„Tolle Impulse“
Wolfgang WeberWalter Boës ist Landesjugendpfarrer der Evangelischen Landeskirche Badens
Die Idee, Pfarrer zu werden, kam Walter Boës erst relativ spät. „Ich dachte immer, dass ich sicher mal einen naturwissenschaftlichen oder technischen Beruf ergreifen würde.“ Ein sehr engagierter Religionslehrer brachte ihn dann auf die Idee, Theologie zu studieren. „Der Lehrer organisierte in der Religions-AG am Brettener Melanchthongymnasium zum Beispiel eine Fahrt nach Israel. Das hat mich sehr bewegt und auch geprägt.“ Also entschied er sich für ein Theologiestudium.
„Die Jugend ist die Zukunft der Kirche“
Schon in seiner ersten Arbeitsstelle nach dem Studium arbeitete der gebürtige Karlsruher Boës mit Jugendlichen zusammen. „Ich war Studienleiter am Theologischen Studienhaus Heidelberg.“ Das TSH ist ein evangelisches Studienhaus mit interdisziplinärer, ökumenischer und interkultureller Ausrichtung. Träger ist die Evangelische Landeskirche in Baden. Das Haus bietet Raum für 29 Studierende aus dem In- und Ausland. Zur Hälfte studieren sie Theologie, zur anderen Hälfte möglichst unterschiedliche Studienfächer.
Wer hier während des Studiums wohnt, findet oft Freundschaften fürs Leben, kann sich im Zusammenleben engagieren und wird auf dem Weg durch die Studienzeit gut begleitet. Die Arbeit mit den jungen Menschen hat ihm schon damals viel Spaß gemacht und so überrascht es nicht, dass Boës auch sein neues Amt als Landesjugendpfarrer der Evangelischen Landeskirche in Baden voller Begeisterung und mit viel Elan angetreten hat.
„Die Jugend ist die Zukunft der Kirche, heißt es zu Recht. Mir ist die Jugend aber zuerst um ihrer Gegenwart willen wichtig“, erklärt der zweifache Vater, der von 2010 bis Ende August 2024 Pfarrer der Evangelischen Lukasgemeinde Karlsruhe war. Vermisst er die Arbeit in der Gemeinde? „Natürlich“, sagt er, „Ich habe das schließlich mit Herzblut gemacht.“ So fehlten ihm beispielsweise die Jugendarbeit vor Ort oder die Kindergottesdienste. Allerdings, so gibt er zu, hat er im Moment so viel zu tun, dass er kaum Zeit hat, etwas anderes zu vermissen.
Seine neue Stelle als Landesjugendpfarrer unterscheidet sich schon sehr von seinem vorherigen Job als Gemeindepfarrer. So gehören beispielsweise die Planung und Entwicklung von Formen und Inhalten Evangelischer Kinder- und Jugendarbeit zu seinen neuen Aufgaben.
„Popsongs spielen eine wichtige Rolle“
Außerdem ist die Stelle mit den Aufgaben eines Abteilungsleiters im evangelischen Oberkirchenrat verbunden und bildet eine Schnittstelle zwischen der Kirche und der verbandlichen Jugendarbeit. „Es ist viel Tagesgeschäft, aber das ist ein gutes Zeichen, denn es erzählt davon, dass viel los ist“, sagt er. Er reist sehr viel, ist ständig unterwegs, nimmt an Tagungen, auch auf Bundesebene, teil. Und er besucht nach und nach alle Bezirksjugendreferenten Badens, um aus erster Hand zu erfahren, wo der Schuh drückt. „Wir schauen gemeinsam, was es braucht, damit Jugendarbeit gelingen kann. Es ist toll, zu sehen, wie sich junge Menschen entwickeln. Aber es ist auch toll zu sehen, welche Impulse die Jugend zu geben vermag.“
Vor kurzem gab es einen Taylor-Swift-Gottesdienst in Heidelberg. Könnte das ein Vorbild für ähnliche Veranstaltungen sein? „Absolut!“, sagt Boës. „Popsongs spielen eine wichtige Rolle in der Lebenswirklichkeit der Menschen.“ Pop im Gottesdienst? Das kennt Boës auch schon aus der Karlsruher Lukasgemeinde. Dort gibt es am Heiligen Abend um 18 Uhr alle Jahre wieder einen Gottesdienst von Jugendlichen für Jugendliche. Und die Kirche ist an diesem Abend immer bis auf den letzten Platz gefüllt.
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