„Zu den 9-Uhr-Gottesdiensten kommt niemand mehr“
Die Strukturreform der evangelischen Kirche: Ab Januar neuer Zeitenplan für 13 Gemeinden – Veränderungen in Versammlung Thema
cbaSpechbach. (cba) Um welche Uhrzeit soll künftig der Gottesdienst stattfinden? Diese und viele weitere Fragen ergaben sich bei der Gemeindeversammlung der evangelischen Kirchengemeinde Spechbach und Epfenbach im Martin-Luther-Haus Spechbach. Dabei ging Pfarrerin Ulrike Walter auf die Strukturreform der evangelischen Landeskirche ein – und wie sich diese auf die Gemeinden auswirkt.
„Die Strukturreform ist notwendig, weil zum einen die Gemeindegliederzahlen zurückgehen und damit die Finanzen weniger werden, zum anderen nicht mehr so viele junge Menschen das Theologiestudium absolvieren, so dass nicht mehr alle Stellen wie bisher besetzt werden können“, erklärte Pfarrerin Ulrike Walter zum Hintergrund.
Rainer Ohlheiser, Vorsitzender der Gemeindeversammlung Epfenbach, führte in den Abend, der nur sehr schwach besucht war, ein. Thorsten Meister und Manuela Weis sind im Duo die Vorsitzenden der Gemeindeversammlung Spechbach, sie waren jedoch verhindert oder im Krankenstand. Die Gemeindeversammlung – das Gegenüber des Kirchengemeinderats, also ein separates Gremium, das mindestens einmal im Jahr einberufen werden soll – fand in diesem Jahr zum zweiten Mal statt. Die Kirchengemeinde informiert dabei über die bevorstehenden Änderungen und gibt den Kirchengliedern eine Plattform für Rückmeldungen.
Die Region Nord des Kirchenbezirks Kraichgaus umfasst 13 Dörfer, darunter auch Epfenbach und Spechbach. Bislang waren sechs Pfarrpersonen für diese 13 Dörfer zuständig. Ab 2025 stehen laut Planstelle jedoch nur noch fünf Pfarrpersonen zur Verfügung. Ab 2032 sind nur noch vier vorgesehen. „Da soll’s hingehen“, erklärte Ulrike Walter. Pfarrer Jonas Rühle aus Waibstadt-Daisbach hat nun die Pfarrstelle gewechselt. „Laut Plan wird niemand nachkommen“, verriet Pfarrerin Walter, „es bleiben fünf.“ Da sich jedoch Pfarrerin Sandra Stadler-Uibelhoer (Helmstadt) nun in Mutterschutz befindet, sind es nur noch vier Pfarrstellen. Für die Übergangszeit sei nun ein Springer, Pfarrer Armin Bauer, der ursprünglich im Boxberger sowie im Neckargemünder Raum zuständig war, eingesetzt worden. Er ist mit halber Stelle jeweils für Waibstadt/Daisbach sowie für Helmstadt-Bargen verantwortlich. Er übernimmt jedoch keine Verwaltungsaufgaben, sondern vorwiegend Gottesdienste sowie Kasualien. Derzeit ist er aber im Krankenstand. „Demnächst sind wir also wieder fünf Pfarrpersonen“, so die Pfarrerin. Die Region Nord soll in ihrer Struktur vorerst so bleiben, wie sie nun als Kooperationsraum eingefasst ist, sagte die Pfarrerin. „Wir sind eine Dienstgruppe und zu fünft zuständig für 13 Dörfer“, erklärte Ulrike Walter. Wie genau die Zuständigkeiten und die Verwaltung für die einzelnen Dörfer aufgeteilt werden soll – dies sei noch „im Prozess.“
Zunächst sei es die Aufgabe, einen gemeinsamen Gottesdienstplan zu erstellen. Das werde jedoch in der bisherigen Form nicht umsetzbar sein. Ab Januar solle es daher einen neuen Plan geben. Es könnten darüber hinaus nicht jeden Sonntag Prädikaten „eingespannt“ werden. Denn: „So viele haben wir gar nicht.“ Zudem sei der Einsatz von Prädikaten für die Kirchengemeinde mit Kosten verbunden. In Epfenbach, Spechbach, Eschelbronn und Neidenstein finden noch jeden Sonntag Gottesdienste statt. „Alle anderen Gemeinden haben schon zusammen gelegt“, führte Ulrike Walter aus.
Tenor in diesen Kommunen sei: „Zu den 9 Uhr-Gottesdiensten kommt niemand mehr“. Daher habe man diese nun „aufgegeben“. In Spechbach und Epfenbach jedoch sei der Besuch auch bei den 9 Uhr-Gottesdiensten noch relativ gut.
Nun sei es bei fünf Pfarrpersonen nicht möglich, alle Feiern in der Kirche um 10.15 Uhr abzuhalten. Sonntags seien nun acht Gottesdienste für 13 Orte mit vier Pfarrpersonen (Krankheit oder Urlaubstage wurden sicherheitshalber berücksichtigt) abzudecken. Nun stand die Frage im Raum, den ersten Durchlauf um 9.30 Uhr zu starten, den zweiten um 10.45 Uhr. Ein halbes Jahr lang wolle man nun testen, „ob die „Besucher da mitgehen“, so die Pfarrerin, „denn wir müssen schauen, wie wir das hinbekommen.“ Mit der späteren Variante konnten sich die Besucher der Gemeindeversammlung jedoch im Tenor nicht anfreunden.
Teile des Kirchenbezirks Neckargemünd-Eberbach sollen ab Januar 2025 zudem mit dem Kirchenbezirk Kraichgau fusionieren, eine neuer Name wird dann für den neuen Bezirk gesucht.
Die Region Steinachtal wird dann außerdem zur Region Weinheim gehören und der Kleine Odenwald geht zur Region Mosbach, führte die Pfarrerin aus. „Manches geht sehr schnell“, merkte sie an.
Als der Prozess der Strukturreform vor etwa zwei Jahren eingeleitet wurde, „hätten wir nicht gedacht, dass es so schnell geht, dass wir mit Meckesheim bald ein Kirchenbezirk sind.“ Das Dekanat für den neuen Bezirk werde in Sinsheim bleiben.