BADISCHE NEUESTE NACHRICHTEN Hardt, 22.10.2024

 

Gläubige besprechen den Kirchenwandel

Dietrich Hendel

CVJM und ökumenische Partner wollen die Kirche an die Menschen von heute anpassen

Die Idee ist einfach: „Wir wollen Kirche in die Zukunft führen.“ Der Weg ist schwierig. Er ist ein Teil des Ziels. Vorwiegend jüngere Menschen aus CVJM (Christlicher Verein Junger Menschen), der evangelischen Kirche Baden, vom evangelischen Jugendwerk Württemberg und Vertreter aus den katholischen Bistümern Freiburg, Rottenburg-Stuttgart und Speyer machen sich mit einem Projekt, einem ökumenischen Vorhaben, an diesem Samstag auf den Weg, um neue Formen für Gottesdienste und Kirchenarbeit zu entdecken.

Ein gemeinschaftlicher Weg soll dahin führen. Das Haus des CVJM in Linkenheim-Hochstetten ist als Veranstaltungsort gut besucht, mit zumeist jungen Menschen, Hauptamtlichen aus der Kirchenarbeit sowie Ehrenamtlichen beider Konfessionen.

Dazu gehört Christoph Fuhrbach aus der Pfalz. Er ist im Bistum Speyer hauptamtlich für das Thema „Eine Welt“ respektive „Weltkirche“ zuständig. Er ist die 60 Kilometer in gut zwei Stunden mit dem Fahrrad gefahren, erzählt der 53-Jährige. „Wir brauchen Visionen, um Kirche zu sein, über das klassische Bild hinaus. Ökologische und soziale Herausforderungen hängen sehr wohl mit Glauben zusammen.“ Glaube könne inspirieren, Dinge zu tun, die eine stärkere Verbindung zur Natur schafften, meint er.

„Wie – das ist die zentrale Frage – wollen wir Kirche in die Zukunft führen? Und wie müssen wir Kirche verändern, dass sie zu den Menschen von heute passt, um die Botschaft Jesu Christi zu vermitteln?“, fragt Göran Schmidt, in der evangelischen Landeskirche Baden Referent für neue Gemeindeinitiativen.

Solche sind das Thema des Tages, der mit „Gründergeisttreffen“ überschrieben ist. „Hier finden sich ökumenisch ausgerichtete Menschen christlichen Glaubens zusammen, um neue Formen zu entwickeln, in denen Glauben gelebt werden kann. Wir brauchen Gründerinnen und Gründer, ‚Pioniere‘, die diese Formen mit den Menschen anstoßen und umsetzen“, sagt Schmidt.

„Wir wollen nicht mit gewachsenen Traditionen brechen, die in der Kirche nach wie vor ihren Raum haben. Aber wir gründen neue Formen von Kirche innerhalb unserer kirchlichen Strukturen wie denen in den Verbänden“, fügt er hinzu. Er zeichnet beispielhaft das Bild eines Walds, in dem diverse Arten von Bäumen, unterschiedliche Arten verschiedenen Alters miteinander wachsen. Die Jungen bräuchten Betreuung, Begleitung, Pflege, damit sie wachsen und sich entwickeln könnten. So sehe er das mit den neuen Formen in der Kirche.

„Dafür müssen wir die Menschen aufspüren, sie finden, ermutigen, befähigen und vernetzen. Denn wir dürfen die Gründerinnen und Gründer nicht – wie es bei Pionieren oft passiert – alleine lassen.“ Sie müssten sehen und spüren, dass sie nicht alleine sind, sondern zusammen mit anderen auf dem Weg sind, Kirche zu verändern. Und weil es nicht so leicht sei, die traditionelle Kirche und den CVJM, ursprünglich die Jugendorganisation, zu vereinen, weil es die passende Form nicht gebe, habe man eine eigene junge Gemeinde gegründet: „Y-church“, die junge Kirche. Maßgeblich daran beteiligt ist der Linkenheim-Hochstetter und CVJM-Aktive Ralf Zimmermann.

Gesucht sind Möglichkeiten, wie man Kirche zu den Menschen bringt: „Wir restaurieren derzeit einen alten Doppeldeckerbus, der als mobile Kirche unterwegs zu den Menschen sein soll“, sagt Schmidt, der an dem Projekt kräftig mitschraubt. Darin sieht er einen Beitrag, wie man Menschen gewinnen kann, miteinander Kirche zu leben.

Mit gewachsenen Inhalten in neuen Ausprägungen. So könnten Menschen miteinander Glauben leben. „Ähnliche Wege sind ein ‚Café-Bike‘, mit dem man in die Fußgängerzone fährt, um mit Passanten über Glauben zu sprechen. Oder indem man einen Gottesdienst in einer Kneipe oder auf einem Spielplatz feiert.

Verschiedene Impulsvorträge regen zum Weiterdenken an. „Gründergeist“ wolle Christen vernetzen und stärken. Dazu werden Angebote unterbreitet, zu denen ein Online-Starter-Kurs ebenso zählt wie ein Festival oder Lernreisen zu neuen Formen von Gemeinden, eine Freizeit und persönliches Coaching – bis zur Vermittlung finanzieller Förderung.

„Wir träumen von einer vielfältigen Kirche aus neuen und traditionellen Formen, in der sich die Menschen in der Glaubensausrichtung einig sind. Und in der sie als Christen zusammenstehen. Wir wollen neue Wege in dieselbe Richtung zum vertrauten Ziel mit Jesus Christus als Mitte gehen“, hebt Schmidt hervor.

www.gruendergeist.info