BADISCHE NEUESTE NACHRICHTEN Karlsruhe, 27.12.2024

 

Weihnachtliche Meditation verbindet Tradition und Moderne

Wolfgang Abendschön und Akzente sowie Gäste bringen Besinnliches, Rockiges und Poetisches in die evangelische Stadtkirche Rüdiger Homberg

Karlsruhe. Es ist Heiligabend, die Nacht vom 24. auf den 25. Dezember. Die evangelische Stadtkirche in Karlsruhe ist nahezu voll besetzt. Die Menschen sind zu einer weihnachtlichen Meditation der besonderen Art in das Gotteshaus gekommen. Zum 42. Mal bieten der christliche Rockpoet Wolfgang Abendschön, seine Band Akzente und Gäste Besinnliches, Rockiges, Poetisches zum Nachdenken, Mitfühlen, Mitmachen, Mitsingen, Mitrocken.

Gastgeber ist zum ersten Mal der evangelische Stadtdekan Thomas Schalla. Er ist auf diese Nacht sehr gespannt und sieht das Spannungsfeld zwischen sehr Altem und total Neuem. Mittendrin Wolfgang Abendschön und Akzente. Für das Alte, Traditionelle steht der mongolische Ober- und Untertonsänger Enkhjargal Dandarvaanchig, genannt Epi. Er ist zum zwölften Mal mit dem mongolischen Nationalinstrument bei der Abendschön-Christnacht, der zweisaitigen Pferdekopfgeige. Für das Neue steht der Poetry-Slammer Johannes Musielski. In diesem Dazwischen sieht Schalla auch die Stellung Gottes in dieser Nacht und überhaupt: mittendrin.

Das Publikum jedenfalls ist sehr ergriffen von den rockigen Klängen, die die Band mit ihrem für Rockmusik typischen Instrumentarium produziert. Abendschön am Keyboard, seine Schwester Heidrun an den Percussion-Instrumenten. Gitarrist Jörg Dudys, Michael Bartholme am Bass, Drummer Michael Bartholme – und mittendrin Epi mit seinem fast unmenschlich anmutenden Stimmvolumen, der wie wild den Bogen über sein Instrument sausen lässt. Bandleader Abendschön erinnert direkt zu Beginn des Konzerts an die Opfer von Magdeburg. Hass, Rassismus und Gewalt setzt er die Liebe, die Toleranz, die Menschlichkeit entgegen. Erstmals brandet hier Beifall auf. Das erste Lied „Sonnenstrahlen“ unterstützt dieses für Abendschön zutiefst christliche Ansinnen.

Poetry-Slammer Musielski will nicht laut werden, sondern hat zwei eher ruhige Texte mitgebracht. Er überlässt es den Gästen, zu applaudieren oder in sich zu gehen. Im ersten Text berichtet er denn auch von Inseln der Stille: „Ich mag mich auch im Moment des Scheiterns noch.“ Und tatsächlich bleibt der Beifall aus. Anders nach dem zweiten Text, dem er vorausschickt, dass er in der Jugendhilfe arbeitet und auch in Strafanstalten auftritt. Er widmet den Text den Menschen in deutschen Gefängnissen. Musielski fordert in dem Gedicht, dem Frieden eine Chance zu geben, auch Frieden vom Krieg in jedem Einzelnen. Das quittiert das Publikum mit deutlichem Applaus.

Vor dem Schlusssegen durch Dekan Schalla erinnert Wolfgang Abendschön an diejenigen Menschen, denen es nicht so gut geht. Und verkündet, dass er nach den letzten beiden Liedern keine Zugabe spielen möchte. Und er lädt zu seiner Veranstaltungsreihe „Zwischenspiele für die Seele“ ein. Erster Termin ist am 19. Januar in der Stadtkirche. Dort gebe es dann die Zugabe. Und dazu neue und alte irische Segenswünsche. Sehr berührt verlassen die Gäste die Kirche und gehen in die Heilige Nacht hinaus.