Schwarzwälder Bote Haslach, Hausach, Wolfach, 22.10.2024

 

Heizen statt brüten: Kamin wird frei

Die Hausacher Kirchengemeinde hat endlich die offizielle Erlaubnis erhalten, das Storchennest auf dem Kamin der Stadtkirche abzuräumen. Doch die Genehmigung kommt mit einer Auflage, die zu Problemen führen könnte.

Hausach Das Storchendrama auf dem Dach der Hausacher Stadtkirche soll ein Ende finden: Das Regierungspräsidium hat dem Antrag der Kirchengemeinde stattgegeben, das Nest auf dem Kamin der Kirchen abräumen zu dürfen. Damit soll das mittlerweile vier Jahre andauernde Problem gelöst sein.

Zuerst genistet hatte ein Storchenpaar 2020 auf dem Kamin der Hausacher Stadtkirche. Der damalige Pfarrer Christoph Nobs entschied zugunsten der Vögel, den Kamin im Frühjahr nicht zu nutzen und im Folgejahr Versuche zu starten, das Paar am Nisten auf dem problematischen Ort zu hindern. Als ein Vogel 2021 begann, wieder den Kamin zu beziehen, wurde eilig eine Metallkonstruktion angebracht, die den Nestbau unattraktiv machen sollte, während gleichzeitig ein Ersatznest angeboten wurde – vergeblich. Die Alternative wurde von einem zweiten Storchenpaar angenommen, der Kamin wieder zugebaut. Seitdem hat sich die Zahl der Paare auf St. Mauritius stetig vergrößert und auch jedes Jahr wurde auf dem Kamin gebrütet, trotz ausgeklügelter Konstruktionen, die das unmöglich machen sollten.

Im vergangenen Jahr stellte die Kirchengemeinde schließlich einen Antrag, das Nest auf dem Kamin entfernen zu dürfen. Ein besonders raffiniertes Konstrukt sollte den Vögeln den Nestbau dieses Mal ganz sicher vermiesen. Bevor die Genehmigung zum Abräumen aber eingegangen war, war einer der Störche schon wieder aus seinem Winterquartier zurückgekehrt und begann unbeeindruckt mit dem Nestbau. Ein paar Tage später hatte jemand das Nest entfernt. Das heimatlose Paar, das verwirrt auf dem Dach der Kirche saß, erregte in Hausach die Gemüter, die auch in den sozialen Medien ihrem Ärger Luft machten (wir haben berichtet). Da das Nest ohne Genehmigung abgebaut worden war, wurde ein Strafverfahren eingeleitet. Nach anfänglichem Zögern zeigten sich die Störche stur und begannen erneut mit dem Nestbau. Die Metallkonstruktion verbauten sie geschickt und brüteten erfolgreich. Im Juli dieses Jahres wurde bekannt, dass in der Sache Kaminnest die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Das Strafverfahren wurde eingestellt

Dieses wurde nun eingestellt, wie die Pressestelle des Regierungspräsidiums (RP) auf Anfrage unserer Redaktion bekannt gibt. Und auch sonst gibt es Neuigkeiten: Der Antrag zum Entfernen des Nestes liege dem RP vor und ihm wurde stattgeben, heißt es. Als Begründung wird die Sicherheit der Kirchenbesucher angeführt: „Das Storchennest befindet sich über der Öffnung des Schornsteins und behindert den Abzug der Heizungsabgase. Können diese nicht frei abziehen, kann es zum Rückstau kommen und giftige Gase wie Kohlenmonoxid können ins Gebäude zurückströmen. Ohne Nestentfernung besteht daher bei Betrieb der Heizung eine erhebliche Gefährdung der Gesundheit der Kirchenbesuchenden“, so das RP.

Allerdings kommt der Antrag mit einer Auflage: Es muss ein Ersatznest errichtet werden. Das könnte zu Problemen führen, wie Storchenbeauftragter Rudi Allgaier, ausführt. Er war bei einem Gespräch dabei, bei dem die Beamten des RP Pfarrer Jürgen Grabetz und Mitgliedern der Kirchengemeinde das weitere Vorgehen erklärten. Dass ein Ersatznest im unmittelbaren Umkreis angeboten wird, sei eine gesetzliche Voraussetzung, damit ein Storchennest entfernt werden darf. Nur: „Jedes Mal, wenn der Kamin bebaut wird und das Nest darum wieder abgeräumt werden muss, muss neuer Ersatz gestellt werden“, so der Storchenbeauftragte. Konkret bedeutet dass, das die Zahl der alternativen Nester mit der Zahl der Nistversuche auf dem Kamin steigt. Sind die Störche besonders stur, könnte es eng werden auf dem Kirchendach. Zwar ist es theoretisch möglich, Ersatz auch in unmittelbarer Umgebung anzubieten, „aber wer von den Nachbarn der Kirche will schon ein Storchennest auf dem Dach?“, fragt Allgaier. Bisher ist Ersatz aber auch nur auf der Kirche geplant. „Über das Errichten eines Ersatznestes wird immer im Einzelfall entschieden, da die örtlichen Gegebenheiten sehr unterschiedlich sein können und auch die Situation der Storchenpopulation Einfluss auf die Entscheidung hat“, führt das RP aus.

Um so mehr hängt nun von der neuen Konstruktion auf dem Kamin ab, die die Störche vergrämen soll. Wer diese entwerfen wird, steht allerdings noch nicht fest. Genau so wenig ist sicher, wer das Nest entfernt. Klar ist laut RP aber: Bis Anfang Februar 2025 soll der Kamin frei geräumt sein.

Jedoch ist diese Frist großzügig gesetzt und die Kirchengemeinde sollte sich mit dem Abräumen sputen. Im vergangenen Jahr kehrte das Männchen der Kamin-Störche schon im Januar zurück und in der gesamten Region ist laut Allgaier zu beobachten, dass die Vögel es angesichts der warmen Winter immer eiliger haben mit ihrer Rückkehr – wenn sie überhaupt ziehen. Ein Haslacher Storch tauchte 2023 bereits Ende Dezember wieder in Haslach auf.