BADISCHE NEUESTE NACHRICHTEN Hardt, 19.10.2024

 

Redner stellt eine der größten theologischen Fragen

Vortrag von Horst Punge setzt sich mit dem Problem auseinander, warum ein liebender Gott so viel Leid zulässt Marianne Lother

Klimawandel mit Waldbränden und Überschwemmungen. Corona. Krieg. Inflation. Dazu kommt persönliches Leid. Die Frage drängt sich auf: „Warum lässt Gott das zu?“ Der ehemalige evangelische Oberkirchenrat Horst Punge aus Friedrichstal hat sich mit diesem Theodizee-Problem auseinandergesetzt und rund 30 Frauen und Männer verfolgten seinen Vortrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Männerkreis“ der evangelischen Kirche Friedrichstal.

Der Redner begann seine Ausführungen mit einem Beispiel: Eltern bekommen ein behindertes Kind. Sie sind gläubige Christen und reiben sich auf an der Frage: Warum trifft dieses Schicksal gerade unsere Familie? Aber sie bekommen auf ihr Gebet keine Antwort. Nach und nach versuchen sie, sich mit diesem Schicksal abzufinden und beten, Gott möge ihnen die Kraft geben, dieses Leid anzunehmen. Schon besser.

Punge findet eine Antwort im Alten Testament

„Die Richtung stimmt, auch wenn es Rückschläge gibt und immer wieder Zweifel auftreten, ob es einen Gott gibt“, erklärte Horst Punge. Müsste die Welt nicht anders aussehen, wenn es einen Gott tatsächlich gäbe? Der kompetente Redner fand die erste Antwort bereits in der Schöpfungsgeschichte der Bibel. Im Alten Testament habe Gott das Volk Israel aus der Sklaverei in Ägypten gerettet. Im Neuen Testament habe Jesus durch seinen Tod am Kreuz die Menschen aus der Sünde und vor dem Tod gerettet. Gott sei also ein Retter.

Aber warum lässt er dennoch manches Leid überhaupt zu? Punge stellte eine der schwierigsten Fragen der theologischen Philosophie, das Theodizee-Problem. Die zweite Antwort fand er bei Martin Luther und dessen These, Gott habe die Menschheit mit Freiheit ausgestattet. Zur Freiheit gehöre aber auch die Verantwortung für menschliches Tun und Lassen. Es sei des Menschen Freiheit, sich für das Gute und gegen das Böse zu entscheiden.

Dann kam Horst Punge auf den Tod zu sprechen. Der Tod sei eine Voraussetzung für die Kraft der Fortpflanzung. Menschen müssten sterben, damit nachfolgende Generationen leben könnten, betonte der ehemalige Oberkirchenrat der evangelischen Kirche. Somit gehöre die Leiderfahrung zum menschlichen Leben.

Im Altern, in Krankheiten, Schmerzen, Ängsten, Verzweiflung und Einsamkeit werde das deutlich. Reformator Martin Luther nenne das „den verborgenen Gott“ und empfehle dem Menschen, sich in diesen Situationen „zu dem offenbaren Gott zu flüchten.“

In Kleingruppen erarbeiten die Teilnehmer Gedanken

An dieser Stelle forderte Horst Punge die Zuhörerinnen und Zuhörer auf, sich in Kleingruppen über die Titelfrage „Warum lässt Gott das zu?“ auszusprechen und über die Ergebnisse der Gruppe zu berichten. Einer der Zuhörer erklärte, manche Menschen empfänden Leid als Strafe Gottes. Ein anderer sah das Problem nicht im Tod, sondern in der Frage, warum gerade das? Ein behindertes Kind müsse doch nicht sein, meinte der Teilnehmer der Veranstaltung.

Punge zitierte aus dem Hebräerbrief: Es möge es eine Hilfe sein, nach dem „wozu“ zu fragen. Vielleicht liege im Leid eine Läuterung. Diesen Weg könne aber jeder nur für sich selbst beschreiten. Letztendlich konnte auch der kompetente Oberkirchenrat die Frage, warum Gott so viel Leid auf der Welt zulasse, nicht abschließend beantworten.