„Durch die Brüche der Welt strahlt das Licht des Friedensbringers“
Heike Springhart, Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Baden, schreibt in ihrer Weihnachtsbotschaft über Kraft der HoffnungVON HEIKE SPRINGHART
In den Augen von Kindern ist alles zu sehen: das Strahlen und die Freude auf Weihnachten, der Zauber der heiligen Nacht – aber auch die Traurigkeit und Verzweiflung, wenn ringsherum alles in Brüchen ist. In den Augen der Kinder spiegelt sich die ganze Verletzlichkeit des Lebens.
In den Augen und im Strahlen des göttlichen Kindes spiegelt sich die ganze Hoffnung der Welt. Gott kommt im Stall von Bethlehem als Kind zur Welt. Das feiern Christinnen und Christen an Weihnachten. „Welt ging verloren, Christ ist geboren – Freue dich, freue dich, o Christenheit!“ Wenn am Ende der Christnacht aus so vielen unterschiedlichen Kehlen die o du fröhliche Weihnacht besungen wird, dann packt mich das in jedem Jahr und rührt mich zu Tränen.
Die ganze Verlorenheit der Welt und die Momente, in denen ich mich in meinem Leben verloren fühle, sind überstrahlt von der Geburt Christi. Das verändert alles. Durch die Brüche und Risse der Welt strahlt das Licht des Friedensbringers Jesus Christus, des Heilands der Welt. Er setzt allen menschlichen Heilsversprechen eine Grenze. Dass Gott Mensch geworden ist, bedeutet für uns vor allem, dass wir endlich Menschen sein können und dass endlich Menschlichkeit möglich wird. Menschlichkeit hat da eine Chance, wo die Grenzen der menschlichen Möglichkeiten ernst genommen werden. Dazu braucht es den Mut zum Kompromiss, die Bereitschaft, auch auf die anderen zu hören, und den Blick darauf, dass Frieden im Großen und im Kleinen da beginnt, wo über alle Positionen hinweg nach dem gesucht wird, was der Menschlichkeit, dem Leben und dem Frieden dient.
In den Augen der Kinder spiegelt sich die Hoffnung auf eine andere Welt und die Sehnsucht nach einem Leben mit guten Aussichten wider. Im Herbst habe ich in Argentinien am Stadtrand von Buenos Aires einen Hoffnungsort besucht. Die evangelische Kirche am Rio de la Plata hat dort mit der ASE, der Acción Social Ecuménica, einen sicheren Ort für Kinder und Jugendliche geschaffen. Pfarrer Sabino Ayala und sein Team ermöglichen den Kindern die Erfahrung, dass ein anderer Ort und eine andere Welt möglich sind. Gut 50 Kinder und Jugendliche kommen mehrfach in der Woche und machen gemeinsam Musik. In der Musik erfahren diese Kinder und Jugendlichen, dass es für sie eine gute Perspektive gibt, dass es einen Weg hinaus gibt aus der Armut.
Das Strahlen und der Stolz in den Augen dieser Kinder und Jugendlichen war für mich ein weihnachtliches Strahlen, aus dem die Hoffnung auf eine andere Welt geleuchtet hat. Das Engagement von Pfarrer Ayala ist für mich ein Beispiel dafür, dass wir mit unseren begrenzten Möglichkeiten Orte für die Menschlichkeit schaffen.