„Heultonnen des Glaubens“ seit 70 Jahren
Mit einem Festgottesdienst wurde der Posaunenchor der Evangelischen Kirchengemeinde gefeiert – Mehrere Bläser ausgezeichnet
Von Silke BeckmannLadenburg. So spielen, „dass Sie den Alltag vergessen können“ – das gehört laut Leiter Stephan Kirsch zu den Ansprüchen des Posaunenchors der Evangelischen Kirchengemeinde Ladenburg. Seit 70 Jahren besteht er schon, was jetzt mit einem Festgottesdienst gefeiert wurde.
Es war ein besonderer, musikalisch beschwingter Gottesdienst aus besonderem Anlass. Von „Gänsehaut-Momenten“ sprach Pfarrer David Reichert, der den rund zwanzig Musikern in mehrfacher Hinsicht „einen langen Atem“ bescheinigte. Denn den brauche es, um die Instrumente zum Klingen zu bringen. Dass ein Chor über Jahrzehnte hinweg bestehe, sei nicht selbstverständlich.
1954 war der Chor gegründet worden – auf Initiative der evangelischen Jugend, „nachdem die Mitglieder Werner Heiß und Werner Hopp immer wieder den Pfarrer und den Kirchgemeinderat bedrängten“, wie in der lesenswerten Festschrift anlässlich des 50-jährigen Chorjubiläums im Jahr 2004 zu lesen steht. Unter Leitung des Dirigenten Karl Kreter fand die erste Probe mit zunächst sechs Bläsern statt, zwei Jahre später waren es schon 18.
Welch Jahrzehnte überdauernde Tradition sie begründet haben, mögen die Gründungsmitglieder damals nicht geahnt haben. Doch Disziplin, Gemeinschaftssinn, Zusammenhalt und natürlich die Freude am Spiel schweißten die Bläser zusammen. Dies verdeutlichte auch Dietrich Krüger, Mitglied im Landesarbeitskreis Badische Posaunenarbeit, der im Rahmen des Gottesdienstes langjährige Chormitglieder „für langjährige Treue und Dienst am Instrument“ ehrte. Und die Bläser bei der Gelegenheit zudem aktiv als Tubist unterstützte.
Das Silberne Bläserzeichen für jeweils 25-jährigen aktiven Dienst verlieh Krüger den Trompetern Tobias Hahn und Holger Kotzan. Besondere Ehren wurden Bernd Enke, Fritz Lackner und Hartmut Rohrmann zuteil, die dem Chor schon über ein halbes Jahrhundert, nämlich inzwischen 60 Jahre lang angehören. Tenorhornist Enke, der schon lange nicht mehr in Ladenburg wohnt und trotzdem dabeigeblieben ist, und Lackner, sowohl Notenwart als auch Archivar des Chors, erhielten Urkunden und Präsente im Gottesdienst, während Rohrmann, terminlich verhindert, noch bis zur diesjährigen Freizeit in Wengen warten muss. Die 30. Herbst-Ausgabe übrigens, was wiederum den Gemeinschaftssinn mehr als deutlich unterstreicht.
Auch Diakonin Bärbel Fichtner hatte jemanden geehrt und Annette Krieck die Goldene Ehrennadel der Badischen Landeskirche überreicht. Ganze 24 Jahre lang war die Baritonhornistin Obfrau des Chors, hatte sich um die Belange der Bläser gekümmert, Termine koordiniert, Rundschreiben verfasst, Jungbläser ausgebildet, „unzählige Auftritte und schätzungsweise 1200 Proben absolviert“, wie Fichtner zusammenfasste. Krieck selbst, die in diesem Jahr nicht mehr kandidiert hatte und deren langjähriges Amt nun Katrin Dederer innehat, hob das „super Team“ um sie herum hervor, dem sie für die gute Zusammenarbeit dankte. Im Rückblick abseits der Festlichkeiten nannte sie zudem diverse Zeltlager, Freizeiten und Ausflüge, Wanderungen und die Spendensammlung für die 1996 erfolgte Herzoperation der damals kleinen Adisa. Nicht zu vergessen das traditionelle Kurrendeblasen am 23. Dezember: „Das mag ich besonders.“
„Posaunenchöre sind Heultonnen des Glaubens“, wagte Pfarrer Reichert eine „vielleicht etwas merkwürdig“ klingende Metapher. Doch als Heultonnen werden schwimmende Seezeichen bezeichnet, die der sicheren Navigation von Schiffen dienen. Und so helfen auch die Chöre in den heutigen extrem unruhigen Zeiten, immer Kurs zu halten: „Mitten im Sturm wird ihr Lob laut. Ihr schenkt Hoffnung, Mut und neue Kraft.“
Reicherts Dank galt auch Chorleiter Stephan Kirsch, der im Jahr 2006 den Dirigentenstab von Walter Enke übernommen hatte, der ihn 35 Jahre lang geschwungen hatte. „Sehr lieb“ habe er sein Ensemble längst gewonnen, betonte Kirsch: „Ich kann nicht Regisseur, Autor und Schauspieler sein ohne eine Gruppe, die größtenteils macht, was ich möchte“, sagte er humorvoll und dankte dafür, „dass ich mich so auf diese Truppe verlassen kann“.