichtet Gudrun Mauvais. Dort liegt der Antrag, diese Arbeiten parallel zum Innenausbau auszuführen, solange ohnehin das mächtige Gerüst steht.
Die Veränderungen, die mit dem Innenausbau der Stadtkirche einhergehen, spiegeln auch das Konzept der Zukunft. Die starren Bankreihen sind entfernt, nur wenige Bänke kommen zurück. Die Gestaltung wird viel offener und flexibler. Eine Kirche für die ganze Stadtgemeinschaft soll entstehen, sagt Gudrun Mauvais, der es wichtig ist „Begegnung zu schaffen“.
Dass sie in der Weihnachtszeit unterwegs sein wird, weil das innerstädtische Gotteshaus nicht zu nutzen ist, sieht die Pfarrerin in diesem Kontext als Chance. So wird der Familiengottesdienst mit Krippenspiel an Heiligabend im Zirkuszelt der Kaltenbach-Stiftung stattfinden, die Christmette in der Tüllinger Ottilienkirche, eine Taizé-Nacht der Lichter im November gastiert in Rötteln. „Der Kooperationsraum öffnet sich“, sagt Mauvais. So wird die Bauphase zur guten Gelegenheit. Die Gottesdienste finden derzeit im Gemeindehaus, der Alten Feuerwache, statt.
Das Außengerüst um den rund 500 Jahre alten Turm und das 200 Jahre alte Kirchenschiff wird nach derzeitiger Planung noch bis Mai/Juni 2025 stehen. Wenn dann auch der Innenausbau abgeschlossen ist, wird noch die Orgel gestimmt. Mit der Einweihung der runderneuerten Stadtkirche rechnet die Pfarrerin zum Advent 2025.