Fränkische Nachrichten Buchen/Walldürn, 15.10.2024

 

Erntedank soll an Wertschätzung und Dankbarkeit erinnern

Kreiserntedankfeier 2024: Ökumenischer Gottesdienst und Empfang. Silberne und Goldene Meisterbriefe vergeben

Von Ralf Marker

Buchen.  „Wir haben genug!“ – unter diesem Motto stand die Kreiserntedankfeier 2024 des Kreisbauernverbands Neckar-Odenwald am Sonntag. Ein ökumenischer Gottesdienst in der evangelischen Christuskirche und ein Empfang im Gemeinderaum prägten die Feier.

Weiter wurden noch Silberne und Goldene Meisterbriefe verliehen und Erntegaben an die Buchener Kindergärten übergeben. Die Erntedankfeier fand im Rahmen der Neckar-Odenwald-Tage statt. Der Gottesdienst wurde von Gemeindereferentin Birgit Allabar, Dekan Folkhard Krall, Lektor Dr. Klaus Hahnfeldt und Organist Johannes Wießner gestaltet.

Dekan Krall ging in seiner Predigt auf das Motto der Veranstaltung – „Wir haben genug!“ – ein. Das könne man auf zweierlei Weise verstehen. Einmal an Erntedank im Sinne von Freude und Dankbarkeit und vollen Herzen. Aber auch im Sinne von „vollen Schnauzen“. Und das sei es ja auch gewesen, was die Landwirte Anfang des Jahres bei ihren Protesten auf die Straße gebracht habe, was sie deutlich gezeigt haben. Und die Proteste hätten Augen geöffnet, für die Anliegen, Sorgen und Nöte der Landwirtschaft. Der Dekan rief dazu auf, die Augen für das Schöne zu öffnen, Vertrauen und Hoffnung in die Herzen zu lassen, als Vorrat für dürre Zeiten. So wie man auch mit dem Ertrag der Ernte über dürre Zeiten kommt, so gelte es, sich im Herzen eine Vorratskammer des Vertrauens und Glaubens anzulegen.

Anschließend folgte die Übergabe der Erntegaben an die Buchener Kindergärten durch Andreas Sigmund, den Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes im Altarraum. Den hatten die Buchener Landwirtsfamilien Kieser, Häfner, Beuchert und Busselmeier schön und ansprechend geschmückt.

Im Gemeindehaus begrüßte Eric Keppeler, der stellvertretende Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, die Besucher der Erntedankfeier. Landrat Dr. Achim Brötel ging in seiner Rede auf das Motto „Erntedank – wir haben genug!“ ein. Der Satz stehe für ihn zunächst einmal für die Kernbotschaft des Erntedankfests. Da habe allein schon ein Blick in den wunderbar geschmückten Altarraum in der Kirche gelangt. Das, was dort aufgebaut ist, ist die Fülle des Lebens – voller Farben, voller Formen, voller Geschmack. Erntedank hat deshalb natürlich auch den Zweck, wieder einmal bewusst zu machen, wie reich unser Tisch doch gedeckt ist, und das an jedem Tag des Jahres.

„Viele auf der Welt wären gottsfroh, wenn sie das nur annähernd auch so hätten. Erntedank soll uns aber zugleich an so wichtige Dinge wie Wertschätzung und Dankbarkeit erinnern.“

An Erntedank gehe es auch um die Bedeutung und den Wert bäuerlicher Arbeit, weil sie das Wachsen und Gedeihen in diesem Maß nämlich überhaupt erst möglich macht. „Es kann nämlich nicht sein, dass die Politik dem, was Bäuerinnen und Bauern tun, inzwischen beinahe durchweg schon von vorneherein immer mit einer Art Grundmisstrauen begegnet.“

Wettbewerbsfähigkeit stärken

Wenn man in den letzten Jahren eines gelernt habe, dann sei es doch die Tatsache, dass Ernährungssicherheit angesichts wieder stark zunehmender Konflikte in der Welt halt gerade nicht gottgegeben ist. Eines müsse aber zweifelsfrei festgehalten werden: „Eine zuverlässige Versorgung mit Lebensmitteln ist und bleibt immer noch der Garant für soziale und politische Stabilität und sie ist nicht zuletzt auch die Basis unseres gesamten Wohlstands.“

Deshalb heiße eine ganz klare Kernbotschaft für ihn heute auch: „Wer eine sichere und nachhaltige Versorgung mit heimischen Lebensmitteln will, der muss auch für entsprechende politische Rahmenbedingungen sorgen, die die Wettbewerbsfähigkeit unserer landwirtschaftlichen Betriebe stärkt und nicht etwa gerade umgekehrt auch noch weiter schwächt. Und wir müssen in Deutschland künftig auch mehr darauf achten, dass die Erzeugerinnen und Erzeuger, genauso aber auch die Verbraucherinnen und Verbraucher tatsächlich faire Preise erhalten.“

Buchens Bürgermeister Roland Burger führte aus, mit „Wir haben genug!“ sei in einem Satz alles gesagt, etwa die Möglichkeit, sein Leben selbstbestimmt zu gestalten. „Wir haben genug!“ bedeute auch nicht „zu viel oder im Überfluss“, sondern sollte Rückbesinnung sein auf das, was wir wirklich brauchen. Das führe zu einer Zufriedenheit, an der es heute vielen mangelt. „Frieden, Sicherheit oder gesicherter Wohlstand – ,Wir haben genug!’. Und dafür sollten wir dankbar sein, nicht nur an dem heutigen Tag.“

Meisterbriefe übergeben

Die Meisterbriefe für 25 und 50 Jahre wurden von Melanie Bender, Vorsitzende des Vereins Landwirtschaftliche Fachbildung (VLF) Neckar-Odenwald, und Dirk Büttner, Fachdienstleiter Landwirtschaft im Landratsamt, übergeben. Büttner hatte die Übergabe mit einem humorvollen und stellenweise nachdenklich stimmenden Rückblick auf das Jahr 1974 bereichert, also das Jahr, in dem die Meisterprüfung abgelegt worden war.

Silberner Meisterbrief: Thomas Repp, Buchen.


Goldener Meisterbrief: Otto Herkert, Steinbach; Helga Link, Osterburken; Inge Hübl, geborene Götz, Seligental; Walter Hübl, Seligental; Robert Schüßler, Hainstadt; Karl-Ernst Lenz, Strümpfelbrunn; Robert Hemberger, Gerichtstetten; Ingrid Becker, Osterburken; Friedhelm Schöner, Daudenzell.