Mit Clarence auf dem Weg zur Weihnachtsbotschaft
Florian ErtlEin Spaziergang der besonderen Art erwartete am Sonntagmittag rund 40 Teilnehmer am Brettener Hohberghaus. Unter dem Motto „Weihnachtsspaziergang – mit dem Esel unterwegs“ luden die Evangelische Kirche Region Bretten und das Vokalensemble „Die Spontanen“ zu einer adventlichen Wanderung ein. Mit dabei: Esel Clarence, der treue Begleiter der Gruppe auf dem etwa drei Kilometer langen Weg über den Hohberg.
Trotz kühler Temperaturen ließen sich die Teilnehmer, ausgestattet mit wetterfester Kleidung und gutem Schuhwerk, auf das besondere Erlebnis ein. „Unsere Kleine wollte unbedingt den Esel sehen. Und im Vorfeld hatten wir von Bekannten viel Gutes über die Veranstaltung gehört“, erzählte Marius Wehner, der mit seiner Frau und seiner vierjährigen Tochter am Spaziergang teilnahm.
Nach einer kurzen Begrüßung durch Dekanin Ulrike Trautz, eine der Organisatorinnen des Weihnachtsspaziergangs, setzte sich die bunt gemischte Gruppe in Bewegung. Dabei sorgte Esel Clarence nicht nur für einen Hingucker, sondern brachte auch eine symbolische Tiefe in die Veranstaltung. Der Esel steht im biblischen Kontext für Demut und Geduld. Mit einem Esel verbinden viele Gläubige neben dem Einzug Jesu in Jerusalem am Palmsonntag auch die Reise von Maria und Josef nach Bethlehem. „Wir möchten mit unserem Esel den Weg zu Weihnachten und der Weihnachtsbotschaft beschreiten“, erklärte Trautz.
Bereits zum dritten Mal fand der Spaziergang in dieser Form statt. Im Vorjahr wurde Clarence noch von seinem Eselfreund Guido begleitet. Dieser blieb in diesem Jahr auf der Koppel bei Katrin Glücks Esel Frodo und dem sieben Monate alten Opalius. „Für den Kleineren wäre die Tour einfach noch zu viel gewesen“, erzählte Glück, die zusammen mit Dekanin Trautz die Idee für die Eselspaziergänge in Verbindung mit einem Gottesdienst hatte. „Mit dieser Aktion wollen wir bewusst Menschen begeistern, die vielleicht nicht gerne in die Kirche gehen. Das ist uns gelungen“, sagte Pfarrerin Annemarie Czetsch.
An vier Stationen hielt die Gruppe inne, um sich auf das Weihnachtsfest vorzubereiten. Musikalisch untermalt von „Die Spontanen“ regten kurze Impulse zum Nachdenken über die Bedeutung von Weihnachten, die Gemeinschaft und die eigene innere Haltung an. Die Themen reichten von Besinnung in einer hektischen Welt bis hin zu der Frage, wie man selbst zu einem Licht für andere werden kann. Die adventlichen Lieder des Vokalensembles luden die Teilnehmer zum Mitsingen ein.
Jeder Inhalt einer Station wurde von Trautz und Czetsch unter einem Begriff zusammengefasst. So wanderten die Teilnehmer von der „Erwartung“ über „Vorfreude“ und „Staunen“ bis zur „Hoffnung“. An jeder Station wurde ein Teil der Weihnachtsgeschichte nacherzählt und in den Kontext der heutigen Zeit eingeordnet.
Neben der geistigen Besinnung kam auch die Gemeinschaft nicht zu kurz. Viele Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen – sei es über die Impulse an den Stationen, über den Esel Clarence, der zwischendurch den einen oder anderen Zusatzstopp für eine Essenspause einlegte, oder einfach über die weihnachtliche Vorfreude. Nach der etwa zweistündigen Wanderung klang der Nachmittag bei Glühwein und Punsch in geselliger Runde aus. Mit der Mischung aus Bewegung, Musik, Besinnung und Gemeinschaft hinterließ die Veranstaltung bei vielen Teilnehmenden einen bleibenden Eindruck.
„Man konnte den Alltag für ein paar Stunden hinter sich lassen und die wahre Bedeutung von Weihnachten spüren“, sagte Teilnehmerin Velma Wehner. Dem schloss sich Maximilian Preis an: „Wir gehen gerne in den Weihnachtsgottesdienst. Das gehört für uns zum Fest. Der Eselspaziergang könnte sich da auch als fester Termin für unsere Familie etablieren.“
Auch Eselhalterin Glück war zufrieden: „Der Spaziergang ist für mich nicht nur ein schönes Ereignis in der Weihnachtszeit, sondern zeigt auch, wie guttuend es seien kann, einfach mal den Kopf auszuschalten.“ Aus ihrer Arbeit mit den Eseln wisse sie ohnehin, wie beruhigend die Gesellschaft der klugen Tiere sein kann.
„Ich könnte mir sehr gut vorstellen, diese aufkommende Tradition in den kommenden Jahren weiterzuführen. Clarence macht es auf jeden Fall Spaß, die Menschen auf ihrem Weg zum Weihnachtsfest zu begleiten“, sagte Glück. Esel Clarence durfte sich als Belohnung nach dem Spaziergang auf eine große Portion Hafer freuen.
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