Badische Zeitung Lörrach, Weil am Rhein, 02.10.2024

 

FES-Direktor will Bildung mit Alltagsbezug

Die Freie Evangelische Schule Lörrach hat einen neuen Direktor. Samuel Adler hat das Ruder nach einjähriger Einarbeitungszeit von seinem langjährigen Vorgänger Wolfgang Zschämisch übernommen.

Lörrach Die Freie Evangelische Schule (FES) hat einen neuen Direktor, der längst kein Unbekannter mehr ist auf dem Lörracher Campus. Bereits vor einem Jahr kam Samuel Adler aus Berlin an die FES, die allein am Standort Lörrach 1500 Schülerinnen und Schüler zählt und insgesamt 380 Mitarbeiter beschäftigt. Dazu kommen die Außenstandorte der Grundschulen sowie zwei Kindertagesstätten.

Ein Jahr lang ließ sich Adler von seinem Vorgänger Wolfgang Zschämisch einarbeiten, bevor dieser sich nach 26 Jahren in den Ruhestand verabschiedete. „Bei einem so riesigen Unternehmen wäre das anders kaum möglich gewesen“, sagt Adler, der schon in Berlin Direktor an einer evangelischen Bekenntnisschule war. Unter seiner Regie sei diese Schule um 200 Prozent auf zuletzt 800 Schüler und 75 Mitarbeiter angewachsen.

Angefangen hat Adler, der in Sachsen studierte, als Gymnasiallehrer für Geschichte und Religion, „die beiden schönsten Fächer auf der Welt“, wie er sagt. Denn sie gäben ihm die Möglichkeit, viel Aktuelles zu thematisieren. Adler legt Wert darauf, auch weiterhin vier Unterrichtsstunden pro Woche zu übernehmen. Er will den Bezug zu den Schülern und ihrer Lebenswelt nicht verlieren. „Mein Beruf ist auch mein Hobby“, sagt der Direktor. Schulleitung ohne Leidenschaft, das gehe nicht.

Wird sich die FES noch weiter vergrößern? Geschäftsführer Karl-Heinz Rudishauser sieht dafür schon allein räumlich kaum Potenzial. Einzig das Gebäude der Realschule sei so konzipiert worden, dass noch ein drittes Stockwerk aufgesetzt werden könnte. Tatsächlich habe man vor einigen Jahren zwei ganzen Realschulklassen aus Platzgründen absagen müssen. Die Klassenzimmer an der FES seien jeweils nur für 25 Schüler ausgelegt, diese Größe soll nicht überschritten werden.

Der neue Schulleiter führt die personelle Situation als weiteren limitierenden Faktor für eine Vergrößerung an. Die Umstellung am Gymnasium auf G9 im kommenden Schuljahr und das in zwei Jahren anstehende Recht auf eine Ganztagsbetreuung würden weitere räumliche und personelle Herausforderungen mit sich bringen, sagt er. Der Zweig der Realschule habe in den vergangenen Jahren von den erhöhten Anforderungen durch das gymnasiale G8-System profitiert, hat Rudishauser festgestellt. Dies könnte sich nun bald wieder ändern.

Dass alle Mitarbeiter der FES das evangelische Bekenntnis teilen müssen, macht die Suche nach Personal nicht unbedingt einfacher. Andererseits finde sich aufgrund der Größe des Campus‘ leichter ein Vertretungslehrer, hin und wieder auch schulartübergreifend. An einer FES-eigenen Akademie werden Quereinsteiger qualifiziert und zwei Jahre lang begleitet. Hierbei würden sich die Verantwortlichen mehr Freiheiten wünschen.
Die FES vereint am selben Standort fünf Schularten, angefangen bei der Grundschule bis hin zum beruflichen Gymnasium mit zwei Profilen. Mit zum Sortiment gehört auch eine der letzten Werkrealschulen, an der Rudishauser und Adler gerne festhalten würden. Dies sei eine gute Schulart, um lernschwache Kinder in kleinen Klassen zu fördern. Sie passe ins christliche Profil der FES. Bewährt habe sich zudem eine gewisse Durchlässigkeit von einem Schultyp zum anderen, falls ein Kind doch einmal falsch eingeschätzt wurde oder ein Jugendlicher einen höheren Bildungsabschluss anstrebt.

Bei der Inklusion arbeitet die FES im Bereich Grundschule und Gymnasium mit der Karl-Rolfus-Schule zusammen, die dem St. Josefshaus Herten angeschlossen ist. In dafür vorgesehenen Klassen werden jeweils etwa fünf Schüler der Karl-Rolfus-Schule mit 20 FES-Schülern zusammen unterrichtet. Das fördere die soziale Kompetenz der Schüler und werde in der Regel von allen Beteiligten als Bereicherung empfunden.

Der neue Direktor legt Wert auf eine gute Schulausbildung mit Alltagsbezug. Besonders wichtig ist ihm deshalb die digitale Transformation des Unterrichts. Ganz bewusst werde in den Klassen auch auf KI-Systeme zurückgegriffen. Die Schüler sollen auf die Berufswelt vorbereitet werden und lernen, mit solchen Hilfsmitteln umzugehen. Adler legt zudem Wert auf eine gute Zusammenarbeit mit den Schülern. Auf die Elternvertreter sei an einer Privatschule typischerweise ohnehin Verlass. Darüber hinaus kümmern sich an der FES insgesamt sieben Personen um die Schulsozialarbeit. Auch sie wurden vom Schulträger selbst ausgebildet.

Wer sich für die FES entscheidet, sagt damit auch Ja zu den religiösen Angeboten der evangelischen Bekenntnisschule. Dennoch hätten die meisten Schüler keinen christlich sozialisierten Hintergrund, sagt Rudishauser. Viele Eltern würden den werteorientierten Kontext dennoch schätzen. Das Glaubensspektrum sei weit gefasst und nicht sehr festgelegt.

Der FES-Tag findet am Samstag, 12. Oktober, 11 bis 16.30 Uhr, statt. Los geht es um 10 Uhr mit einem Gottesdienst in der „Stami“, Wiesentalstraße 27.