Bleibt die Kirche im Dorf?
Die Erhaltung und Nutzung des Hohnhurster Gotteshauses wird die Stadt Kehl viel Geld kosten. Das zeigte sich am Montag im Ortschaftsrat. Wie es nun genau weitergeht, ist noch offen. VON NINA SAAM UND MICHAEL MÜLLERKehl-Hohnhurst. Die Hohnhurster Kirche bleibt ein Sorgenkind. Bekanntlich war im Sommer moderiger Geruch in dem kleinen Gotteshaus festgestellt worden. Auch die Gesangbücher hatten alle einen grünen Überzug. Schimmelpilz-Befall?
Um dies zu klären, gab die Stadt Kehl, die Eigentümerin des Gebäudes ist, ein Gutachten in Auftrag. Seit Anfang Oktober liegt das Ergebnis vor. Dabei bestätigte sich die erste Einschätzung von Anfang August, dass sich der Verdacht auf Schimmel im Kirchenraum nicht bestätigen ließ. „Das sind ganz normale Ausblühungen im Sandstein“, sagte Ortsvorsteher Volker Lutz am Montag auf der Sitzung des Ortschaftsrates Hohnhurst.
Anders sieht es in der Sakristei aus: Dort wurden tatsächlich Schimmelsporen gefunden. Die Stadt hat nun Maßnahmen ergriffen, wie Lutz berichtete: Der Schimmel wird beseitigt und eine Lüftung mit Feuchtesensor eingebaut. Der Vorbereitungsraum bleibt bis dahin einstweilen für einen längeren Aufenthalt gesperrt und darf nur zum Bedienen der Beleuchtung und der Glocken betreten werden.
Sobald die mit Schimmel befallene Tapete entfernt ist, ist auch dort der Aufenthalt wieder möglich. Die Gesangbücher in Hohnhurst werden ausgetauscht, die Paramente – also die Textilien, die in der Liturgie verwendet werden – werden gereinigt.
Auch in der Orgel ist Schimmelbefall festgestellt worden, wie im Kirchengemeinderat (KGR) der evangelischen Kirchengemeinde Goldscheuer/ Hohnhurst bekannt wurde, wo das Thema am Montag ebenfalls auf der Tagesordnung stand. Die Orgelbaufirma empfiehlt, die Orgel reinigen zu lassen.
Wegen der unklaren Situation wurde der Gottesdienst in Hohnhurst einige Male im Gemeinderaum im rechten Flügel des Rathauses abgehalten, den die politische und die Kirchengemeinde gemeinsam nutzen. Das soll auch erst einmal so bleiben, entschied der KGR. Offiziell kann man die Kirche in Hohnhurst zwar benutzen, aber dies möchten die Kirchenältesten nicht verantworten, sodass die Kirchengemeinde gleich in die „Winterkirche“ im Gemeinderaum übergehen wird. An Weihnachten will die Kirchengemeinde allerdings definitiv Gottesdienst in der Kirche feiern. Allerdings wäre es ratsam, den Kirchenraum vorher gründlich durchzulüften. Aber lüften und gleichzeitig im Winter heizen – macht das Sinn?
Aus alldem ergibt sich somit möglicherweise eine nächste Belastungsprobe. Denn bei einer Besichtigung nach dem Hochwasser als Folge der Unwetter Ende Mai/Anfang Juni hatte Lutz festgestellt, dass die Heizung offenbar zu hoch eingestellt war: Es herrschten tropische Temperaturen. „Ob die Kirchenheizung wirklich funktioniert, kann ich nicht sagen“, so Lutz jetzt am Montag im Ortschaftsrat. Die aus den 1970er-Jahren stammende Heizung könne man sich als überdimensionalen Nachtspeicherofen vorstellen, die ziemlich Strom braucht, sagte er.
„Riesen-Kostenfaktor“
Langfristig steht aus seiner Sicht daher die Frage auf der Agenda, wie es mit der Kirche weitergeht. „Wenn der Gottesdienst im Gemeinderaum abgehalten wird, stellt sich doch die Frage: Brauchen wir die Kirche überhaupt noch?“ Da sich die Stadt zum Ziel gesetzt hat, bis 2040 klimaneutral zu werden, sei sie bestrebt, Gebäude zu sanieren oder zu verkaufen – vor allem solche, die viel Energie benötigen. „Die Kirche ist ein Riesen-Kostenfaktor“, so Lutz.
Einige anwesende Bürgerinnen verwiesen auf Feiern wie Hochzeiten, Konfirmationen, Taufen oder Beerdigungen, die in der Kirche den würdigen Rahmen erhielten. Eine Kirche gehöre einfach zum Dorf, meinten sie. Man könne ja überlegen, die Kirche besser zu vermarkten, zum Beispiel als Ort für Konzerte. Und auch Pfarrer Patrick Keipert schüttelt den Kopf. „Die Kirche in Hohnhurst ist elementarer Bestandteil und Mittelpunkt des Gemeindelebens und der Ort unseres Gottesdienstes“, betont er. „Nur weil die Kirche aufgrund ihres baulichen Zustands nicht für den Gottesdienst nutzbar war und (im Winter) weiterhin ist, deren Relevanz in Abrede zu stellen, halte ich für problematisch.“
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