Große Vorfreude auf „Riesenspektakel“
SAP Arena: 1500 Sängerinnen und Sänger aus der Region wirken an Chormusical „Bethlehem“ mit, das die Weihnachtsgeschichte in die heutige Zeit versetzt
Von Uwe RauschelbachMannheim. Der Stall von Bethlehem liegt in der Mannheimer SAP Arena. Dort wird die Weihnachtsgeschichte am Sonntag, 29. Dezember, in Lederlooks und in poppigen wie gospelartigen Arrangements aufgeführt. Das Chormusical, eine Koproduktion des Pianisten und Komponisten Dieter Falk sowie des Liedertexters und Librettisten Michael Kunze, wird von Chören aus der Metropolregion und einer Live-Band in Szene gesetzt. Insgesamt rund 1500 Sängerinnen und Sänger wirken gemeinsam mit Darstellerinnen und Darstellern aus der Musicalbranche mit.
Unter der Federführung der Stiftung Creative Kirche wird das Chormusical von der Evangelischen Kirche in Mannheim, der Protestantischen Kirche für Ludwigshafen, der Katholischen Kirche in Mannheim und den evangelischen Landeskirchen in Baden, der Pfalz und Hessen-Nassau mitgetragen. Eine bewährte Zusammenarbeit, wie die Sprecherin der Stiftung Creative Kirche, Meike Löher, bestätigt.
So war zum 500. Reformationsjubiläum 2017 mit dem „Luther“-Musical ein vergleichbares Projekt in der SAP Arena auf die Beine gestellt worden. Ziel sei es, die christliche Botschaft mit den Mitteln der Popularmusik breit zu streuen, so Löher, ohne die Alte Musik als traditionelles Kulturgut verdrängen zu wollen.
Tatsächlich haben die Projektchöre, die im September die Proben für das Chormusical aufgenommen haben, Zulauf auch aus dem nichtkirchlichen Spektrum erhalten. Claudia Seitz, Kantorin an der Mannheimer Johanniskirche, konnte rund 50 Sängerinnen und Sänger für den Marsch nach „Bethlehem“ begeistern. Zwar handele es sich um einen vergleichsweise „niederschwelligen Einstieg“ in die Kirchenmusik. Dennoch möchte die Chorleiterin die Popularmusik gegenüber dem traditionellen Repertoire keinesfalls abwerten.
Drei Dirigenten führen den Riesenchor an
Diese Auffassung vertritt auch Achim Plagge, Landeskantor der Badischen Landeskirche. Er ist einer von drei Dirigenten, die den mehrere hundert Köpfe zählenden Riesenchor in der Mannheimer SAP Arena leiten werden. Neben ihm agieren Maurice Antoine Croissant, Kirchenmusikdirektor der Evangelischen Kirche der Pfalz, und Manuel Schienke, Referent für Popularmusik der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Plagge ist fasziniert davon, wie „motiviert, offen und begeisterungsfähig“ die Menschen zu den Proben der Projektchöre strömen. „Bethlehem“ spreche offenbar viele Menschen an; er selbst sehe sich als „Brückenbauer“ zwischen der popularen und der klassischen Kirchenmusik.
Nicht jeder Kirchenmusiker könne diesen Spagat vollbringen; doch in der kirchenmusikalischen Ausbildung rangierten beide Bereiche inzwischen gleichberechtigt nebeneinander. „Wir brauchen die Gesamtbreite der Kirchenmusik“, betont Achim Plagge. Auch der Umgang der drei Dirigenten untereinander, die das Chormusical leiten werden, sei „völlig unkompliziert“. Es gebe keine hierarchischen Differenzen. Alle Mitwirkenden ordneten sich in die jeweiligen Aufgaben- und Verantwortungsbereiche dieses Großprojekts ein.
Ulrike Bühler, im alltäglichen Leben als Bankkauffrau unterwegs, hat in Seckenheim einen Projektchor ins Leben gerufen, der mehr als 70 Sängerinnen und Sänger vereint. Die Art der Musik sei „total mitreißend“, alle Mitwirkenden freuten sich auf dieses „Riesenspektakel“. Teile des Musicals wolle sie im Januar noch einmal in einem örtlichen Gottesdienst aufführen. Bühler geht davon aus, dass sich etliche Mitwirkende des zeitlich limitierten Chorprojekts bestehenden Chören anschließen werden.
Uraufführung im Jahr 2023 in Düsseldorf gefeiert
Die Uraufführung von „Bethlehem“ hat vor einem Jahr in Düsseldorf stattgefunden. Anschließend ging das Stück auf Tournee. Im kommenden Jahr stehen unter anderem Braunschweig, München und Stuttgart auf dem Terminkalender. Das Musical will über religiöse Grenzen hinweg die Botschaft von Weihnachten vermitteln. Durch eine Kombination aus Gospelmusik und bekannten Weihnachtsmelodien soll die Geschichte zu einem lebendigen Geschehen werden, das verbindet, Emotionen weckt und die Herzen berührt. Die moderne Inszenierung holt die biblische Erzählung ins Hier und Jetzt: Eine junge Familie auf der Flucht erlebt Abneigung und Ausgrenzung in einem fremden Land. Ein machtgieriger Herrscher sichert seine Position durch Gewalt. Doch der Glaube und die Kraft der Liebe geben der Familie Hoffnung.
Die Stiftung Creative Kirche mit Sitz in Witten veranstaltet seit 30 Jahren bundesweite Großveranstaltungen im Sinne einer „einladenden und begeisternden Kirche“. Die Festivals, Aufführungen, Konzerte, Tourneen und Fernsehproduktionen finden jeweils in Kooperation mit Kommunen, Kirchen und weiteren Partnern statt. Die Beteiligungsprojekte erreichten nach eigenen Angaben in den vergangenen fünf Jahren mehr als 50 000 Mitwirkende und mehr als 500 000 Besucherinnen und Besucher. Das im ZDF ausgestrahlte „Luther“-Musical hätten mehr als 1,7 Millionen Menschen gesehen.